Presseschau
Peking muss Nordkorea unter Druck setzen

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die wirtschaftlichen Auswirkungen des Korea-Konflikts und sieht China in der Pflicht, Druck auf Pjöngjang auszuüben. Das Wall Street Journal berichtet von der US-Großjagd auf Insiderhändler. Bloomberg zeichnet ein düsteres Bild für die chinesische Wirtschaft. Fundstück: Die Drifters aus Düsseldorf.
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"Wenn es irgendetwas gibt, das wir über das Regime von Kim Jong Il wissen, dann das, dass wir sehr wenig darüber wissen", schreibt der Wirtschaftsdienst Bloomberg . So sei etwa unklar, ob Kim die Angriffe gebilligt hat, durch die zwei Soldaten getötet und Hunderte Häuser zerstört worden seien. Mit Sicherheit sei der Angriff ein Rückschlag für die boomende südkoreanische Wirtschaft, mit Auswirkungen auf das Kredit-Rating des Landes. Besonders der chinesische Staatschef Hu Jintao stehe jetzt unter Handlungsdruck - China verfüge wegen der finanziellen Abhängigkeit Nordkoreas über die Mittel, um das Land an eine kürzere Leine zu nehmen. Doch der Zeitpunkt dafür sei für Hu denkbar schlecht. Die Regierung habe Mühe, die überhitzende Wirtschaft auf Kurs zu halten. Sie müsse das Wachstum bremsen, gleichzeitig aber dafür sorgen, dass dies nicht die geforderten Gehaltserhöhungen von hunderten Millionen Chinesen gefährdet.

Auch die britische Financial Times fordert besonders von China, auf Nordkorea einzuwirken. Das Land teile einen 900 Kilometer lange Grenze mit Nordkorea und sei insofern über den Puffer zwischen sich selbst und den US-Truppen in Südkorea erfreut - weshalb Peking bislang den Kollaps des Regimes mehr gefürchtet habe als die "nukleare Wucherung". Doch jetzt dürfe sich China nicht vor der Verantwortung drücken. Das Land habe einen großen Einfluss auf das Regime, weil Nordkorea hochgradig von chinesischen Waren abhängig sei. Zwar habe sich Peking den internationalen Wirtschaftssanktionen angeschlossen, dennoch erreiche der Handel mit Pjöngjang ein Volumen von 2,8 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das Wirtschaftsblatt aus Österreich widmet sich den ökonomischen Implikationen der Korea-Krise. Da "Rätsel" auf den Märkten ungefähr so beliebt seien wie Hunger, Krieg, Pestilenz und Tod, sei es kaum verwunderlich, dass die fernöstlichen Märkte gestern nach unten und der Schweizer Franken nach oben geprügelt worden sei. "Eine Aversion gegen Rätsel kann schlimmstenfalls zum Selbstbetrug führen. Nicht kalkulierbare Risken werden dann ganz einfach ausgeblendet." In dieser Welt voller Rätsel gebe es jedoch Gewissheiten wie die des US-Ökonoms Herbert Stein. Das "Steinsche Gesetz" laute: "Wenn etwas nicht ewig andauern kann, wird es eines Tages zu Ende sein." Dies gelte für Spekulationsblasen ebenso wie für das Steinzeit-Regime in Pjöngjang.

Die Financial Times Deutschland meint, dass trotz der berechtigten Sicherheitsinteressen Chinas - in Südkorea seien fast 30.000 US-Soldaten stationiert - ein vernünftiger Dialog mit den USA möglich sein müsste. "Nach den jüngsten Konfrontationen über Währungswettstreit, Handelsfragen oder Hackerangriffe könnten alte und neue Supermacht zeigen, dass sie noch zur Kooperation in der Lage sind." Mit einem schärferen Ton gegenüber Nordkorea würde Peking außerdem nicht gegen die eigene außenpolitische Ideologie der gegenseitigen Nichtaggression verstoßen.

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