Presseschau
Peking fährt schwerere Geschütze auf

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Motive zur Leitzins-Erhöhung in China. Die New York Times beschäftigt sich mit der möglichen Übernahme von Facebook durch Apple, während die Business Times aus Singapur das Erfolgsrezept von Steve Jobs sucht. Cinco Dias sieht Licht am Ende des Luxus- Tunnels. Fundstück: Spaniens schwacher WM-Effekt.
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Die chinesische Notenbank hat überraschend erstmals seit drei Jahren die Leitzinsen erhöht. Die Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte trete am Mittwoch in Kraft, teilte die Notenbank mit. Dax, Euro und Ölpreis sackten im Anschluss an die Meldung ab.

Die britische Financial Times geht nicht davon aus, dass die Zentralbank im Kampf gegen die Inflation zusätzlich die eigene Währung aufwerten werde. Es wäre untypisch für die People?s Bank, eine "Straffung" durch mehrere politische Instrumente parallel vorzunehmen. Gleichwohl halte die Mehrheit der Marktakteure die Aufwertung des Yuan zum Dollar seit der Flexibilisierung der Währung Ende Juni 2010 um 2,6 Prozent für unzureichend. Fazit der FT: Sollte das vergleichsweise schwere Geschütz der Leitzinserhöhung implizieren, dass der Wechselkurs beibehalten werde, dann könnte China die "Gemüter" im eigenen Land abkühlen, im Ausland jedoch erhitzen.

Das Wall Street Journal glaubt, dass der Schritt der chinesischen Zentralbank weniger als Reaktion auf die Inflationsentwicklung zu verstehen ist, sondern als Versuch, mehr ausländische Investoren ins Land zu holen. In den meisten Ländern lockten höhere Leitzinsen automatisch die ausländischen Investoren an, die höhere Gewinne erhofften. Die "Cash-Flut" im eigenen Land stärke wiederum die Währung - was in China jedoch durch die Geschlossenheit der Wirtschaft beschränkt werde - und bremse das erhitzte Wirtschaftswachstum ab. Dennoch, nach Einschätzung von Nicholas Lardy, China-Spezialist beim Think-Tank Peterson Institute for International Economics in Washington, werde es für die Chinesen jetzt noch schwieriger, die Yuan-Aufwertung zu verhindern.

Die Financial Times Deutschland berichtet über "exklusive Berechnungen" des Münchner Ifo-Instituts für die eigene Zeitung, nach denen China schon 2011 zum nach Frankreich zweitgrößten Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft aufsteigen könnte - damit würde das Land Handelspartner wie die USA, Großbritannien und die Niederlande überholen. In der Rangliste der wichtigsten Exportmärkte der Welt könnte China einen Satz um fünf Plätze nach vorn machen. Nach Einschätzung von Experten sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis China größtes Exportziel für deutsche Waren ist - bereits heute sei die Volksrepublik wichtigster Beschaffungsmarkt. Die Verschiebung der Export-Gewcihte sähen Experten mit gemischten Gefühlen: Einerseits koppele sich die deutsche Wirtschaft zwar ein wenig von den USA ab, andererseits warnten Fachleute bereits vor einer zu großen Abhängigkeit von China.

Cashkurs, das Portal des Aktienexperten Dirk Müller, widmet sich dem Engagement der Chinesen am griechischen Anlagemarkt. Die vermeintlich uneigennützige Hilfe der Chinesen basiere auf handfesten Gegenleistungen: Die Investmentrisiken seien überschaubar, außerdem erhalte Peking Zugang zu den griechischen Handelsrouten. "Griechenland wird so die neue starke Plattform für chinesische Exporte in den Süden und Osten Europas. Auch auf diese Art kann man seine gewaltigen Devisenreserven nutzen." Fazit: Chinas neue und intensive Freundschaft zu Griechenland sei die Folge "einer wenig sozialromantischen Chance-Risiko-Analyse. Wenn die Rendite stimmt, ist auch für Freundschaft Platz."

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