Presseschau
„Staatsbankrott in USA? Juckt uns wenig!“

Ähnlich fassungslos wie der Internationale Währungsfonds guckt auch die internationale Presse auf Washington, wo sich immer noch keine Lösung der Schuldenkrise abzeichnet. Die Presseschau.
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„Die Uhr tickt!“ So redete Christine Lagarde laut Manager Magazin dem US-Kongress von New York aus ins Gewissen. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF habe vor ernsthaften Schäden für die Weltwirtschaft gewarnt, falls die USA ihre Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar nicht endlich anheben. Sie fordere den „gleichen politischen Mut“ von den Verantwortlichen in Washington, mit dem in der vergangenen Woche die Europäer einen Maßnahmenkatalog zur Bewältigung der griechischen Schuldenkrise entwickelt hätten. Notwendig seien verlässliche Einsparungen im Haushalt. Ohne eine Einigung zwischen Republikanern und der Demokratischen Partei über eine neue Schuldenobergrenze drohe den USA  ab kommenden Dienstag die Zahlungsunfähigkeit. Präsident Barack Obama habe deshalb bereits „in einem dramatischen TV-Appell an die Wähler“ ebenfalls vor einem Scheitern der Gespräche gewarnt.

Madame Lagarde würde dem IWF „eine neue Mission geben“, schreibt Forbes, nämlich die, Arbeitsplätze zu schützen. In ihrer jüngsten Rede in New York habe sie beklagt dass Arbeitslosigkeit und miserable Karriereaussichten nicht nur die Schwellenländer plagten, sondern vor allem auch die Industrienationen. Dieses führe zu „sozialer Instabilität“ und diese Herausforderung müsse der IWF nun meistern, ebenso wie die anderen beiden großen Probleme: Schuldenkrise und Wirtschaftswachstum. „Wachstum und soziale Instabilität treffen sich am Arbeitsplatz“,  kommentiert das Magazin. Dieses Thema läge der Frau offenbar am Herzen, die gerade vier Jahre als französische Finanzministerin im Dienste einer Nation verbracht habe, die soziale Themen aktiv verwaltet sehen wolle. Es könnte ja durchaus sein, dass sich in dem „sich zusammenbrauenden steuerlichen und finanziellen Sturm“ mehr Staaten auf solche Vorschläge des IWF einlassen werden. Man könne allerdings nur hoffen, dass es dem IWF dann auch gelinge, finanzielle Stabilität und aktive Arbeitsmarktpolitik in die Balance zu bringen.  

"Droht ein Staatsbankrott der USA? Ha - das juckt uns wenig, denn wir haben alles unter Kontrolle!“ So beschreibt die Börsen-Zeitung die Antworten der US-Banken, wenn sie auf die scheiternden Haushaltsverhandlungen in Washington angesprochen werden. Falls der Fiskus seine billionenschweren Schulden nicht bedienen könne, werde man eben von Staatsanleihen in andere Papiere umschichten, behaupteten die Banker. Oder aber man werde sogar noch weiter US-Anleihen kaufen, schließlich seien die Papiere im Insolvenzfall besonders billig. „Wer's glaubt, wird selig“, kommentiert das Blatt, denn falls der  billionenschwere Markt für Treasuries tatsächlich ins Wanken gerate, drohe die Massenflucht. Und die Ansteckungsgefahr für andere Marktsegmente sei groß. Dass sich die Institute trotzdem so entspannt geben, deute nur auf Ratlosigkeit hin. Schließlich wäre es für sie jetzt sowieso zu spät, um ein Desaster abzuwenden. Wall Street spekuliere offenbar immer noch darauf, dass sich die US-Politiker trotz allem Streit in einer Sache einig sind - „nämlich darin, dass man große Banken nicht fallen lassen darf“.

Aus lauter Angst, dass sich das Publikum nun nach über zwei Jahren ohne Finanzkrise langweilen könnte, hätten die Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks nun eine Varieté-Nummer aufgelegt, meint die Financial Times. In Europa hätten sie Griechenland rausgehauen, nachdem sie zu spät gemerkt hätten, dass da ein Staatsbankrott drohe - und in USA würden sie sich anstrengen, ihren „solventen Staat wie Griechenland aussehen zu lassen“. Washington läge in den „Fieberkrämpfen einer freiwilligen Schuldenkrise“ und das politische System der USA – das grundsätzlich auf die Erzielung von Kompromissen ausgelegt sei – in den Händen von Politikern, die Unnachgiebigkeit zur Tugend erklärten. Es sei wahrscheinlich, dass beide Schuldenprobleme in Europa und USA zeitweilig nachlassen werden – aber sie werden wiederkommen, orakelt das Blatt. Und hüben wie drüben werden die politischen Eliten so lange schlecht auf sie reagieren, so lange ihre politischen Systeme weiterhin mit groben Fehlern behaftet seien, die „aus Problemen immer gleich eine Krise machen“.

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Ackermann im Gegenwind

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Asiaten setzen auf Gold

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  • Die USA sind schon seit 50Jahren bankrott!
    Sie "retten" sich nur durch ständige Erhöhung der Schuldenobergrenze.
    ZItat:
    „Seit den 50er-Jahren hat der Kongress die US-Verschuldungsgrenze ständig angehoben, und jeder Präsident hat sie unterzeichnet“, beschwört Obama. „Ronald Reagan hat es 18 Mal getan, George W. Bush sieben Mal, und wir müssen es bis zum 2. August tun – oder wir werden nicht mehr in der Lage sein, alle unsere offenen Rechnungen zu bezahlen.“
    Zitat Ende:

    Aber die USA macht sich keine Sorgen; die Ratingagenturen bewerten sie immer noch mit "AAA", während die Griechenland mit Ca bewertet.

    Zitat:
    Moody's senkte seine Bewertung der Kreditwürdigkeit Griechenlands um drei Stufen von der Note Caa1 auf Ca ab. Das ist nur eine Stufe entfernt von der untersten Note, einem kompletten Zahlungsausfall. Grund sei die auf dem Euro-Sondergipfel beschlossene Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Rettung.
    Zitat Ende:

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