Presseschau
„UBS produziert Skandale am laufenden Band“

Die internationale Presse ist empört über den Zockerskandal, der die UBS am Donnerstag zwei Milliarden Dollar gekostet hat. Man ist sich einig: Die Affäre kommt für die Schweizer Bank zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt.
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Am Donnerstag sorgte die Schweizer Großbank für einen Schock. Das Institut, bei dem der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber im kommenden Jahr zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden soll, verlor zwei Milliarden Dollar durch nicht authorisierte Wertpapiergeschäfte eines einzelnen Händlers. Die Affäre platzt ausgerechnet in eine hitzige Debatte um die künftige Ausrichtung der Großbank.

Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätte der Skandal kaum kommen können, stellt Die Welt fest. Erst am Wochenende habe sich UBS-Chef Oswald Grübel vehement gegen eine überzogene Regulierung verwahrt – und nun versenke die größte Schweizer Bank zwei Milliarden Dollar mit Wertpapiergeschäften eines einzelnen Händlers. „Ein peinliche Panne, die all den Kritikern in die Hände spielt, die das Investmentbanking des mit Staatshilfen durch die letzte Krise geschleppten Instituts lieber heute als morgen schließen würden.“

Ausflüchte verfingen nun nicht mehr. „Wer kann garantieren, dass es statt zwei Milliarden Verlust das nächste Mal nicht 20 Milliarden sind und der Steuerzahler einspringen muss?“ Wiederholt habe sich der Eindruck aufgedrängt, die Finanzbranche habe ihre Risiken noch immer nicht im Griff. Schlechte Karten in der Regulierungsdebatte. Die Banken seien den Beweis schuldig geblieben, dass ihre eigenen Regeln besser wären, kommentiert die Zeitung.

„Diese Affäre kommt für die UBS zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt“, meint auch L‘Expansion aus Frankreich. Im August habe sie Sparpläne in Höhe von zwei Milliarden Schweizer Franken angekündigt, nun sollen 3500 von insgesamt 65.700 Arbeitsplätzen abgebaut werden. „Und wenn ihre Kontrollsysteme versagt haben, muss die UBS diese revidieren. Das ist teuer.“

So habe nach der Affäre Kerviel die Société Générale einige Millionen in die Verbesserung ihrer Kontrollmechanismen investiert. „Der Verlust in Höhe von zwei Milliarden Dollar ist zwar nicht so hoch, doch der neuerliche Vertrauensverlust wirft ein schlechtes Licht auf die UBS.“ Der Fall zeige, dass die Kontrollsysteme der Banken noch immer nicht unfehlbar seien und Fehlerquellen existierten. „Selbst in Frankreich dürfte ein solcher Betrug noch immer möglich sein“, glaubt das Blatt.

Kommentare zu " Presseschau: „UBS produziert Skandale am laufenden Band“"

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  • ich spreche mal aus dem Herzen:

    1. als Privatanleger habe ich immer dann Geld verloren,
    wenn die großen Investment-Zocker mal wieder mit unbegrenztem
    Einsatz von Kapital (Milliarden, nicht Millionen) die Kurse
    über die Schmerzgrenze hinweg manipuliert haben.

    2. daher erfüllt es mich mit klammheimlicher Freunde, wenn
    mal wieder eine von den Zockerbanken vor noch skruplloseren anderen Raubtier-Kapitalisten in die Knie
    gegangen ist.

    3. ich gehe davon aus, das nahezu alle großen Banken
    so oder ähnlich wie die UBS vorgehen. Hin und wieder
    kommt das ja ans Licht, so z.B. bei Barings Bank, Societe
    Generale HSBC, Lehman, Goldmann, HRE etc. ohne Ende.
    4. was mich wirklich ärgert ist, dass die Regierungen nun
    auch noch diesen "big boys" die Zockerverluste ersetzen.
    Kommt wirklich niemand in der Regierung auf die Idee,
    zwischen Verlusten aus Zockerei und Kreditvergabe an produktive Unternehmen zu unterscheiden?

    Ich fass' es nicht ..

  • Prof. Weber sollte es sich noch dreimal überlegen, ob er diesem Laden vorstehen will. mondahu würde sich das nicht antun, dort als Gastarbeiter verheizt zu werden.

  • Zitat: "Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätte der Skandal kaum kommen können...."

    Wann sind denn günstige Zeitpunkte für eine Bank? Vielleicht dann, wenn die Politik entscheidet, daß der Steuerzahlen wieder einmal einspringen und aushelfen muß?

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