Presseschau
Opel GM: Bund als handlungsunfähig bloßgestellt

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Hängepartie um die Zukunft von Opel. Fortune porträtiert den angeschlagenen König des Luxus, François-Henri Pinault. El Economista analysiert die Krise bei Spaniens früherem Überflieger Iberia. Les Echos zweifelt an der Wachstumsbilanz von China. Fundstück: Altes abwracken, Neues zerstören.

Das Wall Street Journal sieht die Interessenten im Rennen um Opel aktuell gleichauf. Die Bundesregierung favorisiere weiterhin Magna, obwohl das nachgebesserte Angebot von RHJ günstiger für den Steuerzahler ausfiele, während GM Magna ablehne - doch solange keine andere europäische Regierung so großzügig wie Deutschland sei, werde RHJ nicht weit kommen. Aus Sicht der Zeitung sind beide Angebote kaum überzeugend. RHJ verfüge über kaum mehr als 240 Millionen Dollar an Automobil-Investments - was nicht einmal ein Sprungbrett für das jährlich 30 Milliarden Euro schwere Geschäft von Opel und Vauxhall sei; das Magna-Angebot werde durch den russischen Staat finanziert, was den Verdacht schüre, dass geistige Eigentum von Opel ausgeschlachtet werden solle. "Was Opel tatsächlich benötigt, ist einen starken europäischen Partner, um Kosten zu teilen, darunter für teure neue Technologien wie Hybridantriebe. Diese Lösung erscheint so weit entfernt wie noch nie."

Die Financial Times Deutschland rät der Bundesregierung, bei allem Ärger darüber, kurz vor der Wahl als handlungsunfähig bloßgestellt zu werden, die neueste Wende im "Opel-Drama" - dass GM möglicherweise Opel behalten wolle - etwas nüchterner zu betrachten. Eigentlich müsste die deutsche Regierung erleichtert sein, dass der amerikanische Staat GM nun saniert habe und am Ende auch der bereits gewährte Staatskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückfließe. "Sicher ist es denkbar, dass GM bei Opel mehr Jobs streichen und mehr Werke schließen würde, als es Magna jetzt verspricht. Aber auch die Politik sollte nicht nur kurzfristig auf Arbeitsplätze schielen, sondern vor allem darauf achten, welcher Partner Opel auf längere Sicht eine tragfähige Lösung bieten kann. Hier ist GM mit Sicherheit kein schlechterer Partner als Magna."

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert die Hängepartie um die Zukunft von Opel. Nach Einschätzung der Münchner müssten sich die Beschäftigten darauf einstellen, dass der von ihnen erhoffte Verkauf des Unternehmens an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und seine russischen Partner nicht zustande kommen werde - Opel dürfte also eine große GM-Tochter bleiben. Jetzt gelte es, mit der Illusion aufzuräumen, die Verzögerungstaktik der "GM-Manager" sei schuld an der Hängepartie. Tatsächlich habe der Verwaltungsrat, hätten also US-Politiker das Sagen. Die Bundesregierung wiederum habe sich viel zu früh auf den Verkauf an Magna festgelegt und zudem zu wenig die Interessen anderer in ihre Pläne einkalkuliert, darunter Regierungen jener Länder, in denen es ebenfalls GM-Standorte gibt wie Großbritannien, Polen oder Spanien.

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