Presseschau: „Selten wurde Kapital so nachhaltig vernichtet“

Presseschau
„Selten wurde Kapital so nachhaltig vernichtet“

Die internationale Wirtschaftspresse begrüßt den geplanten Verkauf des US-Geschäfts der Deutschen Telekom an AT&T, zieht jedoch eine nüchterne Bilanz zur T-Aktie. Guardian und Time-Magazine fragen nach den Kriegszielen in Libyen. Der Business Spectator geht von einem Wachstum nach der Japan-Katastrophe aus. Fundstück: Krieg der Bürowelten.
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Falls der Verkauf des Amerika-Geschäfts der Deutschen Telekom reibungslos über die Bühne gehe, könne der Konzern „seinen Alptraum in einen schlechten Schlaf“ verwandeln, schreibt die Wirtschaftsagentur Reuters. Auch wenn der 39 Milliarden Dollar schwere Verkauf an AT&T ein guter Deal sei, was der Aktiensprung der Telekom belege, werde man in Zukunft beim Gedanken an das US-Engagement zusammenzucken. Für den Markteintritt in Amerika habe die Telekom im Jahr 2000 rund 51 Milliarden Dollar gezahlt und den Anbieter Voicestream übernommen. Seitdem habe das Unternehmen rund acht Milliarden Dollar Gewinne vor Steuern verzeichnet. Nach der Zusammenlegung des UK-Geschäfts in ein Jointventure und Rückkäufen in Polen sei die Telekom in einer guten Verfassung. Nach dem Verkauf könne die Telekom nicht nur ihre Schulden senken, sondern verfüge auch über Geld für neue Investments.

Die Börsen-Zeitung nennt den Verkaufspreis für die US-Tochter der Telekom „überraschend hoch“. Zudem sei das Geschäft gut für die Bilanz des Unternehmens, die dadurch deutlich verkürzt würde. Anleger würde damit doppelt profitieren: zum einen durch die Aktienrückkäufe selbst und zum anderen durch die steigende Gesamtkapitalrendite nach Abschluss der Transaktion. „Letzteres sollte dem Kurs der T-Aktie über ein Tagesstrohfeuer hinaus zündende Impulse geben“, erwartet das Blatt. Der Kaufkurs liege deutlich über den Erwartungen der Analysten, was die Börde mit einem Plus von 11,3 Prozent honoriert habe. Ob sich der Weg der „bilanziellen Schrumpfkur“ für das künftige Wachstum des Unternehmens aber auszahle, müsse sich noch zeigen. Zwar gewinne die Telekom mehr Investitionsspielräume, um Wachstumsfelder wie mobiles Internet oder Cloud Computing voranzutreiben. „Aber dies tun andere Telekomkonzerne auch, ohne auf Präsenz in Wachstumsmärkten zu verzichten“, meint die Zeitung

„Viele Menschen würden sogar töten, nur um die gleichen Probleme wie René Obermann zu haben“, kommentiert die Financial Times. Der Chef der Deutschen Telekom, der auf eine Überweisung von AT&T warte, müsse 25 Milliarden Dollar richtig verteilen. Öffentlich sage das Unternehmen zwar, es wolle Schulden zurückzahlen und Aktien zurückkaufen, dies sage jedoch wenig darüber aus, was die Telekom wirklich wolle. Nach Abschluss des Deal werde die Schuldenlast der Telekom das 1,9-fache der Einnahmen vor Steuern und Abschreibungen betragen, deutlich unter der so genannten Komfort-Zone. Sollten nach der einjährigen Sperrfrist die restlichen acht Prozent Anteile an AT&T verkauft werden, hätte der Konzern schließlich 30 Milliarden Euro für Investitionen. Ein Teil des Geldes werde sicherlich in die Verbesserungen von Infrastruktur auf den Heimatmärkten in Deutschland und Europa fließen. Eine letzte Option sei ein größerer Aktienrückkauf. „39 Milliarden Dollar auszugeben, ist schwerer als man denkt“, resümiert das Blatt.

Die Süddeutsche Zeitung analysiert den „Run“ auf die Telekom-Aktien und kommt zu dem Schluss, dass die Papiere trotz starker Kursgewinne zu den „kläglichsten im DAX“ gehören. Im Vergleich zum Freitag habe die T-Aktie um mehr als 16 Prozent zugelegt, was einem Wertzuwachs für die Telekom von sieben Milliarden Euro, oder etwa dem Börsenwert der Lufthansa, entspreche. „Der Konzern wird mehr wert, weil er weniger macht“, stichelt das Blatt. Trotz des Kurssprungs sei die Aktie noch weit unter dem Ausgabepreis 1996, der bei umgerechnet 14,57 Euro gelegen habe. Die späteren Tranchen seien für mehr als 30 und später für mehr als 60 Euro verkauft worden. „Selten wurde Kapital so nachhaltig vernichtet“, kommentiert das Blatt. Zum Vergleich: Wer in Werte wie SAP, MAN oder BASF investiert habe, könne sich über Zuwächse von bis zu 300 Prozent freuen. Schlechter als die Telekom habe sich in den letzten 15 Jahren nur die mittlerweile verstaatliche Commerzbank entwickelt.

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  • Nix aufgeben, jetzt kommts zum Duell! Punkt Mitternacht an der alten Ulme an der Kirche. Mit Armbrust! Die Flach-und Einfach-Psychologie kannst Du dann getrost zu Hause lassen. Sie wird nicht mehr gebraucht.

  • Ich geb’s auf. Ist ja schließlich alles ganz einfach. Wenn man eine Dummheit macht, sind nur die anderen schuld, man kräht laut „Verbrecher“ und „Enteignung“, die Massenpsychologie ist auch noch schuld und natürlich die Wirtschaftsordnung – und man selbst “und zig-Tausende“ ist unmündig wie ein kleines Kind und suhlt sich in der selbsterwählten Opferrolle.

    Und schon ist das Weltbild wieder gerade gerückt.

    So einfach kann die Welt sein.

  • Was erzählst Du denn da? Wieso trage ich und zig-Tausende keine Verantwortung? Gerade wir tragen die Verantwortung! Müssen diese tragen, weil die Verantwortlichen sich, genauso wie Du, elegant und erfolgreich durch unsere Wirtschafts- und Gesetzesgegebenheiten durchmogeln. Mir fällt da nur ein, Hochmut kommt vor dem Fall!

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