Presseschau: Lehman-Schock ist nichts gegen die Japan-Krise

Presseschau
Lehman-Schock ist nichts gegen die Japan-Krise

Die Internationale Wirtschaftspresse bangt um Japans Zukunft und diskutiert Vorzüge und Nachteile der Nuklearindustrie. Forbes und Economist gehen der Frage nach, ob Islamisten vom Libyen-Konflikt profitieren.
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Düsseldorf"Die Geschichte ist auf der Seite der Optimisten", schreibt die Businessweek. Südkalifornien habe sich 1994 rasch vom Erdbeben erholt, ebenso China nach dem Erdbeben 2008 in Sichuan und Japan selbst nach dem Erdbeben in Kobe 1995. "Doch es gibt zwei beängstigende Unterschiede zwischen diesem Desaster und früheren", räumt das Blatt ein. Eine sei die Freisetzung nuklearer Strahlung, die die Gesundheit von Rettungsarbeitern und gewöhnlichen Bürgern gefährde und den Abschwung und die wirtschaftliche Erholung verlangsame. Die andere sei die Anfälligkeit globaler Hersteller für Unterbrechungen der Versorgung von japanischen Fabriken. "Die Wahrheit ist, dass niemand weiß, als wie groß das Problem der Strahlungsbelastung und der unterbrochenen Zuliefererketten sich erweisen wird", hält das Magazin fest. Diese Ungewissheit sei an sich schon Grund zur Sorge. Vernünftig sei, sich für das Schlimmste zu wappnen. Für die Wirtschaft bedeute das, Leute und Geld an die Ausarbeitung von Notfallplänen zu setzen, die sich mit etwas Glück als unnötig erweisen könnten.

Die Hoffnung auf eine V-förmige wirtschaftliche Erholung Japans von der Dreifachkatastrophe werde sich nicht erfüllen, fürchtet auch die Börsen-Zeitung. Die Zerstörungen seien anders als bei dem schweren Erdbeben in Kobe 1995 erheblich größer. Die wirtschaftlichen Folgen würden schon wegen der anhaltenden Strom- und Produktionsausfälle weitreichender werden, erwartet das Blatt. "Die größte Unsicherheit geht jedoch von dem außer Kontrolle geratenen Atomkraftwerk in Fukushima aus." Selbst wenn die Strahlungsbelastung außerhalb der unmittelbaren Umgebung des Kraftwerks nicht auf gesundheitsgefährdendes Niveau steige, werde die Nuklearkrise die Investitionsneigung von Unternehmen und das Verbrauchervertrauen in ganz Japan belasten.

Der Lehman-Schock sei Kinderkram gegen Fukushima, hält der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg fest. Wenn Zentralbanking normalerweise Politik der kleinen Schritte bedeute, bedeute sie in Japan Gletscherkunde. Selbst in Wachstumszeiten sei der Zinssatz während der 2000er Jahre nur auf 0,5 Prozent gestiegen und dann wieder auf Null gefallen. Japan habe drei Wege für die Wiederbelebung: Tonnen von Schulden aufzulegen, die prompt Schulden abwerteten und Steuern erhöhten, zweitens seine 886 Milliarden Dollar US-Schulden in die Tonne hauen, die größte Volkswirtschaft destabilisieren und einen Schlüsselverbündeten gegen sich aufbringen oder drittens, die Bank of Japan dazu bringen, öffentliche Schulden zu Geld zu machen. "Nicht überraschend, dass der Gesetzgeber am liebsten Tür 3 mag." Bei seinem Spießrutenlauf durch die Politik, sollte Zentralbankchef Shirakawa stets bedenken, dass der Fallout seines Handelns Japan noch begleiten wird, lange nachdem es um Fukushima ruhig geworden sei.

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