Presseschau
Riskante Allianz gegen Google

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt an einer möglichen Allianz von Zeitungsverlegern und Microsoft gegen Googles Nachrichtensuche. Die Financial Times Deutschland sing ein Loblied auf den scheidenden MAN-Chef Håkan Samuelsson. Cinco Dias macht tiefe Risse im Innersten des Ölkonzerns Repsol aus. Fundstück: Der Kult der Zockerei.
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Rupert Murdochs News Corporation, der unter anderem das Wall Street Journal gehört, wolle von den Suchmaschinen Geld für seine Inhalte sehen und könnte sich mit Microsoft gegen Marktführer Google verbünden, fasst das Wirtschaftsmagazin Fortune die mögliche neue Machtkonstellation im Internet zusammen. Dabei werde Microsoft künftig Murdoch bezahlen, damit dessen Inhalte nicht bei Google, sondern bei der eigenen Suchmaschine Bing auftauchten. „Der Plan könnte nur funktionieren, falls Murdoch andere Verleger mit ins Boot holen kann“, kommentiert das Blatt. Das Problem sei, dass selbst Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing der News Corporation nicht viel zahlen könne. „Je mehr Anbieter ihre Inhalte exklusiv Microsoft anbieten, desto höher ist die Verhandlungsmasse gegenüber Google“, analysiert die Zeitung. Ein Versuch sei es jedenfalls Wert – einfach werde es aber nicht, Google auszubooten. „Google dominiert die Online-Suche zu etwa zwei Dritteln und liefert den Verlegern Millionen Klicks“.

Die britische Financial Times glaubt nicht, dass die Pressekonzerne gemeinsam mit Microsoft etwas gegen Google ausrichten könnten. Weil Googles Marktanteil bei der Online-Suche bei 70 Prozent liege, habe sich das Unternehmen an Online-Inhalten „bereichern“ können, ohne dafür zu bezahlen. Eine Allianz von Microsoft und News Corporation mache langfristig jedoch keinen Sinn. Die Softwareschmiede könne es sich nicht leisten, die Zeitungsindustrie zu finanzieren, und ihr Marktanteil sei zu gering, um Googles Verhalten zu beeinflussen. „Das grundlegende Problem für Medien ist der Übergang von Print zu Online. Nachrichtenaggregation durch Suchmaschinen ist ein Symptom dessen und nicht die Ursache der Medienkrise“, kommentiert die Zeitung. Es sei nicht die Schuld von Google, wenn Nutzer nicht für Inhalte zahlen wollen.

Rupert Murdoch versuche den Krieg zwischen Microsoft und Google auszunutzen, um seine Online-Inhalte zu Geld zu machen, analysiert der Business Spectator aus Australien. Eine Allianz mit Microsoft berge Vorteile aber auch Risiken für die Verleger: Diese machten sich von Microsofts Erfolg im Kampf gegen Google abhängig. „Im schlimmsten Fall bedeutet das für die Verleger schrumpfendes Online-Publikum und geringere Werbeeinnahmen“, erklärt das Blatt. Ob Microsoft genug bezahlen könne, um sie für die möglichen Kosten zu entschädigen, werde einer der wichtigsten Verhandlungspunkte sein. „Mit der Aussicht, ja sogar mit der Wahrscheinlichkeit, bald der Vergangenheit anzugehören, könnten die traditionellen Medien allerdings beschließen, dass die Risiken, Nutzer und Einnahmen zu verlieren, geringer sind als der Preis der Untätigkeit“, glaubt die Zeitung.

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