Presseschau
Pfändungen am Fließband

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den Skandal um Zwangsvollstreckungsmaßnahmen von US-Banken. Expansión sieht die spanischen Stromkonzerne auf Kriegsfuß mit ihrer Regierung. Ist Emirates größenwahnsinnig, fragt La Tribune nach der Bestellung von 90 weiteren A380-Flugzeugen. Fundstück: Comeback des Three-Martini Lunch.
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In den USA wird weiterhin heftig über die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen von Banken diskutiert, nachdem Mitarbeiter von GMAC und JP Morgan Chase zugegeben hatten, entsprechende Anweisungen ungesehen unterschrieben zu haben. Die Generalstaatsanwälte aller 50 US-Bundesstaaten haben sich zusammengeschlossen, um dem Hypotheken-Skandal auf den Grund zu gehen. Auch Anwaltskanzleien sind auf die Fälle aufmerksam geworden und prüfen Sammelklagen.

Nach der Analyse der New York Times reicht der Skandal um illegale Pfändungen weit zurück, weshalb die öffentliche Diskussion darüber aktuell kaum eine Überraschung für Industrie-Insider oder Regierungsvertreter sein dürfte. Die Wurzel des Übels liege in den Boom-Jahren, als die Immobilienpreise gestiegen seien und die Banken viel Geld auf verdient hätten, ohne jedoch dem Kunden-Service rund um das Immobiliengeschäft viel Aufmerksamkeit zu widmen. Selbst als die Immobilienblase zu platzen begonnen habe und Regulierer gewarnt hätten, habe sich an der Praxis nicht viel geändert - zu wenig Personal und veraltete Technik. Heute seien die Banken zu schlecht ausgestattet, um den Pfändungs-Prozess adäquat zu managen.

Reuters kommentiert einen Fernseh-Auftritt von Timothy Geithner auf, bei dem der US-Finanzminister vor einem flächendeckenden Moratorium gewarnt habe. Begründung: Dies führte dazu, dass die Häuser in der Nachbarschaft noch länger leer stünden. "Geithner hat recht mit dem Argument, dass leere Häuser schlecht für den Markt sind, aber er scheint zu glauben, dass ein Pfändungs-Moratorium zu den leeren Häusern führen würde. Haben nicht die Zwangsvollstreckungen dazu geführt?" Inzwischen hat das Finanzministerium mit einem Kommentar zur Kolumne reagiert. Demnach stehen mindestens 40 Prozent der Immobilien unter Zwangsvollstreckung leer. "Die Übertragung und den Verkauf der Häuser zu verzögern, hat verheerende Folgen für den Wert der Immobilien in der Nachbarschaft und erhöht die Nachfrage nach Kommunalservices."

Die britische Financial Times greift die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen von Wells Fargo, dem zweitgrößten Hypothekendienstleister in den USA auf, die, anders als bei der Bank of America, JP Morgan Chase oder GMAC, in den vergangenen Wochen nicht gestoppt worden seien. Die FT berichtet über einen "Loan Documentation Officer", der für die Bank bis zu 500 Pfändungsdokumente pro Tag unterzeichnet habe. Dabei sei es nur möglich gewesen, die Namen der betroffenen Personen zu überprüfen. Die Mitarbeiterin sei davon ausgegangen, dass vorab externe Anwälte die Rechtmäßigkeit der Pfändungen untersucht hätten. Reaktion der Banken: Die Probleme seien nur prozesstechnischer Natur und hätten nicht zu unrechtmäßigen Pfändungen geführt.

Forbes zitiert Ökonomen, die vor einem Moratorium für alle Zwangsversteigerungen warnen. Dies drohe die Erholung auf dem Immobilienmarkt auszubremsen. "Das ist ein großes Problem, da es inzwischen Leute gab, die bereit waren, gepfändete Häuser zu kaufen", zitiert das Blatt John Mulville, einen auf Immobilien spezialisierten Ökonomen. "Jetzt gibt es eine Wolke des Zweifels hinsichtlich dieser Immobilien." Auch auf dem Markt der hypothekenbesicherten Anleihen drohe eine Krise, da die Dokumente zu den einzelnen Immobilien lückenhaft seien. "Das erinnert mich an die Subprime-Krise, als es eine lange Zeit gedauert hat, bis die Leute erkannt haben, was hier eigentlich passiert."

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  • Die USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten !
    Hier noch ein passender link:
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/ellen-brown/zwangsvollstreckungsgate-und-obamas-indirektes-veto-.html

    irgendwie gab´s so was schon mal vor langer Zeit in germany.Zu lange zurück als daß sich jemand erinnern könnte.
    Die Raiffeisenkassen wurden deshalb gegründet und die gibt es heute noch.

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