Presseschau Italien steuert die Euro-Zone in die Todesspirale

Trotz Silvio Berlusconis angekündigtem Rücktritt sieht die internationale Presse weiter schwarz für Italien. Zu groß ist der Einfluss des „Cavaliere“ auf die Politik des Landes - auch nach seiner Amtszeit. Die Presseschau.
  • Daniel Lenz
11 Kommentare

Sorge um Italien hält Märkte in Atem

WiesbadenDie Zeit warnt vor dem Geist des „berlusconismo“, der noch lange Zeit nach dem Rücktritt des Premierministers seine Wirkung ausüben werde. Anzeichen dafür seien der Verlust von Gemeinsinn, die Leugnung offensichtlicher Missstände und die „Unkultur der Lüge“. Nach dieser Ideologie werde beispielsweise die Schuldenlast des Landes als Panikmache linker Medien und finsterer ausländischer Finanzmächte abgetan. Vor diesem Hintergrund ermahnen die Hamburger Italiens Freunde und Partner in Europa, dem Land erst dann nach Kräften zu helfen, wenn Berlusconi und seine Komplizen das Feld geräumt hätten.

Der Economist zeigt sich mit Blick auf Italien und die gesamte Eurozone pessimistisch. Dass die Rücktrittsankündigung von Berlusconi die Investoren am Anleihemarkt nicht beruhigt habe, sondern die Kurse weiter fielen und die Renditen italienischer Staatsanleihen in die Höhe schnellten, wertet die britische Zeitschrift als Beleg dafür, dass die Eurozone in der „Todesspirale“ stecke: Die Märkte wollten die Peripherieländer, inklusive Italien als drittgrößtem Bond-Markt, aufgeben; dies löse Margin Calls aus und führe dazu, dass die Banken die Kredite vom europäischen Markt zögen, was wiederum die europäische Wirtschaft schädige, die Konsolidierungsbestrebungen der ohnehin auf Sparkurs operierenden Staaten schwäche, Investoren abschrecke und weitere Sparprogramme erforderlich mache. Der Kreislauf könne nur durch Garantien und massive Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB gestoppt werden.


Das Wall Street Journal geht davon aus, dass die Wirtschaftspolitik Berlusconis weiterhin die Haltung der italienischen Parlamentarier prägen werde. So sei es den Demokraten bisher nicht gelungen, realistische politische Alternativen zu präsentieren. „Da der Ausblick für Italiens Wirtschaft immer düsterer wird, könnte sich die Kombination aus Kontinuität und Krise als verheerend erweisen“, warnt das Blatt. Die Zukunft Italiens werde durch niedriges Wachstum, rückläufige Investments und steigende Arbeitslosigkeit bestimmt.

Die britische Financial Times zeigt sich optimistischer mit Blick auf die italienische Wirtschaft. Die neue Regierung könne sich auf eine solide ökonomische Basis verlassen. Der Primärsaldo im italienischen im Staatshaushalt sei weitaus besser als der anderer Peripheriestaaten in Europa. Die Schulden hätten eine durchschnittliche Fälligkeit von sieben Jahren, schließlich liege das Nettovermögen der Italiener mit 8,6 Billionen Euro vier Mal höher als die öffentliche Verschuldung. „Trotz vieler ihrer Schwächen ist die italienische Wirtschaft in einer viel besseren Verfassung als die Politik in Italien.“

Die Süddeutsche Zeitung forscht nach den Ursachen des italienischen Niedergangs und erkennt, dass ein ganzes System in Agonie verfallen sei. Zentral bei dieser Entwicklung sei die Verschmelzung von Politik und Unterhaltung – eine komplette Generation Italiener sei geprägt worden „von den bonbonfarbenen Bildern aus den Fernsehstudios Berlusconis und den Eskapaden des Ministerpräsidenten“. Bereit, sich von dem Übel zu befreien, seien die Italiener aber nicht, da das Bewusstsein für die Gefahren der Schuldenkrise nicht existiere.

