Presseschau
Stuft die Ratingagenturen herab!

Die internationalen Medien rücken nach dem harten Moody’s-Urteil gegen Portugal das Krisenmanagement der EU statt die Praxis der Ratingagenturen in den Fokus ihrer Kommentare. Nicht die Investoren sollten die Ratings ignorieren, sondern die Politiker selbst. Dies ändere aber nichts daran, dass ihre Rettungsmaßnahmen ein „Rohrkrepierer“ seien.
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Le Point aus Frankreich kann die Herabstufung Portugals durch Moody‘s nicht  nachvollziehen. Die Ratingagentur habe als Grund die Art und Weise genannt, wie die EU derzeit mit ihrer Schuldenkrise umgehe, und kritisiert, dass private Gläubiger zur Rettung herangezogen werden sollen. „Aus Sicht von Moody‘s würde das potenzielle Investoren verschrecken und das wirtschaftliche Risiko für sie erhöhen, und das wiederum verhindere, dass Portugal zu einem normalen Marktgeschehen zurückkehre. Das ist paradox: Moody‘s setzt  einen Teufelskreis in Gang, den die Agentur vorgibt zu fürchten. Das ist wie eine sich selbsterfüllende Prophezeiung“, kritisiert das Magazin. Die Herabstufung zu einem Zeitpunkt zu bringen, da man sich gerade auf einen neuen Griechenland-Rettungsplan geeinigt habe, wirke wie eine „Bombe“. Dass die EU-Staatschefs und Finanzminister nun gegensteuern wollten, sei verständlich, die von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier angedeuteten Reformen bezüglich Ratingagenturen dürften allerdings schwer umzusetzen zu sein. Doch eines stehe fest: „Die Auseinandersetzung mit den Ratingagenturen ist noch nicht zu Ende.“

Die Börsen-Zeitung vermutet, dass es bei der lautstarken Schelte von Europas Finanzpolitikern mit Blick auf die Ratingagenturen  gar nicht um Portugal, sondern um Griechenland gehe. „Den Sack schlägt man, den Esel meint man.“ Denn angesichts der Haltung der Agenturen gegenüber der Bewertung privater Gläubigerbeteiligung am Griechenland-II-Paket stelle sich die Frage, wie lange sich die Politik ihnen unterwirft. Statt Investoren dazu aufzurufen, Ratings zu ignorieren, solle die Politik selbst „die Ratingagenturen herunterstufen“: Deren Urteile müssten als verbindliche Orientierungen aus vielen Gesetzen und Vorgaben gestrichen werden, schlägt die Börsen-Zeitung vor.

Die britische Financial Times schreibt, dass die Entscheidung von Moody’s zwar keine neuen Informationen enthalte, aber eine entscheidende Tatsache widerspiegele: Die Marktakteure hätten kein Vertrauen in die aktuelle Strategie der Eurozone. Auf der einen Seite drohe Portugal der Zugang zu privaten Finanzierungen versperrt zu werden, andererseits bahne sich eine Vertrauenskrise bei den Politikern an, die neue Kredite davon abhängig machten, ob die Privatwirtschaft ebenfalls Opfer erbringt. Die finnische Regierung verlange für weitere Kredite Sicherheiten bei den staatlichen griechischen Immobilien. Und in den Schuldenstaaten selbst würden die Bürger der Sparprogramme überdrüssig, solange kein Ziel in Sicht sei.

Die Süddeutsche Zeitung erinnert das Geschachere der Regierungen um einen Deal mit den Ratingagenturen – die die gewünschte Note für das EU-Vorhaben geben sollen – an die Zeiten der amerikanischen Immobilien- und Kreditblase. Seinerzeit hätten Banken mit Agenturen das passende Rating für ihre windigen Hypothekenpapiere ausgehandelt. Dabei hindere keiner die Politiker daran, sich vom Diktat der Ratingagenturen ganz freizumachen, beispielsweise mit der Gründung eines unabhängigen Bewertungsinstituts. Dieses jedoch, versichern die Münchner, würde ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass Griechenland pleite sei und einen Schuldenerlass benötige.

