Presseschau
Ohne Strauss-Kahn wird es eng für Griechenland

Die Festnahme von Dominique Strauss-Kahn hält die internationale Wirtschaftspresse weiterhin im Atem. In Griechenland werde der wichtigste Fürsprecher und in Frankreich der Alternativkandidat zu Sarkozy vermisst. Financial Times und Reuters diskutieren bereits über die Nachfolge-Frage. Die Presseschau.
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Das britische Wirtschaftsmagazin Economist sorgt sich um das Schicksal von Griechenland, schließlich verliere das Land mit dem IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn einen seiner wichtigsten Fürsprecher. Dieser habe alles getan, um einen griechischen Staatsbankrott zu vermeiden. Ob sein Nachfolger dies auch tun werde, sei fraglich. Strauss-Kahn werde nachgesagt, er habe sich für mehr Rettungsdarlehen ausgesprochen. „Gerüchten zufolge hat er geglaubt, die EU müsste die Krise ein für alle Mal lösen, indem sie das Geld nicht als Kredit, sondern als Zuschuss vergibt“, schreibt das Magazin. Dies sei zwar nie wahrscheinlich gewesen, rücke nun jedoch in noch weitere Ferne. Wie sich die Krise Griechenlands entwickeln werde, hänge vom IWF als Teil eines Dreiergespanns mit der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank ab. Es verfestige sich der Eindruck, dass das Griechenland-Programm vom Kurs abgekommen sei, was die nächste, im Juli fällige Tranche des Rettungsgeldes in Höhe von zwölf Milliarden Euro an Athen gefährde. 

Auch der Business Spectator aus Australien sieht Griechenlands in einer schwierigen Lage. Die „starke persönliche Beziehung“ zwischen Dominique Strauss-Kahn und dem griechischen Premier George Papandreou – beide Sozialisten – werde als Schlüsselfaktor bei dem 110 Milliarden schweren Rettungspaket für Griechenland betrachtet, das die EU und der IWF im vergangenen Mai geschnürt hätten. Es sei DSK gewesen, an den sich Papandreou zuerst gewandt habe, als er vom riesigen Budget-Defizit erfahren habe. Während europäische Politiker zögerten, habe „DSK“ schnell die Entscheidung für ein Rettungspaket gefällt. Jetzt stritten Europas Politiker noch immer darum, was mit den griechischen Finanzen letztlich geschehen solle. Ein Team aus Vertretern des IWF, der EZB und der Europäischen Kommission prüfe die Einhaltung der Sparverpflichtungen in Athen. „Die ersten Anzeichen sprechen dafür, dass das Land seine Ziele verfehlen wird“, schreibt das Blatt. Somit werde das Verhältnis zwischen Griechenland und der so genannten Troika immer schlechter.

Was auch immer das Gericht angesichts der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Strauss-Kahn entscheiden werde, er sei fast sicher raus aus dem Rennen bei den Präsidentschaftswahlen 2012, schreibt das Wall Street Journal. Der Fall des IWF-Chefs sei die beste politische Nachricht für Sarkozy seit Jahren, es sei jedoch keine gute Nachricht für Frankreich. „Er war die letzte glaubhafte Stimme des linken Mainstreams, offen für Reformen und moderne Ökonomie“, schreibt das WSJ über Strauss-Kahn. Nachdem er nun weg sei, werde Sarkozy wohl kaum diese Rolle einnehmen können. Vielmehr sei seine Figur mehr als paradox. Während er Frankreich nach außen hin eine deutlich größere Rolle in der internationalen Politik verschafft habe, sei er damit gescheitert, Frankreich selbst tiefgreifend zu verändern. Daher würden bei den Wahlen die Populisten von Links und Rechts deutlich an Bedeutung gewinnen, wenn auch letztendlich das System der zwei Wahlgänge Sarkozy einen Sieg sichern dürfte.

Kommentare zu " Presseschau: Ohne Strauss-Kahn wird es eng für Griechenland"

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    Wollen wir wetten, daß das die amerikanischen Rechten waren. Zukünftig Linke in Europa, würden ihnen äußerst ungelegen kommen.
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  • Es ist mal wieder erschütternd wie gestern die Screen-Medien (TV u. Internet) schon vorher gewusst haben wollen,
    dass Herr Strauss-Kahn immer schon ein etwas ausschweifendes Legen geführt haben soll, und überhaupt ein als Frauenheld und Machtmensch bekannter Politiker der am Stuhl des französischen Staatspräsidenten interresiert ist. Jedoch kein Wort über seine Leistungen in beruflichen Belangen.

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