Presseschau
Softwarekonzerne entmachten Handyhersteller

Aus Sicht der internationalen Wirtschaftspresse ist der Einstieg des Internetriesen Google bei Motorola der Auftakt weiterer Rochaden, bei denen traditionelle Handybauer wie Nokia allerdings keine Chance hätten.
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Selbst für ein solch ambitioniertes Unternehmen wie Google sei die Motorola-Übernahme ein riskanter Deal, kommentiert das Wall Street Journal. Der Konzern springe in einen Verdrängungswettbewerb mit niedrigen Margen. Der Wunsch, bei Motorola einzusteigen, zeige, wie sehr Google sein mobiles Betriebssystem Android schützen müsse, das mitten in einen wütenden Patentstreit mit Apple und Microsoft stecke. Der Suchmaschinenbetreiber übernehme mit Motorola Mobility auch 17.000 Patente, „eine ernstzunehmende, intellektuelle Waffe“. Mit den Patenten in der Hinterhand könnte Google versuchen, die Konkurrenten zu einer Einigung zu zwingen. Andererseits riskiere Google einen seiner wichtigsten Vorteile, die Unterstützung seitens mehrerer Handyhersteller. Samsung und HTC könnten etwa auf das Microsoft-Betriebssystem umschwenken.

Aus Sicht des Economist ist die Übernahme zunächst eine gute Nachricht für die Aktionäre von Motorola Mobility, deren Aktien seit März unter dem Ausgabepreis gehandelt worden seien. Googles Angebot liege 63 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der Internetriese bekomme dafür „eine Menge Munition“ in Form von intellektuellem Eigentum im gegenwärtigen Kampf der mobilen Betriebssysteme. Auch wenn Googles Android die Welt quasi im Sturm genommen habe, stehe es vor wachsenden Herausforderungen. Für die Handyhersteller werde es auf Grund von Patentklagen immer kostspieliger, Android zu benutzen. So habe HTC sich zu einer Zahlung von 5 Dollar pro Gerät an Microsoft bereit erklärt, um die Patente nutzen zu können. Für den gesamten Markt bedeute dies, dass die Unternehmen dem Modell Apple folgten und Hard- und Software integrierten. Es werde bereits spekuliert, dass Microsoft den Blackberry-Hersteller RIM übernehmen könnte.

Die Süddeutsche Zeitung sieht in dem Motorola-Zukauf vor allem einen Angriff auf Apple, dessen Übermacht der Google-Chef Larry Page schwächen wolle. Doch vor dem Kampf auf den Märkten müsse zunächst der in den Gerichtssälen gewonnen werde. „Hier hat Apple ein paar Vorteile“, schreibt das Blatt. Denn während an den eigenen Nutzungsrechten keine Zweifel bestünden, sei Google angreifbar. Apple verklage reihum Hersteller, die die Google-Plattform Android nutzten. Gegen HTC habe die US-Handelsbehörde entschieden, dass in zwei Fällen abgekupfert worden sei. Google seinerseits versuche, sich nun so viele Patente wie möglich zu sichern. So habe das Unternehmen erfolglos versucht, 6000 Nortel Networks-Patente zu erwerben und vor zwei Wochen 1000 IBM Lizenzen gekauft. „Google wird jedoch im Kampf der Imperien vermutlich noch einige Nachfragen vor Gericht bestehen müssen, ehe die eigenen Geräte die Apple-Bestseller vielleicht einmal überholen“, schreibt die SZ.

Für die Börsen-Zeitung ist nach der Mega-Übernahme eine Entwicklung an ihrem Ende angekommen: die Entmachtung der Mobiltelefonanbieter durch die Softwarekonzerne. Wenn Google von Wettbewerbern im Smartphone-Markt spreche, habe er nicht mehr Nokia auf dem Radar, sondern Apple und Microsoft. Dass die Aktien von Nokia und RIM am Montag in die Höhe geschnellt seien, sei indes kein Anzeichen für wiederkehrendes Vertrauen. Vielmehr werde nun spekuliert, dass etwa Microsoft – das eine Allianz mit den Finnen geschmiedet habe – den Konzern gleich übernehme, um die Entwicklung neuer Geräte zu beschleunigen. Auch RIM gelte als Übernahmekandidat. Die Krone im Smartphonemarkt würden die Softwarehersteller nun unter sich ausmachen. „Hardwarehersteller wie Nokia sind spätestens seit gestern Freiwild“, analysiert das Blatt.

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  • Lance Armstrong hat an seinem linken Bein statt einer Kniekehle eine vollentwickelte Vagina mit Haaransatz!

  • Ich bin dafür, dass jeder Deutsche mind. ein Nashorn kriegt! Ist doch viel besser als diese läppischen Hartz-4-Erhöhungen und letztendlich bleibt es doch jedem selbst überlassen, ob man es nun isst oder nicht. Das Horn absäbeln ist ja kein Ding. Aber nö, Kinderarmut ist ja besser. Na dann gute Nacht Heimat!

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