Auf der Suche nach einem griechischen Partner

Der Wiener Standard kommentiert das Gezerre um eine neue Regierung in Griechenland. Am dritten Tag der Suche nach einem Premier seien Enttäuschung und Verzweiflung über das eigene Unvermögen in Athen mit den Händen zu fassen gewesen. Ein neues Notkabinett von Athen hat nach Einschätzung der Wiener zwei Makel. Neben dem Demokratiedefizit – es werde von einem nicht gewählten Premier geführt, der Sparpläne einer nicht gewählten Troika von IWF, EZB und EU-Kommission umzusetzen habe – gebe es ein „Politikdefizit“: Der Widerstand gegen den Sparkurs führe dazu, dass die griechischen Politiker ihn gern dem Notkabinett überließen und sich der Verantwortung entzögen.

EU vor der Zerreisprobe
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11 Kommentare zu "Presseschau: Italien steuert die Euro-Zone in die Todesspirale"

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  • Das ganze Chaos macht vielleicht sogar Sinn....Der sozialen Makrtwirtschaft entgültig den Hahn abzudrehen...Die Demokratie zu beerdigen...mit Notstandsgesetzen aus Brüssel....weil alles ja so schlimm ist!?

    In der Not frist der Teufel bekanntlich auch Fliegen.

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/die-grenzen-der-demokratie/5823488.html

  • Hallo, die polnischen Papiertaschentücher, die Lidl in Griechenland verkauft, macht Deutschland zum Exportweltmeister. Und deswegen soll Deutschland für die griechischen Schulden aufkommen, Basta!

  • Zitat: "Der Kreislauf könne nur durch Garantien und massive Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB gestoppt werden." Das ist falsch, denn die EZB befeuert mit ihren Massnahmen den Kreislauf. Schulden wird man nur durch Schuldenrückzahlung los, nicht durch Schuldenverlagerung.

  • Also ich finde den Euro eine nach wie vor gute Sache und hoffe dass er überlebt!

    Alle "ich will die D-Mark zurück" Quatscher haben doch keine Ahnung, wo wir mit der D-Mark heute stehen würden, aber so ein Stammtisch Gequatsche ist natürlich immer das leichteste, gerade wenn der wirtschaftliche Background fehlt!

    Finde den Euro richtig, da wir sonst gegen China, Amerika, Russland und Indien in Zukunft keine Chance haben wenn wir in Europa nicht zusammenhalten.

    Das Problem ist m. E. bloss das wir wirtschaftlich und polititsch noch zu wenig zusammengewachsen sind in Europa, denke das wird noch einige Jahrzehnte dauern!

    Mit der D-Mark ist es doch wie mit ner Ex: Aufgewärmtes schmeckt nicht unbedingt besser! :-)

  • Zitat:
    "Italien steuert die Euro-Zone in die Todesspirale"

    Hoffentlich behalten Sie recht und dieser ganze EU-Mist landet endlich wo er hingehört -in der Tonne!

  • Es ist unglaublich, was sich in den letzten 8-10 Jahren abgespielt hat.Zuerst hat man uns Bürgern damit beruhigt, in dem Kohl und Waigel erklärten, dass es erst dann zur EURO einfühurng kommen würde, wenn es eine in Europa gemeinsame Wirtschafts und Steuepolitik gibt. Als man dann merkete, dass dies nicht geht, hat man einafch die Lawine losgetreten und den Euro eingeführt mit dem Gedanken, dass die Märkte es schon richten würden. Hinzu kamen noch politische Zwänge von unseren Bewährungshelfern USA und Frankreich, schnell - lasse es kosten was es wolle - unsere D-Mark aufzugeben. Dann wurden in den Folgejahren selbstverpflichtende und vertragliche Regelungen gebrochen- je nach Gustus -nur um des Machterhalts wegen. Die Quittung all dieser Verstöße bekommen wir jetzt. Hinzu kommt, dass es diese Politikerkaste wegen fehlendem Sachverstand es nie gelingen wird, diese komplexe Finanzwelt in den Griff zu bekommen. Die, die es schon lange wussten- wir Bürger mit gesundem Menschenverstand und etliche ausgewiesene Fachleute, werden hier nicht gefragt. Das schlimme nur daran ist, dass sich diese Politverbrecher irgendwann aus dem Staub machen und wir kleine Hansel auf den Millarden Schulden sitzen bleiben und dafür abkassiert werden. Die einzige Chance die ich sehe ist, dass zur nächsten Wahl die Leute wie Scheffler, Sinn und Hankel, etc.. eine Partei gründen und über 20 % bekommen. Dann könnte sich vlt. was bewegen in Richtung Vernunft. Ich befürchte allerdings, dass es dann bereits zu spät sein wird.

