Presseschau
Microsofts überteuerter Milliardendeal

Ist Skype wirklich 8,5 Milliarden Dollar wert? Die internationale Presse zeigt sich äußerst skeptisch. Als eigentlichen Nutznießer haben die Journalisten das Netzwerk Facebook ausgemacht, an dem Microsoft beteiligt ist.
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Aus Sicht der Wirtschaftswoche zeigt der größte Deal in der 36-jährigen Geschichte von Microsoft, wie verzweifelt der einst so dominante Software-Hersteller versuche, in wichtigen Zukunftsmärkten wieder den Anschluss an die Marktführer zu erhalten. Skype können den Redmondern gleich auf mehreren Feldern helfen, darunter das Handy-Geschäft, in dem Microsoft trotz der mit allerlei Marketinggetöse im vergangenen Jahr vorgestellten neuen Handy-Plattform Windows Phone 7 nicht recht vom Fleck komme. Den stärksten Rückenwind erhalte Microsoft aber möglicherweise im Geschäftskundensegment: Skype ergänze in der hochprofitablen Office-Sparte das Produkt "Lync", das E-Mail, Instant-Messaging sowie Audio- und Video-Telefonie in einem einzigen Angebot bündele.

Die Financial Times geht davon aus, dass Skype dazu beitragen wird, die Mobiltelefon-Strategie von Microsoft wiederzubeleben. Im Schulterschluss mit Nokia könne dies auch gelingen, da die Integration von Skypeanwendungen bei iPhones und Android-Geräten aktuell lückenhaft sei. Ein "Microsoft-Nokia-Skype-Telefon" würde allerdings die Telekom-Betreiberfirmen herausfordern, da Skype herkömmliche Telefonate kannibalisiere.

Techcrunch: Microsoft zu kompromisslos

Das Technik-Blog Techcrunch hält den Kaufpreis für überzogen. Nach eigenen Recherchen habe Microsoft fast das Doppelte im Vergleich zum zweiten Interessenten Google angeboten, während Facebook de facto nie im Rennen gewesen sei - möglicherweise hätten aber die von Facebook absichtlich nicht dementierten Gerüchte dazu beigetragen, dass Microsoft den Deal durchgezogen habe. Dass Google nur rund vier Milliarden Dollar geboten habe, wertet das Blog als Beleg dafür, dass Microsoft mehrere Milliarden Dollar zu viel bezahle.

Der Deal lohne sich vor allem für Facebook, kommentiert die Financial Times Deutschland . Das soziale Netzwerk profitiere einerseits davon, dass Google bei Skype nicht zum Zuge gekommen sei. Andererseits werde Microsoft als Anteilseigner jetzt Facebook Zugang zur Skype-Technologie gewähren. Ob sich die Übernahme am Ende auch für Microsoft auszahle, sei ungewiss. Das Blatt vergleicht den Deal mit Nokias Milliardenzukauf von Navteq. Seitdem die Finnen das Kartenmaterial ihren Handynutzern kostenlos zugänglich gemacht hätten, bestehe die vage Hoffnung, den Absatz beim Endkunden dadurch anzukurbeln.

Der Spiegel geht davon aus, dass Skype besonders bei den Bemühungen, zahlende Unternehmenskunden zu gewinnen, von Microsofts Vertriebsmacht und der Integration in andere Microsoft-Angebote für Firmen profitieren werde. Auch im Privatkundengeschäft profitiere Skype insofern vom neuen Partner, als Microsofts Konsole Xbox 360 mit der Erweiterung "Kinect" Skype-Anrufe unterstützen könnte.

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