Presseschau
Ist Griechenland das neue Dubai?

Die internationale Wirtschaftspresse fürchtet, dass nach Dubai auch europäische Staaten Probleme mit ihrer Schuldenlast bekommen könnten. Die Financial Times Deutschland kritisiert die FDP und das Abkommen zur Weitergabe von Bankdaten an die USA. In Russland hat die Krise keine reinigende Wirkung, moniert Vedomosti. Fundstück: Spanischer Schinken vom Reisebüro.
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Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri sieht in Griechenland eine tickende Zeitbombe für die internationalen Finanzmärkte. Bereits im vergangenen Winter seien die Spekulationen um einen griechischen Kollaps im Stil Islands und Argentiniens auf Hochtouren gelaufen. Seitdem habe sich nicht viel an der Besorgnis erregenden Situation geändert. Der Druck auf das Land, das seit dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion (EWU) die Defizitkriterien lediglich im Jahr 2006 erfüllen konnte, sei enorm groß: Die Kreditrisikoprämie für Griechenland habe sich im November beinahe verdoppelt, das Budgetdefizit drohe dieses Jahr mit 13 Prozent einen neuerlichen Rekord zu erreichen, und auch die Staatsverschuldung „katapultiere“ mit einem Wert von 135 Prozent vom BIP das Land auf Platz eins der Agenda des bevorstehenden Treffens der EU-Finanzminister. Die politische Herausforderung für Premierminister George Papandreou sei somit enorm, da er die vergangenen Wahlen nicht zuletzt aufgrund der in Aussicht gestellten expansiven Finanzpolitik gewonnen habe. 

Dubai liege zwar weit weg von Europa, der Zahlungsstopp von Dubai World habe jedoch weitreichende Auswirkungen, besonders auf die kleineren europäischen Länder, schreibt das Wall Street Journal. Neben Griechenland seien auch die Märkte in Irland und Ungarn besonders von den steigenden Sorgen um die Schuldenproblematik betroffen. Die Ereignisse der vergangenen Woche hätten die Sorgen um die Stabilität der internationalen Finanzen wieder geweckt, zitiert das Blatt eine Expertin. Anders als die Federal Reserve habe die Europäische Zentralbank bereits angekündigt, Teile ihres Notfallprogramms zur Liquiditätsversorgung zurückzufahren. „Während sich der sprichwörtliche Sand über dem Fall Dubai legt, scheint es, dass die kleinen, hochverschuldeten Staaten in Europa noch einen langen Weg bis zur wirtschaftlichen Erholung gehen müssen“, prophezeit das Blatt.

„Ist Griechenland das neue Dubai?“, fragt die britische Financial Times mit Blick auf das verschuldete Emirat. Zwar sei die Frage nicht ganz korrekt, da Dubai World kein Staat, sondern ein staatliches Unternehmen sei. Dies interessiere die Investoren allerdings wenig. „Die Gerüchte um einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands sind wieder zurück, nachdem sie bereits im Frühjahr die Runde machten“, beobachtet die Zeitung. Während jedoch im Februar noch Hilfe für den Ernstfall versprochen worden sei, werde die EU diesmal nichts tun. Die Verantwortlichen fürchteten den zunehmenden Widerstand gegen die Rettungsaktion mehr als das mögliche Übergreifen des hypothetischen griechischen Staatsbankrotts auf Nachbarstaaten. „Egal was die griechische Regierung unternimmt, sie wird um rigorose Sparmaßnahmen nach lettischem Vorbild nicht umhinkommen“, rät das Blatt.

Das taumelnde Dubai zeichne wieder das Gespenst des Staatsbankrotts an die Wand, schreibt das Wirtschaftsmagazin Economist. Die Regierung von Dubai hafte zwar rein theoretisch nicht für die Schulden. Das staatliche Zögern, seine lokalen Champions zu retten, zeige jedoch die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten des Emirats. Auch anderswo seien Regierung mit schwerer Schuldenlast aus der Krise hervorgegangen. „Griechenland und Irland tragen Verbindlichkeiten in der Euro-Währung, die sie selber nicht drucken können“, erklärt das Magazin. Schwarzseher sagten, die Welt habe sich „aus einer finanziellen Bratpfanne in ein fiskalisches Feuer“ gerettet. Andererseits: „Abgesehen von der Selbst-Verherrlichung ist Dubai noch nicht wichtig genug, um das globale Finanzsystem zu Fall zu bringen“, beruhigt das Blatt.

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  • @ no.7

    „Es muß ihnen ihr Fehlverhalten klar werden und es muß wehtun, anders geht das sicher nicht.“

    in Kern stimme ich ihnen zu, nur wehtun wird es nicht den Regierenden, die dieses Desaster fabriziert haben, sondern der Mehrzahl der Menschen dort die wirklich wenig in die Suppe zu krümeln haben und ohnehin schon mehr als sparsam leben.

  • Griechenland hat die EU mehrmals über seine wahre Finanzlage getäuscht. Der größte Fehler wäre es jetzt, dieses Verhalten- das ungehemmte Leben über die Verhältnisse - durch Hilfen der EU zu legitimieren. Kein einziger Euro darf da gegeben werden ! Nun seht nur zu, wie ihr es hinbiegt. Jetzt muß eben ein Entzug stattfinden. Und wenn sie es jetzt immer noch nicht verstehen wollen, daß sie sich mit der Wahl einer sozialistischen Regierung nicht billig herauskaufen können, dann sollen sie nur den bankrott anmelden hier. Die balten haben sich durch drastische Sparmaßnahmen herausgehauen, das ist ok, und da kann dann die EU durchaus etwas helfen. Dasselbe sollen jetzt nur auch diese Schuldenjunkies tun. Es muß ihnen ihr Fehlverhalten klar werden und es muß wehtun, anders geht das sicher nicht. Die EU als Freischein zu ungehemmter Verschuldung, das darf - übrigens bei allen anderen Ländern auch- nicht toleriert werden.

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