Presseschau
Opel-Wende ist Ohrfeige für Deutschland

Die internationale Presse kommentiert das Festhalten von GM an Opel und erklärt die Motive des Autobauers aus Detroit. Die Financial Times Deutschland und der Business Spectator verteidigen Warren Buffets Mega-Investition im Eisenbahnsektor. Expansión beklagt Spaniens griesgrämige Wirtschaftspolitik. Fundstück: Wie Affen wirtschaften.
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Der Stimmungswandel von General Motors beim Opel-Verkauf stehe für das wachsende Selbstbewusstsein des Autobauers und die aggressive Führung des neuen Chefs Edward E. Whitacre, meint das Wall Street Journal. Der Vorsitzende habe seinen GM-Managern nahe gelegt, die Märkte des Unternehmens zu erweitern und nicht zu schrumpfen. Der Opel-Deal sei in der schwärzesten Stunde des Autobauers ausgeheckt worden, als das Unternehmen 50 Milliarden Dollar Staatshilfe benötigt habe. Nun gehöre das Unternehmen zu 60 Prozent dem Staat, sei nach der Insolvenz schuldenfrei, und die Autoverkäufe zögen wieder an. Außerdem sei Opel der Schlüssellieferant von GM für neue Automodelle. „Der Schritt von GM birgt Chancen und Risiken für die Eigentümer – den amerikanischen Steuerzahler“, analysiert das Blatt. Opel zu behalten, könnte weitere staatliche Finanzspritzen erforderlich machen. Falls GM jedoch schaffe, das Europageschäft zu retten, könnte das Unternehmen profitabler werden. „Das nächste Problem für GM ist der Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vom deutschen Staat an Opel, der am 30.November ausläuft“, erinnert das Blatt. Noch sei unklar, ob Kanzlerin Angela Merkel während ihres USA-Besuchs davon gewusst habe und wie Deutschland auf die Wendung reagiere.

General Motors behalte zwar ein strategisches Stück seines globalen Imperiums, allerdings werde es nun ein Unternehmen in Ordnung bringen müssen, das drei Milliarden Euro für die Umstrukturierung benötige, schreibt BusinessWeek mit gemischten Gefühlen. GM sei durch die deutsche Regierung praktisch gezwungen worden, dem Deal mit Magna zuzustimmen. Der Verwaltungsrat von GM habe vor allem wegen Opels Status als Entwicklungsschmiede für Klein- und Mittelklassewagen für das Detroiter Unternehmen ein Problem mit dem Verkauf gehabt. „Das strategische Gewicht von Opel überwiegt die Kosten“, zitiert das Blatt eine Person, die bei der entscheidenden Sitzung bei GM anwesend war. Außerdem habe sich die Finanzlage des Unternehmens deutlich verbessert, sodass GM die Milliardenverluste aus dem Europageschäft besser wegstecken könne.

„GM tut das Richtige“, titelt das Wirtschaftsblog „Randomly Noted“ von Dow Jones Newswire . Die unerwartete Wandlung des Verwaltungsrates sei eine Ohrfeige für deutsche Politiker und Gewerkschaftsführer, die allesamt einen Verkauf an Magna befürwortet hätten. Ein Verkauf von Opel hätte die Möglichkeiten von GM auf Jahre hinaus eingeschränkt. „Doch was hat sich seit der letzten Entscheidung geändert“, fragt das Blog. Erstens habe „die deutsche Subvention“ für Magna die Wettbewerbskommissarin der EU Neelie Kroes dazu angeregt, einen genaueren Blick auf den Deal zu werfen. Zweitens habe die zusätzliche Zeit den GM-Verantwortlichen eine Möglichkeit gegeben, eine Bilanz zu ziehen. „Sie sahen einen erstarkenden Autobauer, sie haben wieder Zuversicht in das Unternehmen gewonnen – und, voila!, Opel bleibt in der GM-Familie“, resümiert das Blatt.

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