Presseschau vom 1.11.2007
Fed dackelt Börsianern hinterher

Die internationale Wirtschaftspresse kritisiert die Zinspolitik der US-Notenbank. Newsweek ist auf der Suche nach der Achillesferse von Google fündig geworden und das Manager Magazin hat herausgefunden, wie lukrativ Spamming ist. Fundstück: Wie Bestechung sinnvoll sein kann.

» Forbes ist skeptisch angesichts der erneuten Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent. Die Wirtschaft wachse stetig und schaffe neue Jobs. „Vielleicht erkennt die Fed aber im Anschluss an die Multimilliarden-Dollar-Abschreibungen durch die Subprime-Krise etwas, das wir nicht sehen (...) – ein lauerndes systemisches Risiko im Finanzsystem oder ein Übergreifen der Beschwerden von der Wall Street auf die Hauptstraße.“ Das Hauptargument der Zinssenkung sei allerdings, dass derzeit die „letzten Sonnenstrahlen vor einem dunklen wirtschaftlichen Winter“ zu sehen seien und das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal abgebremst werden könnte. Ob beide Leitzinssenkungen um insgesamt 75 Basispunkte richtig gewesen seien, hinge davon ab: „Hat die Fed Luft in kalte Asche oder reinen Sauerstoff ins Feuer einer Inflation geblasen?“

» n-tv.de kritisiert, dass sich die Notenbank immer mehr zum „Spielball der Börse“ mache. „Anleger fordern eine Zinssenkung, es drohen Kurseinbrüche für den Fall, dass eine solche ausbleibt – und diese Kurseinbrüche wollen Bernanke & Co. nicht verantworten. Also kommt man dem Wunsch des Marktes nach und vergisst darüber die eigentliche Funktion der Notenbank, Stabilität in die Konjunktur zu bringen.“ Diese Stabilität hätte Bernenke allerdings nur erreicht, indem er am bisherigen Leitzins festgehalten hätte. Fazit: „Man geht lieber den bequemen Weg und dackelt den Märkten hinterher.“

Für » Le Monde kommt der Schritt der Fed nicht überraschend. Ökonomen hätten bereits seit Wochen davor gewarnt, sich vom guten Zustand der US-Wirtschaft täuschen zu lassen. Die Anzeichen, dass ihr bald die Luft ausgehe, seien ernst gewesen: eine Immobilienkrise, die schwerer als erwartet ausgefallen sei, und eine anhaltende Nervösität an den Börsen. Allein aufgrund dieser Fakten habe die Fed zu der Überzeugung gelangen müssen, dass eine Senkung des Leitzinssatzes notwendig sei. » Le Monde verweist außerdem auf das vom Weltwirtschaftsforum soeben veröffentlichte Ranking der wettbewerbsfähigsten Nationen. Die amerikanische Wirtschaft kommt darin – trotz Defizit und schwachem Dollar – auf den ersten Platz.

Dem » Financieele Dagblad aus den Niederlanden erscheint eine Zinssenkung bei einem Wirtschaftswachstum im letzten Quartal von rund vier Prozent auf den ersten Blick gewagt. Gleichwohl gebe es Gründe für die Zinssenkung: Bei einem Immobilienmarkt, der bis weit in 2008 schlechte Aussichten biete, und hohen Kreditkosten lauere die Gefahr, dass sich die Stimmung bei den Konsumenten verschlechtere. Dann würde der Druck umso stärker auf dem Export lasten.

Das » Wall Street Journal vergleicht Fed-Chef Ben Bernanke in einem riesigen Porträt mit seinem Vorgänger Alan Greenspan. Obwohl Bernanke ebenso introvertiert sei wie Greenspan, setze er auf mehr Kommunikation. Im Vorfeld von wichtigen Entscheidung beleuchte Bernanke alle Seiten einer Debatte und zwinge seine Mitarbeiter dazu, ihre Annahmen zu testen. Trotz seiner bisherigen Erfolge müsse sich Bernanke der Kritik stellen, die Hypothekenkrise in den USA unterschätzt zu haben. „Kritiker werfen dem Fed-Team vor, den Fokus zu spät von den Inflationsrisiken auf die ausgebremste Wirtschaft gelegt zu haben.“

Seite 1:

Fed dackelt Börsianern hinterher

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%