Presseschau: „Staatsmonopolisten haben sich verzockt“

Presseschau
„Staatsmonopolisten haben sich verzockt“

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, das deutsche Monopol für Sportwetten und Glücksspiele zu kippen. Das Wall Street Journal hinterfragt den BP-Report zur Ölkatastrophe. Les Echos lobt anlässlich der Barclays-Personalien den britischen Pragmatismus. Fundstück: Lady Gaga als Miss Dollar.
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Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, das deutsche Monopol für Sportwetten und Glücksspiele sei nicht mit dem EU-Recht vereinbar. Die deutsche Regelung verstoße gegen die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit in der EU.

"Die Staatsmonopolisten haben sich verzockt", kommentiert die Börsen-Zeitung die Entscheidung der Richter. Dass die Aktien des SDax-Mitglieds Tipp24 und der österreichischen Bwin mit starken Aufschlägen von der Entscheidung aus Luxemburg profitiert hätten, verwundere nicht. "Der private Online-Spielmarkt steht ohnehin vor einer Neuordnung, die beflügelt wird von schleichender Liberalisierung", erklärt das Blatt und veweist auf die Fusion von Bwin und der britischen Partygaming, die sich mit ihrer Allianz zum europäischen Marktführer im Geschäft mit Poker, Casino, Bingo und Sportwetten per Internet aufschwingen wollten. Die obersten Richter, so die Börsen-Zeitung, hülfen dem neuen Riesen nun auf die Sprünge.

Die Financial Times Deutschland blickt nach Frankreich, wo der Markt im Juni zum Teil liberalisiert worden sei - mit staatlicher Lizenzierung und Überwachung der privaten Anbieter. Hintergrund: Während legale Monopolanbieter wie Lotto oder Kasinos hierzulande herbe Umsatzverluste beklagten, weil sie ihre Angebote nicht im Internet vertreiben dürfen, seien in den vergangenen Jahren immer mehr Zocker zu ausländischen Anbietern abgewandert, wo sie nicht mehr der deutschen Kontrolle unterlägen. Seit der Liberalisierung bekämen zum Beispiel der französische Sport wieder satte Sponsoringeinnahmen von den Wettanbietern. "Wenn die deutschen Bundesländer jetzt über eine Neuordnung nachdenken, sollten sie das Nachbarland Frankreich zum Vorbild nehmen", rät das Blatt.

Für die deutsche Politik sei der Richterspruch wie ein Schlag ins Gesicht, kommentiert die Wirtschaftswoche. Die Versuche, das staatliche Monopol auf Sportwetten oder Lottospiele zu sichern, habe teilweise absurde Folgen gehabt. In Berlin hing die Frage der Legalität laut Wiwo davon ab, ob man sich im ehemaligen Ost- oder Westteil befand, denn das Unternehmen Bwin verfüge auch über eine Lizenz, die in den letzten Monaten der DDR erteilt wurde. Da der Staatsvertrag noch bis Ende 2011 gelte, drohe ein anderthalbjähriges rechtliches Vakuums. Die Alternative zu einem neuen Staatsvertrag bestehe in einer noch restriktiveren Politik, die wirklich auf eine Reduzierung des Glücksspiels abziele - was jedoch die staatlichen Einnahmen durch die Lottogelder noch weiter reduzieren würde. Um zu verhindern, dass weiterhin Milliarden Euro pro Jahr in den rechtlich ungeregelten Markt fließen, müssten die verantwortlichen Politiker der Bundesländer sich nun schnell darüber einig werden, wie sie den Glücksspielmarkt künftig regeln wollen, mahnen die Düsseldorfer.

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