Presseschau
Lösen die USA die nächste globale Krise aus?

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Ursachen und Folgen der möglichen Herabstufung der US-Bonität durch S&P und fragt, ob dies der erste Dominostein der nächsten globalen Finanzkrise ist.
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Nach Ansicht des Wall Street Journals ist Präsident Barack Obama dafür verantwortlich, dass die Rating-Agentur Standard and Poor's den USA mit einer Herabstufung der Bonität gedroht und ihren Ausblick für Amerika auf "negativ" gesenkt habe. Der einzige Grund, der die Analysten zu einem solchen Schritt bewegt haben könnte, sei Obamas Rede vergangenen Mittwoch an der George Washington Universität. Dies sei eine anti-republikanische Tirade gewesen, die eines Präsidenten unwürdig gewesen sei. "Damit hat Obama die Aussicht auf mögliche Haushaltsverhandlungen mit den Republikanern vergiftet", schreibt das Blatt. Zudem habe Obamas Fiskalpolitik das Defizit in den vergangenen Jahren explodieren lassen. "Die Meinung der Rating-Agentur ist sicherlich nicht das letzte Wort über die Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft", relativiert das WSJ. Allerdings habe S&P erkannt, dass Obamas Weg zur Wiederwahl offensichtlich über die Dämonisierung des politischen Gegners und nicht über die Lösung der finanziellen Probleme des Landes verlaufen werde.

Nach Finanzkrise folgt Schuldenkrise

"Ist dies der erste Dominostein der nächsten globalen Finanzkrise", fragt das Time-Magazin besorgt. Das Muster sei bereits aus vielen Entwicklungsländern bekannt. Nach einer Finanzkrise folge eine Schuldenkrise. So sei es in Argentinien, Thailand und auch Indonesien verlaufen. Die Frage sei, ob dies auch in reichen Staaten möglich ist und ob die USA ihr AAA-Rating verlieren könnten. Sollte dies geschehen, würde dies wahrscheinlich einen Zusammenbruch der Bondmärkte sowie einen Anstieg der Zinsen weltweit bewirken. Die Folge wäre ein finanzielles Fiasko, gegen das der Zusammenbruch von Lehman Brothers harmlos wirke und das die Weltwirtschaft zurück in die Rezession befördern würde. Am meisten Sorge bereite jedoch nicht der schlechte Gesamtzustand der Finanzen, sondern die politische Blockade der beiden Parteien, die zu der Situation geführt habe. "Es ist nicht so, dass die Herausforderungen unüberwindbar sind, wir können einfach die politischen Handlungen nicht vereinen, um sie zu überwinden", kommentiert das Blatt. Die USA müssten sich ein Beispiel an Großbritannien nehmen, das nach einem negativen Ausblick von S&P sich zu schweren Einschnitten habe durchringen können, um so wieder einen besseren Ausblick zu erhalten.

Die Financial Times Deutschland begrüßt das dramatische Signal von S&P Richtung Washington. Die Mahnungen erzeugten äußeren Druck, den die US-Politik dringend brauche. Regierung und Kongress stünden sich vor den kommenden Haushaltsverhandlungen zunehmend feindselig gegenüber. "Die US-Politik muss vor allem demonstrieren, dass sie überhaupt noch handlungsfähig ist", fordert das Blatt. Ein Wundermittel gegen die hohen Schulden erwarte niemand ernsthaft. Ein ausgewogener Mix aus Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen wäre ein gutes Signal, um die Märkte zu beruhigen. Ohne ein solches Signal könne die Nervosität der Märkte irgendwann zum Problem werden. Würden Anleger aus Angst vor Zahlungsausfällen höhere Renditen auf amerikanische Staatsanleihen verlangen, drohe eine Abwärtsspirale durch höhere Kreditkosten. "Davon sind die USA jedoch noch weit entfernt", beruhigt die FTD. Investoren setzten darauf, dass die amerikanische Zentralbank und China als größter Gläubiger alles tun würden, um eine Entwertung der Anleihen zu verhindern.

