Presseschau
Irland exportiert die Angst

Die internationale Wirtschaftspresse glaubt nicht, dass die Rettung Irlands die Finanzmärkte beruhigen kann und sieht Deutschland in der Rolle des Nutznießers der Eurokrise. Forbes verspricht baldige Wikileaks-Enthüllungen aus der Unternehmenswelt. Die Financial Times Deutschland gibt Ferdinand Piëch Tipps in Sachen Porsche-Integration. Fundstück: Russlands lyrisches Unternehmertum.
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Die Financial Times findet es nicht verwunderlich, dass das Rettungspaket für Irland und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auf den Märkten gefloppt ist. Die Erschaffer des ESM hätten nämlich zwei widersprüchliche Aufgaben zu lösen gehabt: "Genug Sicherheit bieten, um die aktuelle Panik zu unterbinden und gleichzeitig den Banken klarmachen, dass sie für das Eingehen zu hoher Risiken mit keinen weiteren Rettungsmaßnahmen rechnen können", erläutert das Blatt. Die EU sei statt dessen davor zurückgeschreckt, die vorrangigen Gläubiger irischer Banken ebenfalls bluten zu lassen. Auch nach 2013 würden die Gläubiger nicht zur Kasse gebeten, solange die Finanzminister der EU nicht anonym übereinkommen, dass der betroffene Staat insolvent sei. Zwischenzeitlich sei es unklar, wie Irland die Schulden, die es nun auf sich genommen habe, bezahlen werde. So wundere auch nicht, dass Märkte die fatale Kombination spürten: "Regierungen haben weder die Mittel den so genannten Moral Hazard zu unterbinden, noch die Krise mit einem enormen Scheck zu beenden".

Auch das Wall Street Journal glaubt nicht, dass Vertrauen sich mit 85 Milliarden Euro zurückkaufen lasse. Nach der negativen Reaktion auf das für Irland hastig zusammengeschusterte Rettungspaket, sei es unmöglich zu beurteilen, welche Summe Ruhe auf die Märkte zurückbringen werde. "Die Märkte sind überzeugt, dass Portugal dieselbe Behandlung brauchen wird wie Irland", ist das Blatt sicher. Die Essenz sei, dass das Rettungspaket keine Lösung darstelle. Die hohen Zinsen für Irland seien eine "eingebaute Fehlschlaggarantie". Die Märkte glaubten nicht, dass Irland sich die Mittel leisten könne. Die Frage sei, wann der Staatsbankrott kommt - und nicht ob. So habe der amerikanischer Ökonom Nouriel Roubini, der sich als Krisenprophet den Beinamen "Dr. Doom" verdient habe, prognostiziert, dass auch Spanien angesichts der anhaltenden Rezession, der hohen Arbeitslosigkeit und des kollabierten Immobilienmarktes demnächst einen Bail-out brauchen werde. "Für das spanische Bankensystem könnte das Europäische Rettungsnetz jedoch nicht breit genug sein", fürchtet das Blatt.

"Irland exportiert Angst", schreibt zu diesem Thema der australische Business Spectator. Trotz des Rettungspakets spekulierten die Märkte weiterhin darauf, dass Portugal das nächste Opfer der Schuldenkrise sein werde. Dies stelle ein großes Problem für Spanien dar, dessen Banken von Portugals Schulden bedroht seien. Sorgen gebe es auch, dass Deutschland langsam müde sei, die schwächeren Euroländer zu retten und deshalb auf strikteren Konditionen bestehe. So zahle Irland 5,8 Prozent Zinsen auf die Gelder des Rettungspakets, deutlich mehr als Griechenland, dass seinerzeit fünf Prozent bekommen habe. "Diese Sorgen resultieren in Kursverlusten an europäischen Börsen und im steilen Ansteigen der Kreditkosten für Risiko-Staaten", beobachtet die Zeitung. Die Renditen auf spanische Anleihen seien um 25 Basispunkte auf 5,41 Prozent geklettert, auf portugiesische gar um 14 Basispunkte auf 6,84 Prozent. "Es gibt Befürchtungen, dass das Land seine Schulden bald nicht mehr bedienen kann und auch um ein Rettungspaket bitten wird - solange die Kreditkosten nicht deutlich absinken", analysiert das Blatt.

Die kanadische The Globe and Mail sieht Deutschland als Nutznießer der aktuellen Euro-Krise. "Glaubt man den Experten, so handelt es sich bei Angela Merkel um einen Dummkopf", schreibt das Blatt. Die Situation sei außerordentlich ernst, habe die Kanzlerin gesagt. Das vorhersagbare Ergebnis: Der Euro und die Anleihen der angeschlagenen Länder seien abgestürzt. Dafür habe Merkel viel Kritik kassiert, auch seitens des österreichischen Zentralbanker Ewald Nowotny, der Merkel vorgeworfen habe, nicht zwischen dem Euro als Währung und den Problemen einzelner Staaten zu differenzieren. Während die Griechen und andere auf die Straßen gegangen seien, seien die Deutschen erstaunlich ruhig geblieben. Warum? "Weil Merkel sich völlig im Klaren ist, dass ein schwacher Euro gut für die deutsche Wirtschaft ist", meint das Blatt. "Ist die Bundeskanzlerin also wirklich gemeingefährlich, oder einfach eine schlaue Politikerin, die weiß, dass Spekulanten auf sie hören und sich der Kraft ihrer Wörter bewusst ist?", fragt die Zeitung.

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