Presseschau
Merkelzy statt Merkozy

Die Griechenland-Krise zeigt: Europa wird von Deutschland aus regiert. Doch Berlin sei der Führungsrolle nicht gewachsen, meinen internationale Medien. Die Presseschau.

DüsseldorfDer britische Guardian sieht Deutschland in einer europäischen Führungsrolle, die das Land nicht gewollt habe und der es auch nicht gerecht werde. So sei der Fiskalpakt nur zustande gekommen, weil Berlin es so gewollt habe. Es seien Deutsche, die die Griechen dazu ermahnten, ihre Hausaufgaben zu machen. Und nun versuche Angela Merkel, den französischen Wählern näher zu bringen, für wen sie bei den kommenden Präsidentschaftswahlen stimmen sollten. „Europa wird in Wirklichkeit nicht von Merkozy sondern von Merkelzy regiert“, schreibt das Blatt.

Bisher seien die Deutschen jedoch keine guten Anführer, vor allem weil sie ständig glaubten, alle anderen wollten nur deutsches Geld. Außerdem stecke das Land durch seine Geschichte in einem Dilemma: Denn wenn Deutschland etwa einen Sonderkommissar für Griechenland vorschlage, werde er sofort als „Gauleiter“ bezeichnet. In dieser Situation sei es falsch, dass Großbritannien sich aus der Verantwortung in der EU stehle. Vielmehr müsse das Vereinigte Königreich Deutschland unter die Arme greifen, wie schon nach dem Krieg geschehen.

Das Wall Street Journal hingegen sieht Angela Merkel in die Ecke getrieben. Auch wenn sie beteuere, sie wolle Griechenland in der Eurozone halten, seien ihr durch die innenpolitischen Realitäten die Hände gebunden. Immer mehr Abgeordnete hätten Griechenland schon aufgegeben. Auch die deutsche Öffentlichkeit scheine nicht daran zu glauben, dass eine griechische Staatspleite das Aus für den Euro bedeuten müsse.

Laut Umfragen würden die Deutschen den Bankrott Griechenlands akzeptieren, solange die Politiker klar machten, weshalb dieser unvermeidbar gewesen sei. Den meisten sei das Schicksal des Euros wichtiger, mit oder ohne Griechenland. Die Hilfen für Griechenland seien nie populär gewesen und hätten die Regierungskoalition Stimmen bei Landtagswahlen gekostet. Nun hätten sich mehrere Abgeordnete gegen weitere 130 Milliarden Euro Hilfsgelder ausgesprochen, die eine Staatspleite im kommenden Monat verhindern sollen. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble soll sich auf nicht-öffentlichen Treffen wiederholt auf diese Weise geäußert haben.

Angela Merkel stehe kurz vor einem strategischen Coup, mit dem sie Griechenlands widerspenstige Politiker dazu zwingen könnte, sich zu harten Sparmaßnahmen zu verpflichten, analysiert der australische Business Spectator. Ihre Sorge sei jedoch, dass Frankreich von ihrem „Sparsamkeitszug“ abspringe. Ihr größtes Problem sei der sozialistische Kandidat Francois Hollande, der momentan wie der sichere Wahlsieger ausschaue. Dieser wolle etwa die Arbeitslosigkeit durch mehr öffentliche Stellen bekämpfen.

Viel schlimmer für Merkel sei jedoch, dass Hollande ihren Fiskalpakt neu verhandeln wolle. Unter anderem sollen Länder die Möglichkeit bekommen, für Konjunkturprogramme Schulden zu machen. Merkel glaube jedoch, dass der Pakt dazu beigetragen habe, die Märkte zu beruhigen. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Defizitländer auch in einer tiefen Rezession steckten, sei ein Paris, das die Werbetrommel für keynesianische Konjunkturprogramme rühre, das Letzte, was Merkel wolle.

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