Presseschau
Viel Bla-bla um noch mehr Geld

Die internationale Wirtschaftspresse dekliniert mal wieder die möglichen Auswege aus der Eurokrise durch. Und spielt die wichtige Frage, "Rettung oder keine" , gleich für Italien, Spanien und Portugal mit durch.
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Eigentlich solle er die Kopfschmerzen des Euro-Klubs lindern, nun bereite er ihm selbst welche, beobachtet die Süddeutsche Zeitung. Der Fonds, der klamme Euro-Länder aus finanzieller Not befreien soll, musste in den wenigen Monaten, die er existiert, schon mehrmals gerettet werden: davor, vorzeitig leer, abgeräumt und ausgeschöpft zu sein. Statt eine  Brandmauer aus 2000 Milliarden Euro um die Währungsgemeinschaft zu errichten, ließen sich mit dem Geld nur kleinere Brandherde löschen. „Brennen Spanien oder Italien, ist der Fonds am Ende“, erwartet die SZ. Die Bonitätsnote wackle und vielen sei der Fonds offenbar zu kompliziert geworden. „Das große Rettungsinstrument der Euro-Länder ähnelt jenen komplizierten Finanzprodukten, die Anleger kaum verstehen und von denen sie lieber die Finger lassen“, findet die Zeitung. „Im Hintergrund werden längst die Weichen gestellt, um die Quelle anzuzapfen, die bisher als einzige für ein paar kopfschmerzfreie Tage sorgte: die Europäische Zentralbank.“

Auch die Einheitswährung erfülle ihren Zweck nicht, stellt die britische Financial Times fest. Sie sei nur ein Instrument, das ökonomische Blüte und politische Harmonie quer durch Europa befördern solle. Da sie allem Anschein nach das Gegenteil bewirke, sei es Zeit nicht über die Euro-Rettung nachzudenken, sondern darüber, wie man ihn loswerde – oder wenigstens dem schwächsten Mitglied den Ausstieg erlauben könne. Dass der Euro großer Teil des Problems sei, sei für europäische Führer schwer zu akzeptieren. Dabei sei Griechenland nicht einzigartig. „Italien weist viele Charakteristika auf, die Griechenland dysfunktional machen“, kommentiert die FT. Und sie seien nicht das einzige Problem. Irland und Portugal hätten bereits Rettungspakete akzeptiert – und könnten erneut von der jüngsten Krise destabilisiert werden. Spaniens Verwundbarkeit sei klar. Frankreich habe sein Budget seit den 1970er Jahren nicht mehr ausgeglichen und fürchte nun um sein Triple-A-Rating. Statt darauf zu beharren, der Zusammenbruch des Euro sei undenkbar, sollten Europas Führer mit dessen Planung beginnen.

 

Der australische Business Spectator hat die Nase voll. Risikoaufschläge auf italienische Anleihen in dieser Höhe seien gefährlich. „Und alles, was wir bekommen, ist Stille“, ärgert sich das Blatt. Es sei nicht einmal klar, was außer Gelddrucken noch getan werden könne. Wie sie den Rettungsfond anfeuern können? Der Antwort darauf seien die Europäer keinen Schritt näher gekommen. Auch das Treffen der Finanzminister habe nichts ergeben. Nur dass sie wieder mal mehr Zeit bräuchten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Dumm nur, dass in der Zeit italienische Spannen auf zehn Prozent oder so steigen werden, ätzt die Zeitung. Wieder dieselbe Diskussion wie bei Griechenland. „Blah blah.“ Was Griechenland betreffe, gebe es keinen Grund, ihnen mehr Geld zu geben. „Besonders, da die Bevölkerung nicht einmal scheint gerettet werden zu wollen. Die Ansteckungsgefahr, die man angeblich habe verhindern wollen, sei eingetreten. Wie lange sich noch Unterstützung dafür finde, sie in der Eurozone zu halten, sei unsicher. „Die Aussicht, sie rauszuschmeißen, sei hoch.

Neustart für Italien

Berlusconi täte seinem Land und Europa einen großen Gefallen, wenn er endlich zurückträte, ist die Financial Times Deutschland überzeugt. Allerdings werde das allein die Probleme des Landes kaum lösen.Das Land brauche eine Führung, die handlungsfähig und verlässlich sei. „Berlusconi steht für das Gegenteil. Der jüngste Anstieg der Risikoaufschläge sei nicht gerechtfertigt und zeige, dass Berlusconi für sein Land zu einer immer größeren Belastung geworden. „Nicht weil die Investoren das jetzt meinen, sondern weil selbst seine Minister und Abgeordneten ihm inzwischen nicht mehr glauben und sich nun von ihm abwenden.“ Reformen könne die Regierung so nicht mehr beschließen. Regieren könne der Premier nicht mehr. Dass weder Rechte noch Linke einen geeigneten Nachfolgekandidaten vorweisen könne, sei kein Grund, weiter am Skandalpremier festzuhalten. Regierung und Opposition sollten am Dienstag die Post-Berlusconi-Ära einleiten, indem sie eine neue Regierung aus Parteilosen und Experten bilden. Einen solchen Neustart könne Italien gebrauchen.

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