Presseschau
Versicherer leiden unter Abrieb

Die Internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die Versicherungsbranche. Das Wall Street Journal sieht den Wohlstand von Nationen durch Unternehmergeist und Risikoappetit gesichert. Expansión hält Telefónica für eine ernsthafte Skype-Konkurrentin. Fundstück: Technologie macht Helden.
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Gegen die Pläne der EU, bei künftigen Bankenrettungsaktionen das Risiko am Ende stärker als bislang denen zu überlassen, die es sich aufgebürdet haben und - statt den Steuerzahler am Ende geradestehen zu lassen - private Gläubiger ins Boot zu holen, hat die WirtschaftsWoche "grundsätzlich nichts einzuwenden". "Blöd nur, dass einige der wichtigsten Risikonehmer keine breiten Schultern haben: die Versicherer, Lebensversicherer und Pensionskassen in Deutschland." Rund ein Drittel der Summe, die die deutschen Versicherer insgesamt in Kapitalanlagen gesteckt hätten - 1000 Milliarden Euro - stecke in Bankpapieren, gut neun Prozent seien Staatskredite. "Dazu kommt ein Viertel in Pfandbriefen, die über Hypotheken oder - Achtung! - kommunale Schulden besichert sind." Eine künftige Umwandlung von Schulden in Eigenkapital werde höchstwahrscheinlich enorme Verluste nach sich ziehen, fürchtet das Blatt. Dass die Versicherer die Papiere am Markt zu Geld machen, hält die Zeitschrift für unwahrscheinlich. Sie brauche die Steuerzahler weiter. "Eine erträgliche Lösung für die Versicherer bestünde nur darin, Banken-Altgläubiger besser zu stellen als neue. Ansonsten würde der Bürger ja doch wieder für Bankinsolvenzen geradestehen - als Versichererretter oder als Lebensversicherter, der seine Ansprüche nicht erfüllt bekommt", bilanziert das Blatt.

Den Versuch der Versicherer, sich durch die Übernahme von Banken in Finanzkonzerne zu verwandeln, hält die Financial Times Deutschland für gescheitert. Um das vergleichsweise langweilige Geschäft aufzupeppen, hätten Versicherer viel Geld in Aktien investiert und ihre Gewinne so dramatisch gesteigert - das Geld jedoch verloren. Auch die Zukäufe von Banken seien misslungen. Verglichen mit großen Bankhäusern stünden die Versicherungsgesellschaften schlecht da. Die Finanzkrise habe die Deutsche Bank 26 Prozent Marktwert gekostet - "deutlich weniger als der Absturz der beiden großen Versicherer, die jeweils mehr als die Hälfte verloren", hält die Zeitung fest. Europas führende Bank bringe dreimal so viel auf die Waage wie der Assekuranzmarktführer Allianz. Zudem misstrauten nicht nur die Anleger dem Geschäftsmodell der Versicherungswirtschaft. Auch Regierungen und EU zurrten das Stahlkorsett namens Solvency II enger - "so eng, dass die Branche sich kaum noch rühren kann", hält die FTD fest. "Wer in Aktien investiert, wird bestraft, wer Staatsanleihen kauft, auch griechische, belohnt." Bizarrerweise hätten die Banken trotz Finanzkrise deutlich mehr Freiheiten. Nach dem Ende vom Lied von den Allfinanzkonzernen hätten Versicherer dem Abrieb strategisch zu wenig entgegenzusetzen, um die Aktionäre von sich zu überzeugen. "Hier liegt die eigentliche Herausforderung für die großen börsennotierten Gesellschaften", konstatiert die Wirtschaftszeitung. "Es fehlt ein überzeugendes Versicherungsgeschäftsmodell für ihre Konzerne, das auch Anleger überzeugt."

Teuer werde für Versicherer, aber auch Banken, Fondsgesellschaften und Treuhänder, auch die US-Steuerreform werden, erwartet die FTD in einem weiteren Artikel. Kosten in Höhe von 1000 bis 2000 Milliarden Dollar sehe die Finanzbranche wegen des nun von US-Präsident Barack Obama unterzeichneten Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA), der von 2013 an gelten soll. Für Bestürzung sorge unter den Finanzinstituten weltweit vor allem, "dass ausländische Banken und Versicherungen, die in den Vereinigten Staaten aktiv sind, den gleichen Melderegeln wie US-Rivalen unterliegen sollen." Laut FATCA muss jedes Finanzinstitut automatisch 30 Prozent Pauschalsteuer auf alle US-Anlagegelder entrichten - Zinsen, Dividenden und Mieten ebenso wie Erlöse aus Anleihen- oder Aktienverkäufen. Anders als bei der in Deutschland geltenden Abgeltungssteuer allerdings nicht anonym, sondern mitsamt der Daten von US-Steuerbürgern. Das Blatt zitiert einen Steueranwalt in Zürich, der das US-Gesetz für "vollkommen unverhältnismäßig" hält. "Damit die USA einen Dollar an zusätzlichen Steuererträgen bekommt, muss das Ausland einen Aufwand von mehr als 1000 Dollar betreiben", erwartet der Anwalt. "Gerade für Fonds, Lebensversicherungen und Treuhänder wird es extrem teuer, die US-Begünstigten ausfindig zu machen." Experten gingen davon aus, dass sich die meisten Banken fügen würden, um weiter Dollar-Zahlungen ausführen zu können. "Einige könnten sich wegen des Aufwands aber von ihren amerikanischen Kunden trennen", gibt die FTD die Experteneinschätzung wider.

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