Presseschau
Opel-Streichkonzert polarisiert

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich gespalten angesichts des Opel-Sanierungsplans: Droht ein fortgesetzter Niedergang in Raten, oder ist der GM-Kurs klug? Für die Börsen-Zeitung ist die WestLB-Rettung der Anfang vom Ende. Vedomosti kritisiert russische Wassergeschäfte. Les Echos sieht die Globalisierung im Rückwärtsgang. Fundstück: Die Knolle der Zukunft.
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Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) macht drei Wochen nach der Kehrtwende bei Opel nun Ernst mit der geplanten Restrukturierung: Nach Worten des neuen Opel-Interimschef Nick Reilly wollen die Amerikaner insgesamt rund 9000 Stellen in Europa streichen, davon allein 50 bis 60 Prozent in Deutschland. Das Manager Magazin wundert sich, dass der als knallharter Sanierer angekündigte Opel-Europachef Nick Reilly eine „Sanierung light“ plane: Er wolle nicht mehr Jobs streichen als die von Magna vorgesehenen 9500, schicke überall Mitarbeiter nach Hause, werde aber keine Werke schließen – höchstens Antwerpen, aber auch da sehe Reilly noch Hoffnung. Offenbar scheue Reilly den Konflikt mit Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der dem neuen Herren gleich seine Macht demonstriert und den von GM als neuen Aufsichtsratschef vorgesehenen Bob Lutz blockiert habe. Fazit: „GM bekennt sich nicht wirklich zu seinem Europa-Geschäft, spart es aber auch nicht unmittelbar zu Tode. Stattdessen droht Opel das ewige Weiterso, die Fortsetzung des Niedergangs in Raten.“

Die Süddeutsche Zeitung glaubt, dass die neuen Pläne der Amerikaner bei der Opel-Belegschaft das alte Misstrauen gegen Detroit wiederbeleben werden. „Zwischen Opel und der Muttergesellschaft ist in den vergangenen 20 Jahren so viel Vertrauen vernichtet worden, dass das Verhältnis völlig zerrüttet ist. Die Zusammenarbeit von GM und Opel wird daher auf lange Zeit extrem belastet sein.“ In dieser Situation müssten die Ministerpräsidenten im Umgang mit den Opel-Managern vorsichtig sein und die finanzielle Unterstützung für Opel verweigern. „Andernfalls bringen sie ein teures Subventionskarussell in Gang, das keinen Arbeitsplatz sicherer machen würde. Was wollen die Politiker tun, wenn der US-Konzern in ein paar Monaten seine Job- und Bestandsgarantien mit der Begründung wieder einzieht, die Lage auf den Märkten habe sich verschlechtert? Sorry, man müsse nun doch Werke schließen. Dieses Szenario ist leider wahrscheinlich.“

Die Wirtschaftswoche verteidigt den Kurs von GM. Der Autobauer habe sich in den vergangenen Monaten in eine Position gebracht, die nur eines verdiene: Respekt. Dank des ausgefeilten Übernahmeangebots von Magna und der Festlegung der Bundesregierung und der betroffenen Ministerpräsidenten auf den kanadisch-östereichischen Zulieferer habe GM kostenlos ein viele Millionen Euro teures Konzept in die Hand bekommen, wie sich Kapazitäten bei Opel abbauen lassen. Zugleich habe Magna mit diesem Konzept GM die Zustimmung der Gewerkschaften zu tiefen Einschnitten bei Löhnen und Gehältern sowie die Bereitschaft der Bundeskanzlerin zu milliardenschweren Hilfen mitgeliefert. Schließlich habe sich GM mit dem Erhalt vorläufig sanierter Werke in der Autohochburg Deutschland alle Optionen offen gehalten. „Springt die Wirtschaft im größten Markt Europas an, verfügt GM über die erforderlichen Kapazitäten und steht mit erfolgversprechenden Modellen in den Startlöchern - Modelle, auf deren Grundlage auch Fahrzeuge für andere Märkte denkbar sind und die sich auch anderswo fertigen ließen.“ Stottere die Autokonjunktur, werde neu gerechnet.

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