Presseschau Gewerkschaften verlieren an Macht

Stell dir vor, es ist Streik - und keiner schert sich drum. Nicht jede Kleingewerkschaft habe die Macht, ein ganzes System stillzulegen, schreibt die Presse heute über den Arbeitskampf am Frankfurter Flughafen.
  • Daniel Lenz
23 Kommentare
Es wird einsam um sie: die streikenden Flughafen-Mitarbeiter in Frankfurt. Quelle: dapd

Es wird einsam um sie: die streikenden Flughafen-Mitarbeiter in Frankfurt.

(Foto: dapd)

Das Deutschlandradio greift die Kritik der kleinen Fluglotsengewerkschaft auf, die behauptet, Fraport spiele mit der Sicherheit der Fluggäste. Eine solche „Bosheit“ zeige, dass sich die Gewerkschaft befürchte, dass der eigene Streik an Wirkung nachlasse. „Wenn es so ist, dann zeigt das nur: Nicht jede Kleingewerkschaft hat die Macht, ein ganzes System stillzulegen.“ Der Sender blickt dem weiteren Verlauf der Streiks gelassen entgegen. Grundsätzlich schwinde die Macht der Gewerkschaften, da Splittergruppen das Ganze nicht mehr im Blick hätten. Außerdem hätten sie ein eigenes Interesse daran, das Streikrecht nicht in bloßen „Grüppchenegoismus“ zu verkehren.

Die Frankfurter Rundschau geißelt die Informationspolitik der GdF als inakzeptabel. Ihre Funktionäre hätten es bislang nicht für nötig befunden, ihre einzelnen Forderungen zu veröffentlichen und genau zu erläutern, was sie warum verlangten. Dem hält das Blatt entgegen, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, über die Positionen der Gewerkschaft und der Arbeitgeber informiert zu werden. „Organisationen wie Gewerkschaften müssen sich der öffentlichen Debatte stellen. Dass die GdF diese Debatte scheut, ist feige.“

Zwar sei das große Chaos am Flughafen Frankfurt bis jetzt ausgeblieben, rekapituliert die Neue Zürcher Zeitung. Doch der Streik der kleinen Fluglotsengewerkschaft erweise sich zunehmend als Ärgernis für Politik, Wirtschaft und die Passagiere. Das „Erpressungspotenzial“ der Vorfeldlotsen sei groß, weil sich statistisch mehr Unfälle auf dem Rollfeld als in der Luft ereigneten. Das Berliner Verkehrsministerium und die Luftverkehrsunternehmen hätten es der Minigewerkschaft leicht gemacht. „Nachgeben lautete allzu oft die Parole“, verweist die Zeitung auf die jüngsten Auseinandersetzungen am Flughafen München. Die Rechnung der Fluggesellschaften: Streiks seien teurer als Lohnerhöhungen, die sie auf ihre Kunden abwälzen könnten.

Die britische Financial Times berichtet auf der Titelseite, dass der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wieder in Sex-Skandale eingetaucht sei, die seine Karriere ruiniert hätten: Der Franzose sei gestern von der Polizei in Lille für 24 Stunden festgehalten und verhört worden. Die Beamten seien einem Prostitutions-Ring auf der Spur. Strauss-Kahn soll an Sex-Parties in Washington und Paris teilgenommen haben, die von Polizei-Mitarbeitern und Geschäftsleuten aus Lille organisiert worden seien. Da Strauss-Kahn gewusst habe, dass die Frauen bei den Parties Prostituierte waren, stehe er im Verdacht, Zuhälterei unterstützt zu haben. Der Politiker habe dies bestritten. Die Frau von Strauss-Kahn, die Journalistin Anne Sinclair, arbeite aktuell als Chefredakteurin der französischen Ausgabe der „Huffington Post“, die gestern auf ihrer Titelseite über die Verhaftung berichtet habe.

