Presseschau „Retten, was nicht zu retten ist“

Internationale Wirtschaftsmedien streiten über die künftige Rolle der EZB-Banker. Kauft mehr Staatsanleihen, fordern die einen und verweisen auf die Federal Reserve. Gebt nicht eure Prinzipien auf, warnen die anderen.
  • Maxim Kireev
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Viele glauben an die Europäische Zentralbank als mögliche Retterin des Euros und der Währungsunion. Quelle: dpa

Viele glauben an die Europäische Zentralbank als mögliche Retterin des Euros und der Währungsunion.

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Düsseldorf„Nun ist es soweit: Italien, die siebtgrößte Wirtschaft der Welt, ist in Gefahr“, stellt Les Echos aus Frankreich nüchtern fest. Rigide Sparmaßnahmen, die bisherigen Interventionen der EZB, der EU-Rettungsschirm - sie hätten letztlich nur einer Illusion gedient. „Wir müssen zugeben, dass wir die ganze Zeit das Problem nur aufgeschoben haben und die letzte Rechnung nun umso höher ausfällt.“ Die Eurozone müsse sich endlich den existenziellen Fragen stellen: Warum zum Beispiel müsse Großbritannien, obwohl sein Haushalt auch schlecht da stehe, nur 2,2 Prozent auf seine Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit zahlen, Italien aber 7,4 Prozent? An der Wahrnehmung der beiden Staaten - hier das Neochurchill-Britannien, dort das frivole Italien - liege es nicht allein, sondern an der Nationalbank: „Die Bank of England ist Retterin in letzter Instanz, genauso wie die Fed in den USA.“ Die EZB müsse endlich auch diese Rolle übernehmen, fordert das Blatt. Es gebe keine Wahl, denn wenn Italien kollabiere, werde der Euro nicht überleben.

Auch das österreichische Wirtschaftsblatt glaubt an die Europäische Zentralbank als mögliche Retterin des Euros und der Währungsunion. Dafür müsse EZB-Chef Mario Draghi bereit sein, Staatsanleihen unbegrenzt und wenn nötig mithilfe der Notenpresse aufzukaufen. „Allein das Bekenntnis könnte ausreichen, um die Finanzierung für die Peripherie zu erleichtern – ohne auch nur mit einem Euro zu intervenieren“, meint das Blatt. Der unbegrenzte Kauf von Staatsanleihen müsse nicht zwingend zur Inflation führen. Dem könne die EZB durch den Verkauf anderer Staatsanleihen oder der Emission eigener Bonds entgegenwirken. Auch das aktuelle Geldmengenwachstum sei in den vergangenen Jahren konjunkturbedingt geringer ausgefallen, als mit dem Ziel der Preisstabilität noch vereinbar wäre. Bleibe nur die Frage ob Draghi zum Handeln bereit sei. „Er ist Italiener, die Optik entsprechend schief“, kommentiert das Blatt. Außerdem werde er über kurz oder lang nicht ohne die Zustimmung Deutschlands auskommen.

Die Erfahrung der Schweizerischen Nationalbank mit der Bindung des Franken an den Euro zeige, dass eine unbegrenzte Intervention die Märkte durchaus stabilisieren könne und nicht so teuer wie befürchtet ausfallen müsse, schreibt das US-amerikanische Wall Street Journal. Wenn die EZB beispielsweise den Zinssatz für italienische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf fünf Prozent begrenzen würde, könnte sie zwar anfänglich mit Verkäufen konfrontiert werden – Investoren würde die Chance zum Ausstieg nutzen, während andere die Zusage der EZB testen würden. Sollte sich die EZB jedoch als glaubwürdig erweisen, könnten einige Investoren mit den relativ hohen Zinsen zum Kaufen bewegt werden. Ein Handeln der EZB würde jedoch nicht nur politische Unterstützung voraussetzen, sondern auch weiteres politisches Handeln. Die Regierungen der Euro-Zone müssten weitere Schritte in Richtung einer gemeinsamen Anleihe unternehmen, was neue fiskalische Regeln und einen Souveränitätstransfer voraussetzen würde. Eine Entwicklung, die die nördliche Euro-Länder laut abgelehnt hätten.

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11 Kommentare zu "Presseschau: „Retten, was nicht zu retten ist“"

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  • „Wenn Ihr so eine Währungsunion wollt, dann ohne uns“. Ja, schön wäre diese Entscheidung.

    Bereits xmal wurde hier völlig zurecht betont, dass das deutsche Wahlvolk offenbar zu dämlich ist, die aktuelle Gefahrenlage und Tragweite der politischen Fehlentscheidungen zu begreifen. Da waren wir, wenn auch unter anderen Vorzeichen, schon einmal vor 80 Jahren.... mit fatalen Folgen. Wie ist denn zu erklären, dass im jüngsten ZDF-Politbarometer über 50% der Deutschen mit Muttis Arbeit in der Krisenbewältigung "zufrieden" sind? Erkennen diese Leute denn nicht, dass das Ding nicht mehr zu drehen ist? Das Erwachen in D wirds böse werden! Bald!

  • Absolut korrekt. Krieg sollte der Liste noch hinzugefügt werden.

    Es hat in der bisherigen westlichen Welt noch niemals ein Land seine Schulden abbezahlt. Es wird hier nur das Unvermeidliche möglichst weit hinausgezögert, weil keiner die Wahrheit anerkennen will, warum auch immer - Gründe gibt es dafür genug. In unserem Finanzsystem muss sich immer iregndeiner Verschulden, wenn ein anderer spart, um das zu finanzieren.

