Presseschau
Italiens Regierung - Außerirdische mit kurzer Halbwertszeit

Die Presse blickt gespalten in die Zukunft von Italien unter der Führung von 17 Technokraten ohne Politik-Erfahrung, die EZB wird zusehends zur Krisenfeuerwehr, und die Bank of America wird verspottet. Die Presseschau.
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WiesbadenDie 17 Technokraten aus Italiens neuer Regierung wirkten möglicherweise wie Außerirdische von einem anderen Planeten, doch sie ritten auf einer Welle der Unterstützung aus dem Volk, schreibt die britische Financial Times. Eine Regierung aus Technokraten sei nicht neu für Italien. Zuletzt sei Lamberto Dini von der italienischen Notenbank nach dem Kollaps der ersten Berlusconi-Regierung an die Spitze der Regierung gewechselt, habe immerhin 15 Monate regiert und dabei eine Rentenreform eingeführt.

Der Standard porträtiert Corrado Passera, Ex-McKinsey-Mann und zuletzt Vorstandschef von Intesa Sanpaolo, als zielstrebigen Sanierer mit Netzwerker-Qualitäten. Dem künftigen Superminister für Industrie, Infrastrukturen und Verkehr sei es gelungen, der Banca Intesa, einem aus der Fusion von drei kleineren Banken entstandenen Sammelsurium, zu einer Identität zu verhelfen: indem er den Betrieb rationalisiert habe, nach Osteuropa expandiert sei, ins Humankapital investiert und über die Allianz mit der Banco San Paolo Italiens zweitgrößte Bank mit sechs Millionen Kunden und 2000 Filialen geschaffen habe. „Jetzt hat der Top-Manager erneut Gelegenheit, seine Fähigkeit als Sanierer unter Beweis zu stellen - im maroden Großbetrieb Italien.“

Die Financial Times Deutschland geht davon aus, dass die Kapitalmärkte grundsätzlich erfreut sein dürften, dass Italiens designierter Ministerpräsident Mario Monti innerhalb von nicht einmal vier Tagen ein Kabinett gezimmert habe und darunter Passera von Intesa Sanpaolo, dem Star unter den italienischen Kreditinstituten, als Superminister sei. Doch er habe es nicht geschafft, die beiden größten Parteien des Parlaments, die Berlusconi-Bewegung Popolo della Libertà und die Sozialdemokraten der PD, mit ins Regierungs-Boot zu holen. Vor diesem Hintergrund bestehe das Risiko darin, dass die „Fachmänner“ unerfahren mit den Mechanismen in Rom und anfällig für den zu erwartenden Widerspruch aus dem Parlament seien. Fazit: „Regierungen in Italien haben eine kurze Halbwertszeit. Und eine technokratische wohl erst recht.“

The European befürchtet, dass ohne parlamentarische Mehrheit der Regierung Montis einige der dringendsten Reformen unmöglich sein werden. So werde Monti beispielsweise die Schwächung des italienischen Justizsystems nicht rückgängig machen können. Und auch eine Reform des „abstrusen“ Wahlgesetzes werde wohl am Widerstand von Berlusconis Mannen scheitern. Punkten werde die neue Regierung Monti hoffentlich aber, indem sie den Staatsbankrott abwenden werde. „Aber einen echten Neuanfang für Italien wird es erst nach Neuwahlen geben können.“

Die neue Regierung sei eine „ausgesprochen respektable Mannschaft“, meint die Süddeutsche Zeitung. Montis „Techniker“ würden künftig möglicherweise leichter arbeiten können „ohne den quälenden Ballast erbitterter Politschlachten wie in den Berlusconi-Jahren“. Mit dem bisherigen Banker Corrado Passera habe Monti jemanden im Team, der auch in der Finanzwelt ernst genommen werden müsse.

Die Europäische Zentralbank gerät in der Schuldenkrise immer stärker in die Rolle der Krisenfeuerwehr. Das Wall Street Journal rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank künftig noch stärker intervenieren werde. Dies ändere aber nichts an der Misere, dass es gravierende Ungleichgewichte innerhalb der europäischen Wirtschaften gebe. Dies wiederum könne nur dadurch gelöst werden, dass es entweder permanente Transfers gebe, oder aber die Eurozone zerfalle – was Beides nicht in der Hand der EZB liege. „Je stärker die Märkte realisieren, dass die EZB keine permanente Lösung liefern kann, und je länger die Politiker schwanken, desto schlimmer fallen am Ende die Wirren aus.“

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  • Hallo,
    eine Regierung aus "Fachleuten mit wenig politischer Ahnung" muss nicht die schlechteste Lösung sein.
    Da aber immer noch das Parlament, durchsetzt von Interessenvertretern der "Nichtmehrregierung", echte Reformen vehinden kann wäre als Alternative, statt das Parlament, direkt das Volk für die Zeit der "Technischen Regierung" alleine zustimmungsbefugt.
    Diese Kosten würden durch Wegfall der Abgeordnetenbezüge kompensiert.
    Möglicherweise auch ein Weg für deutschland?!

  • Wie geil: Hier "Deutschlands einzig erfolgreiche Großbank" und in einem anderen Artikel die niederschmetternde Bilanz von Ackermann. Wenn diese Bilanz also angeblich das beste Ergebnis lieferte dann sollten wir uns am besten ganz von den Banken trennen ... selbst der Zufall würde bessere Entscheidungen treffen!

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