Presseschau
Irland in der Schuldenspirale

Die internationale Wirtschaftspresse blickt gespannt auf Irland, das am heutigen Dienstag die Investoren um frisches Geld bittet. FTD und Börsen-Zeitung streiten über die Fusion von WestLB und BayernLB. Cinco Días gratuliert der spanischen Fluggesellschaft Iberia zum erfolgreichen Ausbau des Madrider Flughafens. Fundstück: der Kult der Mexiko-Coke.
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Bevor das von der Finanzkrise schwer gebeutelte Irland am heutigen Dienstag die Investoren um frisches Geld bittet, hat der ehemalige Tigerstaat der Euro-Zone versucht, die drohende Staatspleitenpanik an den Märkten zu verhindern. Hintergrund ist u.a. ein Bericht im Irish Independent, nach dem das hoch verschuldete Land bald den IWF um Hilfe bitten muss - was der IWF inzwischen dementierte.

Das Wall Street Journal richtet seinen Blick auf die Inselrepublik Irland, wo diese Woche „die Post abgeht“. Das Land habe viel zu beweisen in den nächsten Tagen. Panik habe die irischen Anleihemärkte erfasst. „Glücklicherweise hat das Land in der Woche einige Gelegenheiten zu zeigen, dass es nicht am Rande einer Schuldenkrise nach griechischem Vorbild steht.“ Der Finanzminister sei bereits vorangeprescht und habe diese Ängste unbegründet genannt. „Er hat allen Grund dazu“, schreibt das WSJ. Irland habe alle seine Schulden bis in die zweite Hälfte des nächsten Jahres finanziert und bereits 90 Prozent der geplanten Anleihen für das laufende Jahr verkauft. Um seine Standfestigkeit zu demonstrieren, werde das Land am Dienstag an die Anleihemärkte mit einer 1,5-Milliarden-Euro-Anleihe zurückkehren. Die nächste Gelegenheit Eindruck zu hinterlassen, bestehe am Donnerstag, wenn das Land seine Wirtschaftsdaten fürs zweite Quartal vorlege. Im ersten Quartal habe das Land mit 2,7 Prozent Wachstum so manchen überrascht.

„Ihr habt uns einmal überzeugt, tut es ein zweites Mal“, fasst die Financial Times die Message zusammen, die Investoren nach Irland schicken. Das klinge auf den ersten Blick unfair, schließlich hätten die Iren schon einige bittere Pillen schlucken müssen, wie die 13-prozentige Lohnkürzung für Angestellte im öffentlichen Dienst. Ein weiteres Drei-Milliarden-Euro-Sparpaket könne mit dem Budget fürs nächste Jahr angekündigt werden. „Um langfristige Folgen anzugehen, muss noch mehr getan werden“, schreibt das Blatt. Investoren hätten ebenfalls Angst, dass die großen Finanzinstitute von den Steuerzahlern alleine nicht zu tragen sind. Dies könnte der Fall sein, falls bei den 27,5 Milliarden Euro Rettungsgeldern für die Anglo Irish Bank noch etwas draufgeschlagen werden müsste. „Die Angst füttert sich selbst“, schreibt das Blatt im Hinblick auf die Anleihemärkte. Eine zehnprozentige Anleihe koste das Land vier Prozentpunkte mehr an Zinsen als etwa Deutschland.

Die irische Sunday Business Post zeichnet ein düsteres Szenario für das Land. „Irland befindet sich gerade am Abgrund“, kommentiert die Zeitung. So langsam dämmere es den Menschen, wie schrecklich die Aussicht wirklich sei. „Zunächst hätten wir das geleugnet“, schreibt das Blatt. Der Groschen sei jedoch gefallen, als die Renditen auf irische Anleihen sieben Prozent erreichten – und das mit der Europäischen Zentralbank als „Geldgeber der letzten Instanz“. Das Land schaue in eine Schuldenspirale, nach griechischem Vorbild. Wohin das alles führe, sei klar: Das Geld werde Irland verlassen. Welcher Kontoinhaber werde noch sein Erspartes einer irischen Bank anvertrauen? Ein Abfluss der Einlagen könne wiederum eine ernsthafte Krise auslösen.

 

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