Presseschau
Spaniens neuer Krisenmanager

Die internationale Presse sieht die Gründe für das Wahlergebnis in Spanien in der EU-Schuldenkrise und hinterfragt Mariano Rajoys Fähigkeiten: Kann er das Ruder im Land herumreißen? Die Presseschau.
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Das Ergebnis der Wahlen in Spanien wertet die Financial Times aus London als einen weiteren von jüngsten Regierungswechseln in Europa - nach Irland, Portugal, Griechenland und Italien -, die durch die Schuldenkrise verursacht wurden. Spaniens Wirtschaft sei wie die Italiens zu groß, um durch den Europäischen Rettungsschirm aufgefangen werden zu können, die Zinsen hätten - trotz des antizipierten Wahlsieges von Mariano Rajoy - zum Ende der vergangenen Woche Höhen erreicht, die eine Gefahr für die Haushaltskredite darstellten. „Donnerstag wurden für eine spanische Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren sieben Prozent fällig.“ Investoren würden deshalb ab heute Rajoys Ankündigungen und Pläne zur Reduktion des Defizits genau analysieren. „Rajoy will noch mehr sparen und den Arbeitsmarkt liberalisieren, um die Arbeitslosigkeit zu senken. So will er das Vertrauen der unruhigen Finanzmärkte wiedergewinnen.“ Doch den spanischen Wählern sei bewusst, dass seine neue Regierung hart kämpfen müsse, um das Wirtschaftswachstum nach drei Jahre andauernder Krise unter Spaniens Sozialisten wieder ankurbeln zu können.

„Jetzt wollen die Spanier dem als sehr seriös bekannten Katasterbeamten die Chance geben, den Karren aus dem Dreck zu ziehen“, kommentiert das österreichische Wirtschaftsblatt den wahrscheinlichen Wahlsieg für Mariano Rajoy. Große Popularität genieße der „als blasser Parteisoldat und Technokrat“ geltende Galicier nicht, er lispele, sei nicht als guter Redner oder gar charismatischer Sympathieträger. „Er wirkt auf seine Landleute sogar eher distanziert, spröde und langweilig.“ Er gelte zwar als erfahrener Krisenmanager, habe aber auch keine besonders glänzende Oppositionsarbeit geliefert. Dass er nun in Moncloa-Regierungspalast einziehe, sei wohl viel mehr der Wirtschaftskrise und der Unzufriedenheit der Bevölkerung zu verdanken. „Hier muss sich Rajoy nun erneut als geschickter Krisenmanager beweisen, um Spanien aus der Wirtschaftskrise zu führen.“ Er sei überzeugt, das Land aus der Krise führen zu können, das hätte das Land schon einmal gemacht, so Rajoy vor den Wahlen. „Nur befand sich Spanien damals am Anfang eines Wirtschaftsbooms und nicht wie heute in der Nähe des EU-Rettungsschirms.“

Tausende empörte jugendliche „Indignados“, Gewerkschaften, Immigranten und Lehrer seien zuletzt auf die Straße gegangen, die Finanzmärkte hätten das Land schon länger im Visier und Ökonomen prognostizierten gar eine Rezession: So fasst die Financial Times Deutschland die Lage in Spanien zum Antritt des wahrscheinlich neuen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zusammen. Der Fan von Real Madrid, der seine Aufgabe als „Krisensportler“ sehen könne, habe sich viel vorgenommen: „Er will das Land erneuern, die Rekordarbeitslosigkeit von 21 Prozent senken, Spaniens Unternehmen zur Weltspitze führen und wieder für AAA-Ratings sorgen.“ Dazu müssten Arbeits- und Finanzmarkt reformiert und die Staatsfinanzen konsolidiert werden. Neu sei das aber keinesfalls: Sparen und Strukturreformen habe schon die Vorgängerregierung versucht. Dabei sei Rajoys Führungsfähigkeit umstritten, selbst in der eigenen Partei. Er wolle „normal“ wirken, bescheinigten ihm Insider, doch diese Normalität berge auch das Risiko der Mittelmäßigkeit. Zumindest habe er die Fähigkeit, Leute zu überraschen. „Das kann er ihnen nun zeigen.“

Kommentare zu " Presseschau: Spaniens neuer Krisenmanager"

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  • @ Spartakus,

    Sie haben den der Airbus A400M, ein militärisches Transportflugzeug von Airbus Military, vergessen zu erwähnen. Spanien hat auf Anweisung der deutsch-französische Achsenmächten mitgemacht!

  • Ein Volk wird versklavt!
    Die Exportgier der Industrieländer und deren Großkonzerne, durch Bestechung von korrupten Regierungen und Regierungsmitgliedern Spaniens und mit der Mittäterschaft von deutschen und französischen Banken, hat zu dieser Überschuldung geführt.
    Jetzt wird ein ganzes Volk versklavt, während die Verantwortliche von Siemens, Mercedes, Krauss-Maffei, Dassault, die korrupte spanische Regierungsmitglieder und unsere Bankmanager, unbestraft, ein leben in Luxus und Überfluss genießen können.
    Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Russland, in China, in Frankreich, in Italien! Schaut auf dieses Volk und erkennt, daß ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
    Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

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