Presseschau
Nehmt Bankiers nicht so ernst!

Die internationale Wirtschaftspresse beschäftigt sich mit den neuen Eigenkapitalanforderungen für Schweizer Banken, Fortune vermutet einen Crash, schließlich ist Oktober, die BörsenZeitung will arrogante Baumanager vom hohen Ross schubsen und Les Echos preist Ikea als Globalisierungsgewinner. Fundstück: Kein Geld? Erfinde eine Steuer!
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Sollte der Schweizer Gesetzgeber der Expertenkommission des Berner Bundesrats recht geben und höhere Eigenkapitalanforderungen für die eidgenössischen Banken verabschieden, werden für UBS und Credit Suisse künftig schärfere Regeln gelten als für die gesamte Konkurrenz, meldet das Wall Street Journal. Unter Basel III gelte eine Gesamtkapitalquote von 10,5 Prozent, doch die Schweizer wollten jetzt sogar 19 Prozent. Dennoch hätten beide Großbanken schon Zuversicht gezeigt, den ab 2019 geltenden Auflagen gerecht werden zu können. Vor radikaleren Maßnahmen wie der Forderung nach einer Zerschlagung hätten die Experten noch Halt gemacht, doch wenn die Banken ihre Risiken nicht verringern wollten, müssten sie jetzt eben mehr Kapital vorhalten, schreibt das Blatt. Negative Folgen für die Schweizer Wirtschaft seien jedoch nicht zu erwarten, eher gebe es "positive und permanente" Effekt für das Schweizer Sozialprodukt.

Vor wenigen Monaten hätten die Schweizer Bankenverbände noch "mindestens das Ende der Welt prophezeit", hätte man ihnen die jüngsten Anforderungen aus Bern gezeigt, frotzelt die Financial Times Deutschland. Nun sagten die eidgenössischen Bankmanager jedoch plötzlich, die Stabilität des Finanzsystems werde so gestärkt, Aktien müsse man keine emittieren, um den neuen Anforderungen nachzukommen, über Dividenden ließe sich reden und von riskanteren Aktiva wolle man sich trennen, womit man ja bereits begonnen habe. Die Schlussfolgerung liege auf der Hand, meint das Blatt: Banken sollte man einfach nicht so ernst nehmen. "Den staatlichen Entscheidern sollte diese Episode einmal mehr zeigen, wie sie das Wehklagen des Banksektors im Vorfeld von Regulierungsänderungen einzuordnen haben." Ohnehin bleibe abzuwarten, vielleicht würden die strengst regulierten Banken ja auch zum Maßstab für alle anderen gedeihen.

Der Schweizer Sonderweg verblüfft das Manager Magazin keineswegs. Vorschriften, die härter sind als die des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, seien in der Schweiz nichts Neues, schließlich würde ein Zusammenbruch einer heimischen Großbank ja auch das ganze Land in Schieflage bringen. Die Position von UBS und Credit Suisse sei ohnehin nicht schlecht: Sie erzielten rund die Hälfte ihres Gewinns in der Vermögensverwaltung und die sei von den Eigenkapitalvorschriften praktisch nicht betroffen. Die strengeren Vorschriften wirkten sich hauptsächlich im Investmentbanking aus, wo sie bestimmte Geschäfte wie etwa den Eigenhandel verteuern. Entsprechend gefasst seien die neuen Regeln aufgenommen worden: Sowohl die Aktien von Credit Suisse wie auch die Papiere von UBS notierten im Plus.

Der australische Business Spectator sieht in der Finanzbranche nun ein "Rennen an die Spitze" vorher, in dem die Banken einander darin auszustechen versuchten, wer das meiste Kapital in der Bilanz habe. Ein Arbeitspapier des IMF, das unter Regulierungsbeamten jüngst "zu einem Aufschrei der Frustration" geführt habe, stelle jedoch fest, dass die neuen Regeln noch lange nicht ausreichten: Sie beschäftigten sich nur mit Banken, nicht mit der ganzen Finanzwirtschaft, seien nicht global koordiniert und überdies gebe es noch immer keine Abgabe, mit der die Finanzinstitute für die von ihnen verursachten Schäden aufkommen müssten. Die einzige Idee der Regulierungsbehörden sei bislang, mehr Rücklagen zu fordern. Der IMF vermute daher, dass nun riskantere Aktivitäten "zu den weniger oder nicht-regulierten Segmenten des Systems wandern werden, wie wir es während der jüngsten Krise schon in Form von nicht in der Bilanz geführten Investmentvehikel gesehen haben". Das könnte besonders dann Wirklichkeit werden, fürchtet das Blatt, wenn es in Sachen Eigenkapitalposten zu einem Wettkampf im Stil von "meiner ist größer als deiner" komme.

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