Presseschau
Neuer Akt im griechischen Drama

Die internationale Presse kommentiert den Rücktritt Giorgos Papandreous: Sie beurteilt die Chancen für einen Neuanfang in Griechenland skeptisch und lotet die Konsequenzen für Europa aus. Die Presseschau.
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 „Im Krebsgang zur Einigkeit“ übertitelt der Wiener Standard seinen Kommentar zur Lage in Griechenland. Mit seiner „politischen Verrücktheit“ habe Giorgos Papandreou wenigstens erreicht, dass die Blockade der Parteien gegen den Sparkurs nun bröckele und der Weg für eine Koalitionsregierung in Athen frei geworden sei. „Griechenlands Politikern dämmert mittlerweile, wie lächerlich sie dastehen.“ Denn die Mehrheit der Griechen wolle kein Referendum, bei dem sie ankreuzen soll, ob sie für oder gegen den Sparkurs ist, sondern eine Parteien übergreifende Regierung, die arbeitet. Die „schwere, lange Jahre dauernde Sanierung“ Griechenlands beginne erst. „Sie gemeinsam zu schultern, wird für Parteien und Bürger erträglicher sein.“

 „Papandreous vorhersehbarer Rücktritt beendet zwei stürmische Jahre, die er an der Macht war“, meint das Wall Street Journal. Er sei zuletzt in seiner eigenen Partei stark unter Druck geraten, eine offene Revolte habe gedroht. Mit der neuen Regierung müsse es Griechenland nun gelingen, einen vorzeitigen und ungeordneten Staatsbankrott und einen unkontrollierten Rausschmiss aus der Eurozone zu vermeiden - beides habe dem Land in der vergangenen Woche des politischen Durcheinanders gedroht. Nun hoffe man in Athen, bis heute eine Übergangsregierung präsentieren zu können, möglichst noch vor dem Treffen der Finanzminister der Eurozone in Brüssel. „Knackpunkt ist aber noch das Mandat, dass die Übergangsregierung erhalten soll“, gibt das Blatt zu Bedenken: Während Papandreou anstrebt, dass sie auch Gesetze im Zusammenhang mit dem EU-Rettungsplan verabschieden darf, wolle die Opposition lediglich, dass sie lediglich dem Plan zustimmt, die Politik dazu aber von der aus Neuwahlen hervor gehenden Regierung bestimmt werden soll.“

 „Kaum verhohlene Wut“ nimmt die Financial Times aus London unter den Eurozone-Finanzministern wahr - sie seien mit Papandreous Handling der Krise äußerst unzufrieden. „Sie erwarten, dass er seinen Hut nimmt und sehen in den zuletzt in Athen geführten Verhandlungen seinen allerletzten Versuch, sein Amt mit wenigstens einem Funken Stolz verlassen zu können“, glaubt die Zeitung. Die Geduld gehe den Teilnehmern des heutigen Eurogruppen-Treffens aus, und so werde den griechischen Ministern wohl ein „frostiger Empfang“ bereitet werden, wenn es ihnen nicht gelingt, das Chaos in Athen zu beenden. „Das wird die Bedingung sein für die Auszahlung der nächsten Hilfs-Tranche in Höhe von acht Milliarden Euro.“ EU-Kommissar Olli Rehn habe deshalb „unmissverständliche Worte“ an Griechenland gerichtet, dass die neue griechische Regierung, egal wie sie zusammengesetzt sei, politisch hinter dem Bailout-Programm und dem Schuldenschnitt stehen müsse.

Kommentare zu " Presseschau: Neuer Akt im griechischen Drama"

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  • Eine aufschlußreiche Zusammenstellung. Sie sagt sehr viel über dieses angebich so schön geeinte Europa und speziell über die sooo tolle Freundschaft zwischen einigen Euroländern aus.

    Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

  • Das französische Magazin MARIANNE hat völlig recht, dass Deutschland der Fremdkörper in der Eurozone ist und besser die Eurozone verlässt. In der Tat würde der Handelsbilanzüberschuß gesenkt werden - etwas, was sowieso die ganze Welt fordert. Allerdings hätten die Deutschen dann wieder eine starke Währung, die eine Sozialdividende im Sinne einer höheren Kaufkraft bedeutet. Und die deutsche Exportindustrie müsste sich eben doppelt anstrengen. Und die Deutschen als Konsumenten müssten sich dann auch fragen, ob sie deutsche Qualitätsprodukte zu höherem Preis kaufen wollen oder Billigangebote aus Fernost. Man kann nicht alles haben!

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