Presseschau
Obama weiß nicht, warum er antritt

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Wahlkampfauftakt von Barack Obama und kritisiert seine verschwommenen Botschaften. Außerdem in der Presseschau: Spanien gibt Grund für Hoffnung, Texas Instruments eröffnet neue Märkte. Fundstück: FDP lernt von Assad.
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DüsseldorfDas Wirtschaftsmagazin Economist zerreißt das Video, mit dem Barack Obama seinen Wahlkampf für das Jahr 2012 gestartet hat. Außer einer Frau aus Arizona, die von ihren hehren Zielen für sich und ihre Kinder berichtet, zeige das Video keine Hinweise darauf, wofür Obama stehe und wie er diese Ziele erreichen könne. Dies sei keine große Überraschung, schließlich seien erbauliche, aber verschwommene Slogans wie "Change you can believe in" eine der Stärken und gleichzeitig auch Schwächen seines ersten Wahlkampfes gewesen. Es werde nun jedoch schwierig sein, diese Schiene zu fahren, schließlich könnten sich die Wähler nun ein Urteil über Obamas Führungsqualitäten erlauben. Auch könne man annehmen, dass die Medien ihm "dieses Geschwafel" nicht durchgehen lassen würden. Bisher interessiere die Kritiker jedoch nur, ob die Kosten seines Wahlkampfes die Milliarden-Grenze überschreiten werden. "Momentan scheint es so, als wüsste Obama nicht warum er eigentlich antritt, während seine Gegner nicht wissen, wie sie ihn schlagen können", kommentiert das Blatt.

Das Portal Daily Financ ezieht eine Bilanz der vergangenen Jahre unter Präsident Barack Obama. Obwohl die meisten Amerikaner sich nun ärmer fühlten, gebe es klare Gewinner und Verlierer. Für die Gewinner, die Hedgefonds-Manager, die Konzerne und die Eigentümer von Rohstoffen, sei es beinahe so, als hätte George W. Bush eine dritte Amtszeit genossen. Unter den Verlierern seien die Arbeitslosen, die Hauseigentümer, der Mittelstand, aber auch die Wall-Street-Banker, deren Einkommen gesunken sei. "Obwohl viele in diesem Land einen anderen Präsidenten für die nächste Amtszeit wünschen, wird es wohl wieder Obama sein", meint der Wirtschaftsdienst. Dabei bezieht sich Daily Finance auf den Ökonomen Jay C. Fair von der Yale-Universität, der Wahlen mit frappierender Genauigkeit vorhersagen könne. Demnach sei das Wahlergebnis des Amtsinhabers abhängig vom Wirtschaftswachstum während der neun Monate vor der Abstimmung. Ergebnis der Prognose: Das Witschaftswachstum werde bei 3,7 Prozent liegen, während Obama rund 55 Prozent der Stimmen erreiche.

Das US-Magazin Time sieht eines der größten Probleme für Obamas Wahlkampf in seinem Unvermögen, von den eigenen Erfolgen zu profitieren. Denn diese lägen vor allem im Vorbeugen von Desastern. Forscher bezeichneten dies als "kontrafaktisches Problem": "Es ist schwierig, für das Vermeiden einer Katastrophe Anerkennung zu bekommen", erklärt das Blatt. Schließlich sei es unmöglich zu beweisen, dass es ohne Eingriff tatsächlich zu dieser Katastrophe gekommen wäre. Anerkennung bekomme nur derjenige, der wartet, bis die Katastrophe sich entfaltet, um sie dann zu stoppen, wie es Präsident Bill Clinton in Bosnien getan habe. Ein extremes Beispiel sei das 787 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket, das Obama in seinem ersten Amtsmonat unterzeichnet habe. "Das Hauptziel war, eine Depression zu vermeiden. In diesem Sinne war die Politik enorm erfolgreich", kommentiert das Blatt. Rund neun Prozent Arbeitslosigkeit seien zwar immer noch schrecklich, ohne das Paket dürften es jedoch deutlich mehr sein. Es gebe keine zweite Ökonomie, die Obama in eine Petri-Schale legen könne, um zu zeigen, wie die Lage ohne seinen Eingriff momentan wäre.

Spanien als Lichtblick am Eurohimmel

Während sich immer mehr dunkle Wolken über der Eurozone bildeten, etwa in Form einer wahrscheinlichen Rettung Portugals, sorge Spanien mit der Besserung seiner Wirtschaft und öffentlicher Finanzen für einen Lichtblick, schreibt die Financial Times . Dank handfester Defizitkürzungen und Strukturreformen werde das Land von den Märkten nicht mehr als hilfloser Dominostein in einer Kette mit Griechenland, Irland und Portugal gesehen. Die meiste Anerkennung dafür verdiene der sozialistische Premier Zapatero, der nun angekündigt habe, keine weitere Amtszeit mehr zu beanspruchen. Die Sozialisten und die Konservativen hätten jetzt die Verantwortung für die Zukunft des Landes. Schließlich sei Spanien noch nicht in trockenen Tüchern. Die Arbeitslosigkeit betrage noch immer mehr als 20 Prozent, bei den unter 25-Jährigen gar schockierende 43,5 Prozent. Der Bankensektor bereite weiterhin Sorgen. "Die Spanier, die gerade die schwerste Krise seit der Herrschaft von Franco durchleben, werden die Sozialisten kaum wiederwählen", prophezeit das Blatt. Eines Tages würden sie jedoch die Dienste von Zapatero noch zu schätzen wissen.

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