Presseschau
Spaniens explosives Gemisch

Die Krise auf der Iberischen Halbinsel droht zu eskalieren. Nach Einschätzung internationaler Medien naht der Punkt einer Entscheidung. Experten erwarten für die Eurozone ein „verlorenes Jahrzehnt“.
  • 9

Nach Angaben der spanischen Notenbank stieg der Anteil der faulen Kredite im Februar im Februar auf über acht Prozent des gesamten Kreditvolumens. Das ist der höchste Wert seit 1994; im Jahresvergleich legten die Kredite, die nicht bedient werden,  um 110 Prozent zu (Welt, WSJ D).

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung haben sich eine Reihe von Regierungen – darunter Spanien – und EZB-Vertreter für die Vergabe von Krediten aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF direkt an kriselnde Banken (statt nur an die Regierungen) ausgesprochen.

Im Spiegel zeigt sich Wolfgang Münchau besorgt, weil sich einige große Investitionsgesellschaften aus dem Euro-Raum verabschieden – Investoren hätten allein in Spanien innerhalb von zwei Jahren mehr als hundert Milliarden Euro abgezogen. Die Flucht der Investoren bringe uns näher an den Punkt, den Kanzlerin Angela Merkel vor sich herschiebe - den Punkt einer Entscheidung. Der Rückzug könnte die Politik letztendlich zur Einführung von Euro-Bonds oder zur Einrichtung einer Auffanggesellschaft für marode Banken treiben.

In Spanien habe sich inzwischen ein so explosives Gemisch entwickelt, schreibt die Zeit, dass ein Schuldenschnitt und damit eine neue europäische Bankenkrise beinahe programmiert seien. Als Ausweg hat der Autor eine Haftungsgemeinschaft vor Augen, die bindende staatliche Haushaltsregeln erfordere. 

Nach Einschätzung von Bloomberg sind ein Teil der aktuelle wirtschaftlichen Sorgen Spaniens in der Zeit der Franco-Diktatur verwurzelt, darunter das Arbeitsrecht.

Martin Halusa, Chef bei der Privat-Equity-Firma Apax Partners, blickt nach einem Bericht der New York Times in eine düstere Zukunft des alten Kontinents. Europa drohe ähnlich wie seinerzeit Japan eine lange Phase langsamen Wachstums.

Kommentare zu " Presseschau: Spaniens explosives Gemisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @gdopamin: "Das Einzige was boomte, war die Bauwirtschaft. Und die hat den Bedarf für die nächsten zehn Jahre schon mal „vorgebaut“."
    Ich muss Sie leider korrigieren, die Situation ist noch heftiger: Lt. Aussage meines Kollegen in Spanien - er bezog sich auf einen Artikel in einer spanischen Wirtschaftszeitung - gibt es dort einen derartige Überkapazität an Wohn- wie auch Gewerbeimmobilien, die zumindest rein rechnerisch bis ins Jahr 2030 (oder war's sogar 2035?) reicht.

    Ursache für diese Entwicklung war u.a., dass die Kommunen und Städte einen Großteil ihrer Steuereinnahmen aus dem Baugeschäft erzielt haben. Die Kommunen dort sind so klamm bis pleite dass es schon Fälle gegeben hat in den letzten Monaten, wo Angestellte der Stadt/Kommunen ein oder zwei Monate kein Gehalt erhalten haben...

    Entsprechend schlecht ist natürlich auch das Zahlungsverhalten an Lieferanten: Im Durchschnitt zahlen Städte/Kommunen/Länder erst nach rund 600 Tagen (in Worten sechshundert). Man schätzt das rund die Hälfte der über 400.000 Firmenpleiten in Spanien in den letzten drei Jahren dadurch verursacht wurden.

    Interessant finde ich, dass man solche Fakten weder hier im HB noch sonst wo in der deutschen Presse liest (zumindest ich bin noch nicht darüber gestolpert) - Denn mögen die Reformierungs- und Sparbemühungen der jetztigen spanischen Regierung schon mal besser als die der letzten sein: an der grundsätzlichen Problemkonstellation ändert das erst mal nichts.

  • Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Den Deutschen geht es anscheinend immer noch zu gut. Wir sind ein Volk der Duckmäusser. Ich beweundere die Menschen, die den arabischen Frühling b egonnen haben. Chapeau! Hierzulande anscheinend nicht möglich! Wäre an der Zeit, dass sich die Mentalität hierzulande grundlegend ändert.

  • H. Gerhardt/FDP, wurde gerade vorgestern gefragt, ob er für den ESM stimmen wird - Antwort ja, da alternativlos. Aber ansonsten hat er so getan, als ob seine kleine Partei nie an der Regierung mitgewirkt hat. Alle Fehler kam von den C-Parteien bzw. rot/grün. So ist die Politik hier.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%