Presseschau
HSH Nordbank – ein Wespennest ohne Zukunft

Die Wirtschaftspresse diskutiert über die anstehende Abberufung von Dirk Jens Nonnenmacher als Chef der HSH Nordbank, die fragwürdige Rolle von Chefaufseher Hilmar Kopper und die düsteren Perspektiven der Landesbank. Laut Financial Times muss die G20 andere Schwerpunkte setzen. Vedomosti fragt, warum Moskaus Kinder im Exil studieren. Fundstück: Blankfein statt Boba Fett.
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Dirk Jens Nonnenmacher soll als Chef der HSH Nordbank abberufen werden. Die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein forderten den Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper gestern dazu auf, die Schritte zur Trennung von dem 47-Jährigen einzuleiten. Dieser hat zugesagt, sich nicht gegen die Entscheidung der Hauptanteilseigner zu stellen.

Die Börsen-Zeitung richtet ihren Fokus auf das Verhältnis von Politik und Aktienrecht: Dass Kopper gestern auf die nächste ordentliche Aufsichtsratssitzung am 2. Dezember verwiesen habe, spreche Bände. „Dass Kopper diese Art von politischer Einmischung nicht gefällt, ist offensichtlich. Ein Aufsichtsratsvorsitzender einer Aktiengesellschaft ist kein Vollzugsgehilfe von Landesregierungen, bei denen sich die politische Dynamik verselbständigt hat.“ Zwar sei Nonnenmacher als Vorstandschef auch für das trostlose Bild der HSH in der Öffentlichkeit mitverantwortlich. Doch was mute die Politik dem Aufsichtsrat zu, der erst vor wenigen Wochen erneut eine Vertrauenserklärung für Nonnemacher abgegeben habe, nachdem Gutachten von WilmerHale und der KPMG kein schuldhaftes Verhalten von Nonnenmacher konstatiert hatten? „Die Politik glaubt vermutlich, aus dem Schneider zu sein. Sie ist es nicht.“

Die Financial Times Deutschland applaudiert der Entscheidung der Politiker, Nonnenmacher loswerden zu wollen. Er habe es zwar geschafft, sein Unternehmen halbwegs aus der Krise zu führen, andererseits sei seine Karriere gepflastert mit Skandalen, die er zu verantworten habe – von zweifelhaften Finanzgeschäften über den Rausschmiss von Führungskräften unter höchst dubiosen Umständen bis hin zum Beschatten von Politikern. Einen passenden Nachfolger zu finden, werde jedoch nicht so trivial wie es klinge, blickt die FTD in die Zukunft. Die Liste der gescheiterten Bankenmanager in Deutschland sei lang. Dabei verweist das Blatt auf die Ernennung von Ex-BayernLB-Chef Michael Kemmer zum Hauptgeschäftsführer des Dachverbands der privaten Banken BdB – Kemmer drohe wegen der Übernahme der Kärntner Hypo Group Alpe Adria ein Strafverfahren.

Auch die Wirtschaftswoche meint, der Abschied von Nonnenmacher sei überfällig, nicht nur, weil Mitarbeiter über das Sozialverhalten des Matheprofessors geklagt hätten, das an Autismus gegrenzt haben soll. Die Eigner der Bank müssten außerdem das Institut vor weiterem Schaden schützen. Eine fortgesetzte Diskussion darüber, wer wann wo wie und gegen wen intrigiert habe, würde die Sanierung der Bank aufs äußerste gefährden. Ähnlich wie die FTD sieht die Wiwo große Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger für Nonnenmacher: einerseits, da kaum ein erfahrener Bankmanager sich für eine vergleichsweise moderate Bezahlung ins Wespennnest HSH setzen wolle, andererseits, da die Zukunft der HSH weiter unsicher sei. Das klar definierte Geschäftsmodell der Schiffsfinanzierung mache das Institut von den Schwankungen der Konjunktur abhängig.

Die Süddeutsche Zeitung porträtiert den HSH-Aufsichtratsvorsitzenden Hilmar Kopper als Opportunisten. Als Chef der Deutschen Bank habe er sich seinerzeit gewünscht, dass sein Haus niemals Sparkassen kaufen möge, die provinziell seien – trotzdem habe er im Sommer vergangenen Jahres den Aufsichtsratsvorsitz bei der kleinen Landesbank übernommen, was vergleichbar sei mit einem „eher unwahrscheinlichen Engagement von Franz Beckenbauer bei Eintracht Braunschweig“. Auch in der Personalie Nonnenmacher sei Koppers Verhalten widersprüchlich. „Wenn sie Herrn Nonnenmacher entlassen wollen, müssen sie erst einmal mich entlassen“, habe Kopper im Herbst 2009 erklärt. Im Oktober 2010 jedoch habe Kopper in einem Brief an Michael Neumann, den Vorsitzenden der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg, es als „Unterstellung“ bezeichnet, dass er seine „Aufsichtsratstätigkeit mit dem Verbleib von Herrn Nonnenmacher im Vorstand der HSH“ verknüpft habe. Im Rückblick sei es fraglich, warum sich Kopper den Posten bei der HSH zugemutet habe.

Das Manager Magazin glaubt zwar, dass ein Nachfolger von Nonnenmacher relativ schnell gefunden werden könne – der schwedische Bankmanager und Krisenexperte Jan Eric Kvarnström, einst bei der Dresdner Bank für die Abwicklung der Problemkredite zuständig, wäre ein geeigneter Kandidat. Problematisch sei jedoch die Zukunftsaussicht. Ohne nennenswerte Kundeneinlagen müsse sich die Bank am Kapitalmarkt refinanzieren, doch der Name der HSH sei bei internationalen Investoren verbrannt. „Nicht wenige HSH-Mitarbeiter gehen angesichts dieser trüben Gemengelage davon aus, dass die Bank in einigen Jahren, wenn die Altgarantien ihrer Eigentümer auslaufen, sang- und klanglos abgewickelt wird. Für ein Geldhaus, das sich einst als fortschrittlichstes aller deutschen Landesinstitute wähnte, wäre das sicher ein unrühmliches Ende. Für den deutschen Steuerzahler hingegen wäre es nicht die schlechteste Lösung“, lautet das Fazit des Manager Magazins.

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