Presseschau
Merkel und Sarkozy setzen die Euro-Zone aufs Spiel

Die internationale Presse mokiert sich über die widersprüchlichen Reden von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy im Vorfeld des Brüsseler Gipfels Ende dieser Woche. Sie vermisst vor allem kurzfristig wirksame Lösungen zur Rettung der Euro-Zone. Die Presseschau.
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KölnKeine Hoffnung auf verwertbare Lösungsvorschläge zur Eurokrise macht sich die Financial Times von den fünf verbleibenden Tagen bis zum Gipfel in Brüssel am Donnerstag und Freitag. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy seien in ihren Standpunkten weit voneinander entfernt: „Merkel will keine Finanzunion, was sie will, ist ein Sparclub, ein neuer Stabilitätspakt, um ein lebenslange Sparsamkeit zu verordnen. Sarkozy dagegen will die Souveränität nicht aufgeben, er wünscht den nationalen Ansatz, der in der Vergangenheit so fürchterlich versagt hat.“ Keine Frage, beide würden bis Freitag einen Kompromiss finden. „Doch der wird nicht das Problem lösen.“ Die Eurozone brauche jetzt unmittelbar eine Strategie gegen die Krise, dazu zählten kurzfristig die EZB als Retterin und langfristig Eurobonds, eine Überdenken der Beteiligung des Privatsektors, Maßnahmen, um die Depression abzuwenden sowie eine Reform des Verwaltungssystems. „Es darf nicht darum gehen, Sparwille und Souveränität in Brüssel zueinander zu bringen, beide müssen vielmehr als Lösungsansätze verworfen werden.“ Wenn nicht, könne das Fazit nur lauten: „Merkel und Sarkozy haben es wieder mal vermasselt.“

Auch der britische Economist wundert sich über die Hoffnung an den Finanzmärkten, hätten doch Merkel und Sarkozy in ihren jüngsten Grundsatzreden gezeigt, wie weit sie differieren. „Das einzige, was beide eint, ist die Forderung nach neuen EU-Verträgen.“ Die Uneinigkeit der deutschen Kanzlerin und des französischen Präsidenten verwundere nicht: „Das war doch in der EU immer so. Der deutsch-französische Motor wurde nicht für harmonische Kooperation gebaut, sondern um mit den vielen Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris uns Deutschland fertig zu werden.“ Zwar hätten „Merkozy“ in jüngster Zeit versucht, sich anzunähern, doch ohne viel Erfolg. Auch nun seien die beiden im Vorfeld ihrer Vorgespräche für den Gipfel durch Alleingänge aufgefallen. „Im Grunde genommen haben ihre Reden keine Bedeutung, denn neue Verträge brauchen Monate, wenn nicht Jahre.“ Was jetzt benötigt würde, seien kurzfristige Lösungen - und dazu zähle, dass die EZB ihre „Big Bazooka“ ohne Einschränkungen einsetzen dürfe.

„Keine 15 Stunden sind zwischen den Reden von Merkel und Sarkozy vergangen, beide zum selben Thema“, konstatiert L‘Expansion aus Frankreich. Die „Misstöne“ zwischen dem deutsch-französischen „Paar“ hätten sie nicht ausräumen können - im Gegenteil: „Eine Woche vor dem Gipfel, bei dem für die Eurozone um alles oder nichts geht, haben Merkel und Sarkozy ihre Geigen immer noch nicht aufeinander abgestimmt. Es gibt noch zahlreiche Differenzen.“ Vor allem der Hinweis der deutschen Bundeskanzlerin, dass die Lösung der Eurokrise noch Jahre in Anspruch nehmen werde, haben die Erwartungshaltung derjenigen getrübt, die noch immer glaubten, beim Gipfel in Brüssel könnten die Verantwortlichen wichtige Entscheidungen treffen. „Doch die Unterschiede im Rhythmus zwischen Sarkozy und Merkel sind nicht neu: Sie findet seine überschäumende Seite nicht gut, er spottet über ihren schwergängigen „Diesel“.

Kommentare zu " Presseschau: Merkel und Sarkozy setzen die Euro-Zone aufs Spiel"

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  • liebe handelsblattleser,

    eurobonds in der derzeitigen konstellation
    werden zum untergang europas führen.

  • Dann gebe ich wenigstens die Moeglichkeit, nicht nur u.a.
    den €uro, sondern auch die Stromzufuhr zu retten.

  • Ich fürchte auch in Ihrem Kopf!

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