Presseschau
„Sarkozy ist auf ganzer Linie gescheitert“

Moody's Zweifel an der französischen Top-Bonität sind nach Einschätzung internationaler Medien berechtigt. Jetzt sei nicht nur die Wiederwahl Sarkozys gefährdet. Die gesamte Kalkulation der Euro-Hilfen stehe infrage.
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KölnDie französische Regierung muss nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's mit Reformen die Kreditwürdigkeit des Landes sichern. Sonst stehe die Top-Bonitätsnote „Aaa“ auf dem Spiel. Nun sei die Krise auch im Herzen der Eurozone angekommen, kommentiert die Börsen-Zeitung. „Eine Implosion der europäischen Währung mit unabsehbaren Folgen ist damit zumindest in den Bereich des Möglichen gerückt.“

Die Schuld ist nach Einschätzung des Blattes eindeutig dem als Reformer angetretenen, aber auf der ganzen Linie gescheiterten Präsidenten Nicolas Sarkozy zuzuschreiben. Dass Sarkozy ausgerechnet im Wahlkampf jetzt zu Reformen umschwenkt – erforderlich seien Einschränkungen in der Sozialversicherung, Einsparungen bei den Ausgaben und der Umbau des Arbeitsmarktes – sei unwahrscheinlich. Sollte Sarkozy aber weitermachen wie bisher, drohe nicht nur das Ende seiner Karriere, sondern auch das der Eurozone.

Würde das Toprating für französische Staatsanleihen fallen, wäre der Rettungsschirm EFSF „ziemlich durchlöchert“, schreibt die Financial Times Deutschland. Denn gerade die Spitzenbonität Frankreichs und Deutschlands garantiere den angeschlagenen Euro-Staaten breiten Schutz. Das Dilemma Frankreichs und somit der gesamten Eurozone erkennt das Blatt in einem Kreislauf: Eine Zwangskapitalisierung der Banken würde zu einer höheren Staatsverschuldung führen, was wiederum den Verlust von Frankreichs Triple A und schließlich die weitere Schwächung der Rettungsbemühungen für Griechenland und andere notleidende Euro-Staaten nach sich ziehen könnte.

Sollte Moody's Paris das Spitzenrating entziehen, wären die Folgen fatal für Europa, meint die Welt: „Die gesamte Kalkulation der Euro-Hilfen wäre hinfällig. Die ohnehin instabile Währungsunion käme vermutlich ins Rutschen.“ Vor diesem Hintergrund könne Sarkozy Sparmaßnahmen nicht umschiffen, trotz Wahlkampf. „Hat er diese Größe nicht, droht dem Euro das Ende.“

Die britische Financial Times sieht besonders auf der Achse Berlin-Paris neue Spannungen. Gerade in der Schuldenkrise habe sich das französische gaullistische System, das den Präsidenten zum mächtigsten Staatsführer aller westlichen Demokratien macht, bewährt. Während die deutsche Regierung für Unsicherheit auf den Märkten und in der Politik gesorgt habe, sei es Sarkozy gelungen, einer stabilen Politik zu folgen, die öffentliche Debatte über die Schuldenkrise zu dämpfen und Vertrauen zu säen.

Inzwischen tendiere Berlin dazu, mehr Macht auf die europäische Ebene zu verlagern, während Paris den Euro-Föderalismus weiterhin ablehne. Doch der nächste Präsident werde keine Wahl haben, als das Erbe der Fünften Republik aufzugeben, schließt die Financial Times.

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  • sie haben recht hier wurde ein komplott gegen den EURO geschmiedet schnlange vor der eurokrise

  • Dollar:Bin ganz Ihrer Meinung ,es ist aber auch eine Sache der Mentalitäten die noch grosse Prbleme bereiten wird.

  • Beharren Sie ruhig weiter auf Ihrer eigenen "Unwichtigkeit" in der Rolle des "Abwartenden", das verlängert das Fortbestehen der Verhälnisse!

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