Presseschau

Merkel und Sarkozy setzen die Euro-Zone aufs Spiel

Die internationale Presse mokiert sich über die widersprüchlichen Reden von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy im Vorfeld des Brüsseler Gipfels Ende dieser Woche. Sie vermisst vor allem kurzfristig wirksame Lösungen zur Rettung der Euro-Zone. Die Presseschau.
  • Peggy Pfaff
25 Kommentare
Zwischen Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident herrschen noch einige Differenzen. Quelle: dpa

Zwischen Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident herrschen noch einige Differenzen.

(Foto: dpa)

KölnKeine Hoffnung auf verwertbare Lösungsvorschläge zur Eurokrise macht sich die Financial Times von den fünf verbleibenden Tagen bis zum Gipfel in Brüssel am Donnerstag und Freitag. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy seien in ihren Standpunkten weit voneinander entfernt: „Merkel will keine Finanzunion, was sie will, ist ein Sparclub, ein neuer Stabilitätspakt, um ein lebenslange Sparsamkeit zu verordnen. Sarkozy dagegen will die Souveränität nicht aufgeben, er wünscht den nationalen Ansatz, der in der Vergangenheit so fürchterlich versagt hat.“ Keine Frage, beide würden bis Freitag einen Kompromiss finden. „Doch der wird nicht das Problem lösen.“ Die Eurozone brauche jetzt unmittelbar eine Strategie gegen die Krise, dazu zählten kurzfristig die EZB als Retterin und langfristig Eurobonds, eine Überdenken der Beteiligung des Privatsektors, Maßnahmen, um die Depression abzuwenden sowie eine Reform des Verwaltungssystems. „Es darf nicht darum gehen, Sparwille und Souveränität in Brüssel zueinander zu bringen, beide müssen vielmehr als Lösungsansätze verworfen werden.“ Wenn nicht, könne das Fazit nur lauten: „Merkel und Sarkozy haben es wieder mal vermasselt.“

Auch der britische Economist wundert sich über die Hoffnung an den Finanzmärkten, hätten doch Merkel und Sarkozy in ihren jüngsten Grundsatzreden gezeigt, wie weit sie differieren. „Das einzige, was beide eint, ist die Forderung nach neuen EU-Verträgen.“ Die Uneinigkeit der deutschen Kanzlerin und des französischen Präsidenten verwundere nicht: „Das war doch in der EU immer so. Der deutsch-französische Motor wurde nicht für harmonische Kooperation gebaut, sondern um mit den vielen Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris uns Deutschland fertig zu werden.“ Zwar hätten „Merkozy“ in jüngster Zeit versucht, sich anzunähern, doch ohne viel Erfolg. Auch nun seien die beiden im Vorfeld ihrer Vorgespräche für den Gipfel durch Alleingänge aufgefallen. „Im Grunde genommen haben ihre Reden keine Bedeutung, denn neue Verträge brauchen Monate, wenn nicht Jahre.“ Was jetzt benötigt würde, seien kurzfristige Lösungen - und dazu zähle, dass die EZB ihre „Big Bazooka“ ohne Einschränkungen einsetzen dürfe.

„Keine 15 Stunden sind zwischen den Reden von Merkel und Sarkozy vergangen, beide zum selben Thema“, konstatiert L‘Expansion aus Frankreich. Die „Misstöne“ zwischen dem deutsch-französischen „Paar“ hätten sie nicht ausräumen können - im Gegenteil: „Eine Woche vor dem Gipfel, bei dem für die Eurozone um alles oder nichts geht, haben Merkel und Sarkozy ihre Geigen immer noch nicht aufeinander abgestimmt. Es gibt noch zahlreiche Differenzen.“ Vor allem der Hinweis der deutschen Bundeskanzlerin, dass die Lösung der Eurokrise noch Jahre in Anspruch nehmen werde, haben die Erwartungshaltung derjenigen getrübt, die noch immer glaubten, beim Gipfel in Brüssel könnten die Verantwortlichen wichtige Entscheidungen treffen. „Doch die Unterschiede im Rhythmus zwischen Sarkozy und Merkel sind nicht neu: Sie findet seine überschäumende Seite nicht gut, er spottet über ihren schwergängigen „Diesel“.

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25 Kommentare zu "Presseschau: Merkel und Sarkozy setzen die Euro-Zone aufs Spiel"

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  • liebe handelsblattleser,

    eurobonds in der derzeitigen konstellation
    werden zum untergang europas führen.