  • @ vriegel Die Märkte sind Tot schon lange kannst du nur nach reagieren dir ist jede möglichkeit genommen die Steuerung ist schon lange ausgefallen man weiss es.Wie komme ich zu der Annahme ? Zahlen ganz einfache Zahlen die dich zum schweigen bringen und das die Lumpeneliten sie kennen sagt alles.54 Billionen Dollar gesamtvermögen dieser Erde stehen 683.7 Billionen Dollar ungedeckte Derivate gegenüber, da geht nichts mehr,weder Zeif, Reformen noch sonst was. Die Kernchmelze geht schon eine weile in Fukuschima hat sie laut Medien stattgefunden aber erst Scheibchenweise und dann doch brutal deutlich. des Land ist auf millionen von Jahren verseucht aber die Menschen wo wollen sie hin. Pest oder Colera.

  • Das Ganze ist ein Zirkus mit fortgesetzten Hochseilakten ohne Netz, wobei man hofft und glaubt, die Gesetze der Schwerkraft einfach ignorieren zu können. Die ökonomischen Grundregeln lassen sich aber nicht einfach dauerhaft - also "nachhaltig" - außer Kraft setzen. Diese Erkenntnis ist bereits Jahrtausende alt und man wundert sich über die Ahnungslosigkeit der Polit-Truppe in Europa. Irgendwann bekommen in "den Märkten" (sowas gab es übrigens auch schon in ganz alten Zeiten) auch die mutigsten/gierigsten Spekulanten schließlich kalte Füße, nachdem die ängstlicheren "Normalanleger" das Spielfeld schon längst vorher verlassen haben. Nicht die Ratingagenturen sind am jetzigen Szenario schuld (sie haben es lediglich etwas "beschleunigt"), sondern die unfähige Polit-Kaste. Zunehmend gehen jetzt auch eher mutige Investoren lieber in sichere "Verlustanlagen" (siehe "Negativ(!)rendite" der deutschen Bundesanleihen), um wenigsten so einigermaßen "Substanzerhalt" zu betreiben. Die Hoffnung, daß Gr und Italien und ff. das Ruder herumreißen können, strebt nach all den bisherigen Erfahrungen eher gegen Null. Bald ist's vorbei.

  • Wenn selbst bei der Financial Times Millarden und Billionen verwechselt werden, sollte allen klar werden, wie wenig dieses "Lotterie-Spiel" noch beherrscht wird.
    Vielleicht hilft ja der folgende Vergleich: Steht ein Euro für eine Sekunde, dann bemisst siche 1 Millarde auf 32 Jahre, 1 Billionen auf 31710 Jahre...

  • Vermutlich wäre das beste Signal an die Märkte eine Volksabstimmung in jedem Euro-Land. in diesem Entscheiden die Menschen, ob sie den Euro wollen, oder nicht. Dort, wo man ihn nicht mehr will, sollte es einen geordneten Rückzug geben. Dort, wo man ihn will, werden die entsprechenden Schritte getan, um ihn zu halten. Das Ganze muss natürlich offen kommuniziert werden, damit die Märkte wissen, wohin es geht. Und verbunden sein mit Garantien, wie dem ESM, dass die bestehenden Euro-Schulden auch zurück gezahlt werden. Griechenland ist da eine Ausnahme, da die eigentlich nicht in den Euro gehören. Dieses ganze herum-lamentieren und Schritt-für Schritt tiefer in die Krise gehen, was die Politik betreibt, bringt nichts. Die Bürger müssen die SAche selber in die Hand nehmen. Was könnte die Märkte mehr Überzeugen, als ein Referendum, bei dem endlich Klarheit über den weiteren Weg geschaffen wird???

    Solange nur Politiker sagen, der Euro bleibt, glaubt das doch keiner. ich denke die Politik überschätzt sich selbst masslos. Und vor allem ihre Möglichkeiten und bezogen auf die einzelnen Akteure auch ihre Fähigkeiten.

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