Auch das Wall Street Journal rückt das Krisenmanagement der EU statt die Praxis der Ratingagenturen in den Fokus seines Kommentars. Banken und Versicherungen in Europa hätten still und leise ihr Engagement bei griechischen Staatsanleihen zurückgefahren, entgegen der offiziellen Verlautbarungen. „Am Ende wird der Privatsektor weniger stark involviert sein, als die Europäische Zentralbank vielleicht gehofft hatte. Das bedeutet jedoch, dass in der EZB-Bilanz noch mehr toxische Assets auftauchen werden“, prognostiziert das Blatt. Das grundlegende Problem werde von den Rettungsplänen nicht gelöst: Die Staaten hätten zu viele Schulden und zu wenig Wachstum. Düsteres Szenario des WSJ: Griechenland sei nur ein „Dammbruch“, bald werde sich die „Panik“ nach Italien, Spanien und möglicherweise Frankreich verlagern.

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Die Nerven Europas sind auf Ramschniveau

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  • Ratingagenturen haben recht!

    Es macht keinen Sinn, Kritik zu unterdrücken.

    Je früher man Schuldnern den Geldhahn zudreht, desto mehr ist den Schuldnern geholfen. In der Regel rutschen sie sonst nur noch weiter ab.

    Wir freuen uns über den deutschen Außenhandelserfolg, ohne die Probleme zu sehen, die anderen Ländern dadurch entstehen. Des einen Freude ist oft des anderen Leid.

    Unsere Leistungsbilanzüberschüsse sind Defizite anderer Länder. Auch Japan, China und Deutschland sind Problemländer, das von ihnen erzeugte Problem sind ihre langjährigen Leistungsbilanzüberschüsse. Es ist ähnlich wie im Leistungssport, des einen Erfolg ist des anderen Mißerfolg.

    Joachim Datko - Philosoph, Physiker - Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft - Monopole.de

  • Eigentlich haben wir uns an den täglich auf uns einprasselnden Mumpitz von Polit-Strategen und Qualitäts-Medien bereits gewöhnt.

    Die hochemotional vorgeführte Nummer, Bewertungen von Ratingagenturen gesetzlich massiv einschränken zu wollen, ist an politischer "Genialität" wohl kaum zu überbieten.

    Mit einer solchen "Blaupause" ließen sich doch auch noch andere große Probleme unserer Zeit in Wohlgefallen auflösen:

    Post und Internet-Providern könnte man beispielsweise die Zustellung von Rechnungen verbieten ... und schon hat man das Armutsproblem entschärft und die Häufigkeit von Konkursen zurückgefahren.

    Eine ebenso tolle Idee wäre es, im Gesundheitswesen eine gesetzliche Einschränkung zum Fieber messen vorzugeben ... die Krankenstände würden ebenso zurückgehen, wie die Aufwendungen der Krankenkassen!

    Bleiben an der Stelle die Erfolge aus, wie wäre es dann mit gesetzlichen Vorgaben für die Qualitäts-Medien, den täglichen Mumpitz zu unterlassen?

    http://www.fortunanetz.de

  • Die Minderwertigkeit dieser selbsternannten "Rating"-Agenturen erkennt man daran, daß sie nicht nur die Wirkung des eigenen Ratings auf die Bonität der Schuldner völlig außer Acht lassen oder vorsätzlich ignorieren, sondern stattdessen sogar die Folgen ihres eigenen "Rating" für die Bonität eines Schuldners zum Anlaß einer Neuubewertung der Bonität nehmen. Die Verschlechterung des "Ratings" treibt die Zinsen und das Wiederum treibt die Verschlechterung des "Ratings". Ein rückgekoppeltes, sich selbst verstärkendes, völlig verselbständigtes System, völlig abgehoben von der wertschöpfenden Leistungsfäigkeit des Kapitals einer Nation. Dazu weigern sich diese "Rating"-Agenturen, diese einfachen, jedoch folgenreichen Zusammenhänge zur Kenntnis zu nehmen und aus ihren Bewertungen herauszurechnen bzw. frühzeitig auf die Zahlungsunfähigkeit bei Höherverschuldung und Schlechterbewertung hinzuweisen. Stattdessen lassen sie Schuldner voll ins Messer der Zahlungsunfähigkeit rennen. Sie wurschteln im günstigsten Falle genauso willkürlich aus dem hohlen Bauch heraus, wie jeder erstbeste hergelaufene Glücksspieler. Wahrscheinlicxh aber bedienen sie eine Klientel, die mit dem Verkauf von CDS-Versicherungen auf den Kollaps der Schuldner gewettet hat. Das können auch sie selber sein.
    Korrupte "Rating"-Agenturen haben Ramsch-Status.
    Lösung : Übernahme der Schulden durch Zentaralbankkredite mit Zentralbankzinsen und Übernahme der Herrschaft über den griechischen Staatshaushalt durch die EZB oder einen durch Griechenland sonstwie legitimierten Kommissar bis zu Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit.

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