Die Börsen-Zeitung kommentiert den griechischen Schuldenschnitt, bei dem Inhaber von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) offenbar leer ausgehen. Ihre Haltung vergleicht die Börsen-Zeitung mit dem Verkäufer eines Papageis im Sketch der britischen Komiker-Truppe Monthy Python, der partout nicht einsehen wolle, dass das Tier tot ist. „Jeder weiß: Hellas ist so pleite, wie der schon seltsam starr wirkende Papagei tot ist.“ Jetzt könnten Anleger ihre Chance darin sehen, auf ein Scheitern des Anleihetauschs zu setzen, was wiederum ein Argument dafür sei, besonders ungedeckte Kreditderivate abzuschaffen. „Damit es nicht bald schon wieder heißt: Nein, der Papagei ist nicht tot. Er ruht sich nur aus. Er liegt gern auf dem Rücken, denn das ist gut für seine Wirbelsäule.“

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23 Kommentare zu "Presseschau: Macht der Gewerkschaften schwindet"

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  • Ihre Kommentare sind einfach nur menschenverachtend!

  • Nein, wir Deutschen müßten endlich mal geballte Ladung auf die straßen gegen die Abzocke hier im Land. Städnig neue Geführenerhöhung wie jetzt wieder Strom, Müllgebühren etc.
    Aber der Deutschen läßt sich alles gefallen, bis es zu spät ist und dann wird gejammert

  • Und dann machen diese nicht ganz unwichtige Arbeit die Migranten mit wenig Deutschkenntnissen, damit die Quote stimmt?
    Oder wie darf ich Ihren Beitrag verstehen?
    Wissen Sie eigentlich wer da streikt? Was die für eine Arbeit verrichten?
    Ich bin auch gegen Überziehungen bei Gehältern, aber ich kann das Wort Globalisierung nicht mehr hören.
    Globalisierung ist zur Drohung geworden mit der auch unsere Politik uns gerne in Schach hält. Läuft hier was nicht rund kommt immer "das ist die Globalisierung"
    Und mögen die derzeitigen Forderungen der Streiekenden überhöht sein, so muß endlich mal ein Anfang gemacht werden

  • Sie sind vor allem Handlanger der Politik geworden
    Wenn der DGB-Vorstzende Sommer im Kanzleramt ein- und ausgeht, stimmt was nicht
    Die Gewerkschaften sind zu sehr in der Politik verhaftet und haben irgendwie vergessen, wesse Interessen sie eigentlich vertreten sollen
    Und die Gewerkschafts-Vorstände denken auch nur an ihre Pöstchen in Verwaltungsräten etc. und sind deswegen auch so politik-konform geworden.
    Das fing bereits unter Kohl an.
    Was wir wieder brauchen sind ordentiche Gewerkschaftsbosse wie früher, die hier mal das halbe Land lahm legen
    Es hat ja Gründe, dass den Gewerkschaften die Mitglieder abhanden kommen.
    Ich habe auch vor kurzem mein Gerkschaftsbuch abgegeben udn war jahrelang dabei

  • Dass sich die Gehalts-Koordinaten so verschoben haben, hat aber mit dem Euro zu tun.
    Zu DM-Zeiten war das noch in Ordnung.
    Nur leider ist es seit dem Euro so, dass eben Geringverdiener, die es ja immer gab, von ihren Euro-Einkommen nicht mehr leben können. Daher sind dann manche Gehälter diser Leute so hoch, dass sie nicht merh stimmig sind mit Gehältern von Gelernten oder gar Studierten
    Der Euro ist völlig falsch eingeführt worden und bringt uns heute genau diese Probleme
    Eine Aldi-Kassiererin ganztags verdient heute so viel wie eine Büroangetellte und das kann irgendwie nicht sein

  • 13€ pro Stunde? DAS nenne ich mal einen guten Lohn.

