Presseschau
Kreditklemme vernebelt die Sinne

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt am Kampf von Politikern und Banken gegen eine Kreditklemme und hinterfragt den handzahmen Umgang der Wirtschaft mit Angela Merkel. FTD und Süddeutsche sind gespalten angesichts der Produktionsverlagerung der Mercedes-C-Klasse. Laut Vedomosti wird der russische Staat zum Investmentfonds. Fundstück: Goldman macht mobil.
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Die Börsen-Zeitung zweifelt an den Ergebnissen des gestrigen Wirtschaftsgipfels im Bundeskanzleramt. Das Wort „Kreditklemme“ vernebele die Sinne, vorzugsweise von Politikern und Verbandsoberen, und führe zu Halluzinationen. „Dass alle verfügbaren Daten gegen die Existenz einer Kreditklemme sprechen, kümmere die „Infizierten“ nicht. Da die Regierung erprobt sei im „Aufbauschen und Lösen von Problemen“, werde sie nach Schweinegrippe und Kundus-Affäre auch die angeblich drohende Kreditklemme in bewährter Weise bewältigen, ätzt das Blatt: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Bei wem es dann noch klemme, der möge sich an den „Briefkastenonkel - pardon: Kreditmediator“ wenden, den die Bundesregierung und in vorauseilendem Gehorsam auch die teilstaatliche Commerzbank jetzt ernannt hätten.

Das Manager Magazin hinterfragt den „handzahmen“ Umgang der Wirtschaft mit der Kanzlerin, der gestern erneut beim Wirtschaftsgipfel zu sehen gewesen sei. Soffin, Deutschlandfonds und KfW, das Hunderte-Milliarden-Instrumentarium des Staates, sichere Merkel und ihrer Mannschaft Einfluss auf Banken und Betrieben in einem Ausmaß, wie es noch vor zwei Jahren undenkbar erschienen sei. Entsprechend vorsichtig gingen die Topmanager mit ihr um, während Helmut Kohl und Gerhard Schröder sich noch mit bissiger Kritik an ihrer Wirtschaftspolitik hätten herumplagen müssen. Fazit: „Der große nationale Krisenkonsens bügelt die Interessengegensätze zwischen Staat und Wirtschaft glatt. Es herrscht Ruhe, vermutlich noch für Jahre.“ Dies sei eine schlechte Entwicklung, falls auch das gesamte Land still und starr ruhe. „Dann dehnt sich die Rezession zur Dauerkrise aus.“

Les Echos aus Frankreich zieht eine verhalten negative Bilanz zur Kreditpolitik der französischen Banken. Das Jahr sei zwar noch nicht zu Ende, aber schon heute zeichne sich ab, dass die Banken ihr Versprechen, 2009 die Kredite um drei bis vier Prozent auszuweiten, nicht erfüllen werden. Sie dafür zu bestrafen, sei aber der falsche Weg. In einem Umfeld der schrumpfenden Wirtschaft sei es den Instituten immerhin gelungen, zu einer Ausweitung der Kredite um 1,5 bis zwei Prozent beizutragen. „Das ist eine gute Leistung. Und als solche sollte sie begrüßt werden.“ Dass die Zahl der Unternehmenskredite aber gesunken sei, habe, wie die Banken ebenfalls bemerkten, zweifelsohne mit dem „mangelnden Appetit“ der Firmen zu tun. „Schuld daran ist auch ihre Zurückhaltung gegenüber gestiegenen Risiken.“ Daran werde sich möglicherweise auch in der Zukunft nichts ändern. Sollten die europäischen Nachbarn unter einer Kreditklemme leiden, werde die Kreditvergabe in Frankreich bestenfalls stagnieren.

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