Presseschau
Merkel klopft Stammtischparolen

Die internationale Presse kritisiert Angela Merkels Kommentar zum frühen Renteneinstiegsalter in Südeuropa, die Debatte um einen neuen IWF-Chef geht weiter, und in den USA blüht der Burger-Schwarzmarkt. Die Presseschau.
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Wiesbaden„Klischees über die Südländer“ und unwahre Behauptungen wirft L‘Expansion Bundeskanzlerin Merkel vor. Auf einem CDU-Fest in Meschede habe sie scharfe Kritik an den Urlaubs- und Rentenregelungen von Griechenland, Spanien und Portugal geübt und ihnen „Müßiggang“ vorgeworfen. „Angela Merkel denkt offenbar nicht darüber nach, wie viel Tinte bereits über ihre Stammtischparolen vergossen wurde“, kommentiert das französische Wirtschaftsblatt. Denn sie habe schlicht Unrecht. „In Bezug auf Urlaub liegt Deutschland zusammen mit Dänemark auf dem ersten Rang im europäischen Vergleich: mit 30 bezahlten Urlaubstagen“, zitiert das Blatt eine Studie des European Industrial Relations Observatory (EIRO). Italien käme auf 28, Frankreich auf 25, und die von Merkel genannten Staaten auf 23 bzw. 22 Urlaubstage. Auch beim Rentenalter zeige sich, nach einer Statistik des Figaro, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter derzeit in Deutschland durchschnittlich 61,7 Jahre betrage, in Griechenland 61,4 und in Spanien und Portugal 62,6 Jahre.

Spiegel Online zeigt sich überrascht von Merkels Rhetorik. Möge sie auch nicht zu denjenigen gehören, die den Rettungsaktionen schnell ihren Segen geben, so sei es doch neu, dass die Kanzlerin nun „den Populismus bedient“. Mit „bösem Willen“ könne man aus den Worten der Kanzlerin herauslesen, die Südeuropäer seien zu faul. Möglich sei jedoch auch, dass Angela Merkel sich wieder in ihren eigenen Formulierungen verirrt habe, schreibt das Blatt in Anspielung an die Debatte über Merkels Freude nach der Tötung Osama Bin Ladens. Für das Gemeinschaftsgefühl in der EU seien Merkels „markige Worte“ alles andere als förderlich, was die Reaktion der Südeuropäer zeige. Schließlich empfiehlt auch Spiegel Online einen Blick auf die nackten Zahlen, die einige Behauptungen der Kanzlerin widerlegten.

Die Süddeutsche Zeitung befürchtet, dass Merkels Aussagen in der Bevölkerung gut ankommen dürften, auch wenn die Fakten sie als „populistisch entlarven“. Viele empfänden die gigantischen Hilfsprogramme für Griechenland, Portugal oder Irland, die „mit deutschen Steuergeldern gezimmert werden“, als Hohn angesichts der „permanenten Spar- und Streichdebatten“ hierzulande. Unzweifelhaft sei auch, dass diese Länder durch effizientere Verwaltung oder Verkauf von Immobilien sparen müssten. Wahrscheinlich habe die Kanzlerin vor allem nach innen wirken wollen.

Privatisierung ist Griechenlands letzte Chance

Das amerikanische Wall Street Journal betrachtet im Fall Griechenlands ein groß angelegtes Privatisierungsprogramm als letzte Hoffnung, einen Staatsbankrott zu vermeiden. Mangel an Objekten habe das Land nicht. In Staatsbesitz befänden sich allein Unternehmen im Wert von 44 Milliarden Euro. Zusätzlich verfüge Griechenland über Immobilien und Grundstücke im Wert zwischen 200 und 300 Milliarden Euro. Dazu gehörten die Sportanlagen der Olympischen Spiele 2004 sowie Militärgelände und von Privaten illegal bebautes Land.

Anders als etwa bei der Privatisierung in Großbritannien in den 80-er Jahren werde Griechenland Investoren außerhalb der Landesgrenzen finden müssen, was sich schwierig gestalten dürfte. Sollte Griechenland sein Ziel, rund 50 Milliarden Euro einzunehmen, erreichen, würde dies die Staatsverschuldung um 17 Prozentpunkte drücken, auf rund 134 Prozent des BIP.

Kommentare zu " Presseschau: Merkel klopft Stammtischparolen"

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  • Was haben Stammtischparolen damit zu tun, wenn Frau Merkel
    die Wahrheit sagt?? Es ist schon lange überfällig, dass
    hier mal "Tacheles" geredet wird! Ich finde, Frau Merkel
    hat Recht und was sie sagt ist absolut korrekt!

  • So dumm sind die Bremer nicht!

  • Dass Frau Merkel nicht besonders schlau ist, sollte inzwischen jeder verstanden haben. Dazu kommt dann immer die Gegenmeinung: wenn sie nicht schlau ist, wäre sie nicht Kanzlerin geworden. Nein, sie ist nur Kanzlerin geworden, weil die die Frau Merkel gewählt haben noch dümmer sind. Aber aus Mangel an Alternativen können wir sie weiter regieren lassen bis an ihr Lebensende. Wer immer ihr Nachfolger wird, muss weiter als Vollzugsgehilfe der EU agieren.

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