    In einem großem westdeutschen Industriebetrieb gibt es ~4,50 €/h für Universitätspraktikanten (MINT im Hauptstudium). An einer süddeutschen Universität verdienen Diplomstudenten im Hauptstudium ca ~6 €/h im universitätren Lehrbetrieb (bspw. im Fachbereich Mathematik / Übungsleiter).

    Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Deutschland schnellstmöglich Richtung USA verlassen.

  • Weiter oben hat man noch nicht mitbekommen, was es bedeutet, wenn mehr als die Hälfte der Mitarbeiter total demotiviert ist.
    Ich wundere mich immer, wenn man den hemmungslosen oder gar verantwortungslosen Egoismus immer bei den 13,- Euro / Stunde um 03:30 Uhr anfangenden Mitarbeitern verortet.

  • Ja genau,die globalisierte Welt.Bald kommen Sklaven aus
    Nordkorea und Burma dazu.Da müssen deutsche Arbeiter,
    äh,human resources, aus Deutschland natürlich mithalten,
    gelle,mei Gutster?

  • Ich war häufig Opfer des Lokführerstreiks. Es ist nicht richtig wenn streikende Gruppen die Passagiere als Geisel nehmen und dann noch für solch völlig überzogene Lohnforderungen. In Deutschland steht wegen der Gewerkschaften die Welt Kopf. Die Leistungsträger unserer Wirtschaft verdienen zu wenig im Verhältnis zu den Ausführenden, z.B. verdient eine Krankenschwester mehr als ein junger Arzt, der viele Jahre sein Studium bezahlen mußte. Die Löhne für ungelernte Arbeiter im Automobilbau sind völlig überzogen usw. Gewerkschaften und Streikende treiben unseren Wohlstand in den Ruin und vernichten durch die Lohnspirale eine riesige Anzahl Arbeitsplätze. Vielleicht beginnen die Streikenden endlich zu realisieren, daß wir in einer globalisierten Wirtschaft leben und als Ganzes wettbewerbsfähig sein müssen. Macht Fraport ruhig unwirtschaftlich, die anderen Großflughäfen werden sich darüber riesig freuen !

  • @ SabineM
    Vorfeldwinker klingt schon abwertend. Das ist sicher beabsichtigt. Dabei glaube ich, dass Sie sicher nicht mehr wissen über den Job als ich und vielleicht würden Sie in ja garnicht hin kriegen. Das spielt aber keine Rolle. Wichtig ist, dass mit diesen Forderungen, wie auch mit dem Urteil zugunsten der Hochschulprofessoren, eines wieder mehr Gewicht bekommt, was in den letzten 20 Jahren immer weniger wert wurde: eine angemessene Bezahlung für Arbeit.

    Mit der Globalisierung haben wir nämlich zugelassen, dass Unternehmen es sich bequem eingerichtet haben zwischen billigen Produktionsmärkten und teuren Absatzmärkten. Leistung, die so oft eingefodert wurde, spielte dabei keine Rolle - sonder schlicht das Ausnutzen von Gegebenheiten. Im gleichen Maße, wie globale Unternehmen reicher wurden haben sich die Staaten (der Absatzmärkte) verschuldet, um die Bevölkerung mit Leistungen zu versorgen, die im Wirtschaftskreislauf keinen Platz mehr fanden, was ja auch zu Steuereinbußen führte. Wenn Apple zum Beispiel durch mehr Arbeitsplätze in den USA die Hälfte an Gewinn machen würde, wäre es immer noch eine tolle Firma für Investoren. Für die amerikanische Volkswirtschaft wäre die Firma dann ungleich wichtiger als heute.

    Arbeit muß angemessen bezahlt werden und Wettbewerb ist wichtig. Für die Signale, die die 'Vorfeldwinker' setzen müssen wir alle ihnen dankbar sein. Sie können das, denn sie lassen sich nicht einfach durch einen Billiglöhner ersetzen. Die geforderte Summe, auch wenn sie nicht erreicht werden wird, setzt das richtige Signal.

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