Der Starökonom Paul Krugman analysiert die Warnung von S&P in seinem Blog für die New York Times und schaut dabei nach Japan. Dort hätten die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen nach einer Herabstufung durch die Rating-Agentur S&P im Jahr 2002 zwischen 1 und 1,6 Prozent geschwankt. "Keine große Sache also", kommentiert der Ökonom. S&P lege den Schwerpunkt der Analyse vollkommen richtig auf die politische Blockade in den USA. Das Land sei nämlich in der Lage, kurzfristig ein hohes Defizit zu fahren, langfristig den Haushalt jedoch in Ordnung zu bringen. "Dies gilt jedoch nicht, wenn die Parteien sich auf keine Lösung einigen können", schreibt Krugman. Die Ausgaben dieses und nächstes Jahr seien da zunächst irrelevant.

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Griechenlands finnisches Problem

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  • "Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Ursachen und Folgen..."

    würde die internationale Wirtschaftspresse wirklich nach Ursachen suchen, dann wäre die Systemfrage längst journalistischer Alltag. Statt dessen versucht man dem Bürger ein korruptes und betrügerisches System, das nur auf Schulden statt auf realen Werten basiert, als alternativlos zu verkaufen - mit den Texten ihrer Besitzer.

    Beim Monopoly kann nur einer gewinnen.
    Sonst wär´s Oligopoly.
    Gekaufte Experten, abhängige Presse und Wissenschaftler, übermächtige Banken und Konzerne ohne Gewissen...
    Wird langsam Zeit die Pharisäer aus unseren Tempeln zu treiben.

  • Krisen werden nur oberflächlich von „Ländern“ ausgelöst. Das ist eine völlig falsche Sichtweise der Dinge. Krisen werden in erster Linie von sehr einflussreichen Persönlichkeiten, Institutionen, Schattenorganisationen und Medien ausgelöst, die ein sehr starkes Interesse daran haben, dass bestimmte Entwicklungen und Geschehnisse und so eintreten und nicht anders. Wer denkt, die Politiker haben hierzulande das Sagen, der irrt auf ganzer Linie. Auch ein Obama ist nur Spielfigur diverser Lobbys, Konzerne und mächtiger Organisationen, von denen der Normalbürger im „Normalfall“ nie was mitbekommt (Beispiel: Trilaterale Kommission, Bilderberger Gruppe etc.)
    Alle Finanzkrisen wurden bisher noch immer durch Banken, Spekulanten, Ratingagenturen und Medien verursacht – und diese sind alle stark miteinander verflochten. So war es schon 1929, so war es auch in 2000 und so war es auch in 2008.
    Es ist nur wichtig zu verstehen, wer diese Strippenzieher sind. Denn die wirklich Mächtigen und Einflussreichen sind in erster Linie jüdische Eliten. Es mag den einen oder anderen eventuell verwundern, der sich damit bisher noch nicht beschäftigt hat, doch unter diesen Top Eliten, also den ganzen Bankern, Politikern, Medienmogulen, Top Ökonomen usw. – also all denen, die in irgendeiner Form Politik, Wirtschaft und das Schicksal der USA sowie der Weltgemeinschaft steuern, sich sehr viele jüdisch-stämmige Persönlichkeiten befinden.
    Es ist heute eine nicht gern öffentlich ausgesprochene Tatsache - da Tabuthema - dass die mächtige Wall Street mit all ihren Banken, Instituten und Organisationen fast durch die Bank weg durch mächtige jüdische Persönlichkeiten gesteuert wird, die nicht gerade im Interesse Amerikas und des Allgemeinwohls agieren.
    Hab ich was gegen jüdische Eliten? Nein nicht im Geringsten, solange sie nicht versuchen, einem großen Teil der Menschheit viel Elend, Verarmung und Chaos zu bringen. Denn zu nichts anderem scheint die aktuelle Entwicklung derzeit zu führen.

  • Wieviel der letzten Krisen wurden von den USA ausgelöst?
    Einfach mal in Ruhe darüber nachdenken!!!

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