  • Dann gebe ich wenigstens die Moeglichkeit, nicht nur u.a.
    den €uro, sondern auch die Stromzufuhr zu retten.

  • Ich fürchte auch in Ihrem Kopf!

  • Zitat:
    "Merkel und Sarkozy setzen die Euro-Zone aufs Spiel"

    Na dann wollen wir aber alle hoffen das sie den Einsatz verlieren!

    Nein zur EUdSSR!

  • @ Merkozy setzen die Euro-Zone aufs Spiel...
    ??? Verblüffung -- ich dachte immer, die Schuldenorgien von Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien und neuerdings Zypern setzten die Eu-Zone aufs Spiel. Offenbar kapiere ich irgendwas nicht richtig.
    Ich lese weiter: Die internationale Presse mokiert sich über die widersprüchlichen Reden von... Nun zweifle ich wirklich an mir. Kann ich nicht mehr bis sechs zählen? Ich zähle nochmals: Ja, das HB zitiert 1 französisches Blatt, und 5 angelsächsische Journale und nennt dies dann internationale Presse.
    Gewiss mag es erhellend sein, auch Stimmen aus solchen Nicht-Eu-Ländern zu vernehmen, die die Vorgänge in der Eu-Zone seit jeher von aussen kommentieren, und dabei natürlich nicht zuletzt die eigenen Ziele im Blick haben.
    Allerdings, liebes HB, eine internationale Presseschau, die diesen Namen verdient, sollte auch z.B. Holland, Finnland, Österreich, Dänemark, und Schweden, um nur einige zu nennen, Raum geben, um die Einseitigkeit der HB-Sicht wenigstens ansatzweise abzumildern.
    Oder glauben Sie, dass Kommentare aus diesen Ländern weniger qualifiziert sind?

  • @Wolfgang Press
    Gerne. Unter Standortvorteilen verstehen ich nicht nur die zentrale geographische Lage, die am allerwenigsten, sondern alle Faktoren wie Infrastruktur, Ausbildungsstand und Bildungsniveau der Bevölkerung, Leistungsfähigkeit und Wille,Innovationsfähigkeit der handelnden Exportindustrie u.s.w. Alles zusammen ergibt Standortvorteile oder eben Nachteile.
    Norditalien hat demgemäß Standortvorteile, die Süditalien nicht hat. Nicht zuletzt spielen Mentalitätsfragen eine nicht geringe Rolle.

  • Sparen kommt immer gut an . Damit Punktet Fr. Merkel beim Volk . Über Sparen brauchen wir nicht reden , das ist keine Lösung sondern gehört zum Leben dazu . Haushalten nennt man sowas . Fr. Merkel hat noch keine einzige Lösung gefunden . !00 Krisentreffen ,keine Einigung , keine Lösung . Nur gegenseitige Vorwürfe . Es wird noch Jahre dauern so Merkel oder genauer gesagt LAS MICH IN RUHE . Mit dem harten Weg gegen Europa bringt sie nicht die Leute in ihre Partei die sie benötigt um gute Politik zu machen sondern die Randgruppen Deutschlands . Und das sind zum Teil sehr üble Gesellen .

  • Der globale Reset wird kommen, da führt kein Weg dran vorbei. Ob heute oder morgen. Die Schulden werden nie über Generationen abgebaut werden können, das wäre theoretisch event. machbar. In Wahrheit eine Illusion, da Wirtschaft dann immer kontinuierlich wachsen müsste. Das macht aber schon aus Gründen der Ressourcen keinen Sinn. Zinsbasierte Schuldsysteme sind mit einem Reset angelegt.

    Das was da momentan passiert, ist eine Zwangsbeatmung des kranken Patienten.

  • Wir brauchen keine (weitere) Bankenrettung.
    Sch.... drauf.

  • Nicht doch ! Hört auf mit der Promotion der deutschen Sprache! In Deutschland sprechen die meisten Menschen ein übles unkorrektes Deutsch, einfach, weil die Sprache sehr kompliziert ist. Gebildete Leute und Herrscherhäuser haben seit eh und je kaum Deutsch gesprochen. Französisch, Italienisch oder Englisch sind die Sprachen der Vergangenheit und der Zukunft. Leider hat das dritte Reich auch in unserem Geschichtsbewusstsein hässliche Spuren hinterlassen.

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