Presseschau: Profumo scheitert in der Schlangengrube

Presseschau
Profumo scheitert in der Schlangengrube

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Rücktritt von Unicredit-Chef Alessandro Profumo, der an seiner Expansionspolitik und im Clinch mit dem Verwaltungsrat gescheitert sei. Fortune und La Tribune hinterfragen den möglichen Einstieg des chinesischen Autobauers SAIC bei General Motors. Fundstück: Dear Mr. Fuld...
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Für die Financial Times Deutschland ist der Rücktritt von Unicredit-Chef Alessandro Profumo nicht allein die Folge der Tatsache, dass sich die Libyer zum größten Aktionär bei Unicredit aufgeschwungen haben - deren Einfluss auf das Institut fürchte kaum jemand ernsthaft. Stattdessen werde Profumo die Unabhängigkeit zum Verhängnis, die er sich in den vergangenen Jahren erarbeitet habe: Unabhängigkeit von der Politik und Unabhängigkeit im eigenen Unternehmen. Der Banker habe versucht, den Einfluss italienischer Bankstiftungen auf die Bank zu mindern. "Mit mehr politischem Gespür hätte Profumo die Eskalation verhindern können. Er hätte den Stiftungen zeigen müssen, dass er sie ernst nimmt. Er hätte sie über die Pläne der Libyer informieren können, den Anteil an Unicredit aufzustocken", schreibt die FTD.

Der Wirtschaftsdienst Bloomberg führt den Niedergang von Profumo auf den Expansionskurs zurück, den das Institut zu Italiens europäischster Bank gemacht habe. Nach mehreren Übernahmen sei der Bank das Geld ausgegangen, als die Finanzkrise eingeschlagen sei - was Profumo gezwungen habe, entgegen früherer Vorhersagen zwei Mal innerhalb von 18 Monaten die Investoren um Geld zu bitten. Nachdem der Wert der Unicredit-Aktie innerhalb der ersten beiden Jahre unter der Profumo-Regie vervierfacht worden sei, habe das Papier seit dem Höhepunkt im April 2007 70 Prozent an Wert verloren - während der ebenfalls expandierende spanische Rivale Santander nur 30 Prozent eingebüßt habe.

Nach Informationen des Wall Street Journal hat Profumo wiederholt dem Verwaltungsrat wichtige Informationen vorenthalten - zuletzt habe er Verwaltungsratschef Dieter Rampl nicht über das anstehende Engagement libyscher Investoren informiert, was den Ausschlag für Profumos Abschied gegeben habe. Hinzu komme, dass Profumo die Bank zwar in einen "globalen Giganten" verwandelt, dabei aber viel Shareholder-Value zerstört habe. "Da Zusammenschlüsse und Übernahmen jetzt nicht mehr auf der Agenda stehen, ist der Deal-Maker Profumo vielleicht nicht mehr der Richtige, um die Bank zu führen", mutmaßt das Blatt. Und schließt mit der Bemerkung, dass es schwierig werden dürfte, einen Nachfolger zu finden, der bereit sei, in die "Schlangengrube" der Verwaltungsratspolitik zu steigen.

Die britische Financial Times schreibt, Profumo habe sich zu viele Feinde gemacht, weshalb die Investoren am Ende von seiner Arroganz und seiner Unzuverlässigkeit genug gehabt hätten. Riskant sei seinerzeit besonders die Übernahme der deutschen HypoVereinsbank gewesen, die kein anderer Wettbewerber gewagt hätte - Investoren hätten damals besonders das Engagement der Deutschen in Zentral- und Osteuropa gefürchtet. "Das Erbe von Profumo hätte darin bestehen können, das italienische Banking transformiert zu haben. Stattdessen besteht es jetzt darin, dabei gescheitert zu sein, ein solides Gebäude zu errichten.

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