    Die Ratschläge der AMis würde ich auch mal ganz vorsichtig betrachten. Ihr einziges Interesse ist, dass die EU möglichst stabil bleibt, koste es was es wolle, damit sie nicht mit in den STrudel gezogen werden.

    Die EWU ist jetzt mit Italien am Scheideweg angekommen und zum Glück hat es Deutschland in der Hand, welche Richtung es nehmen wird.

    Tja so ist das, wenn man als Politiker immer meint, schlauer als viele ausgewiesene Fachleute zu sein und eine politisch gewollte Europaideologie über die wahrhaften Möglichkeiten stülpt. So viele haben vor diesem Vorhaben Euro in dieser Form und so schnell gewarnt. Wer nicht hören will muss fühlen.

    Aber es sind und bleiben zwei Probleme die jetzt zusammentreffen: 1. Fehlerhaftes Eurokonstrukt, 2. Unvermeidliche Schuldenspirale aufgrund des Finanzsystems.

  • Ja!

  • Die überschuldeten EU-Südstaaten sind dabei, die EU in ihrem Interesse umzubauen. Als reine Transferunion, ohne gesetzliche oder politische Möglichkeit der Einflussnahme. Die EZB haben sie schon mehrheitlich übernommen. Hier hilft nur eine Zurücknahme der Zahlungen und der Garantien. Und unter interessierten Staaten eine neue Wirtschaftsunion mit Legitimierung durch die Völker neu aufzusetzen.

  • Bei einem Schuldenschnitt werden diejenigen zur Kasse gebeten, die sich mit den Staatsanleihen verzockt haben, darunter viele franz. Banken, und die Amerikaner mit ihren Ausfallversicherungen.

    Bei einer Währungsreform und hoher Inflation müssen ALLE bluten, auch der Kleinsparer, der sich in Deutschland mit seinem seit Jahrzehnten eingefrorenem Gehalt ein kleines Sümmchen angespart hat. Und bei einer Inflation werden UNSERE Löhen weiter sinken!!!! Das muss jedem klar sein.

    Ich bin dafür, dass die Banken Abschreibungen vornehmen, auf Griechenbonds oder Italo-Bonds.

    Italien ist noch ein Spezialfall. Viele Italo-Bonds sind bei innländischen Investoren angelegt, so dass Abschreibungen auf diese Bonds hauptsächlich die italienischen Wählerschaft trifft und nicht die holländische oder deutsche (was auch fair ist). Aber wenn man versucht, ABschreibungen zu verhindern....dann kommen wir nie aus diesem Dilemma raus, das muss jedem klar sein.

  • „Wenn Ihr so eine Währungsunion wollt, dann ohne uns“.

    Würde Merkel diesen Ratschlag beherzigen währe es die klügste Amtshandlung in ihrer eigenen Geschichte!

    Der Euro ist am Ende -Also raus bevor die Inflation auch uns zurück in 1923 katapultiert!

  • Die einzige Rettung für Deutschland:
    Raus aus dem EURO!!!!!
    Das ist die einzige Rettung!!!!!!!

  • Man muss doch eindlcih mal aufhören darüber zu diskutieren, WER einen anderen Staat retten soll!!!! Warum müssen WIR Italien retten??? Italien hätte Kraft genug sich und den Euro zu retten. Und warum tut Italien nichts??? Klar, es ist unbequem. Ich würde auch lieber meine Pfründe behalten und andere die REchnung bezhallen lassen.

    Italien muss sich selbst und damit den Euro retten. Es gibt NIEMANDEN sonst, der Italien retten kann!!! Doch leider - ich war in Italien - ist davon ja nicht mal in der Presse die Rede. Das ist den Leuten sch........egal.

    Spanien hat gezeigt, dass man Reformen angegehen kann (die längst fälltig waren). Jetzt ist Italien an der Reihe.

    Ein "weiter so" wäre der Untergang, nicht kurzfristig, aber mittel- bis langfristig bestimmt!!! Je länger Länder wie Italien mit Reformen zaudern, umso teurer wird es für uns alle.

  • Wir brauchen eine "Bundebank" über der EZB - politisch unabhängig und der Preisstabilität verpflichtet. Die Postenbesetzung darf politisch nicht "verschachert" werden.

    Das bisherige Modell ist gescheitert.

  • Sollten wir uns bei dem von LesEchos gemachten Vergleich zwischen GBP und € Zinsniveau für Staatsanleihen nicht abermals über den ökonomischen Sachverstand wundern? Der GBP Geld und Kapitalmarkt ist eben kurzfristig organisiert, die Immobiliendarlehen daher mit hohen Restwerten belastet und die Investitionen im Allgemeinen nicht fristenkongruent ausfinanzieret. Der Kontinet tickt anders, aber die Kommentatoren möchten anscheinend die Geld- & Kapitalmärkte mindestens ebenso volatil machen, wie es die Aktienmärkte schon sind. Neue, ungeahnte Geschäftsmöglichkeiten im kurzfristigen Bereich, schnellere Blasenbildung und erhöhte Effizienz; jedenfalls gute Gelegenheiten für Investmentbanker! Soll Kontinental/Kern/EURO-Europa mit von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen losgelösten Finanzierungsmärkten auch zum britischen, industrielosen Wirtschaftsmodell wechseln? Die Inselbewohner würden von der kontinentaleuropischen Situation träumen, wäre es ihnen nicht über lange Jahre wegen des hohen GBP verunmöglicht worden, sich auf dem Kontinent eine eigene Meinung zu bilden und das eigene Wirtschaftsmodell kritisch zu hinterfragen.

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