Presseschau vom 1.11.2010
Gebt Obama eine Chance!

Die internationale Wirtschaftspresse lotet mögliche Folgen der US-Kongresswahlen für Barack Obama aus - und macht die Finanzkrise als Ursache für sein Umfragetief aus. Der Economist prognostiziert Chinas Wandel von der Weltfabrik zum Weltkonsumenten. Die Financial Times Deutschland schimpft über Roland Koch und seinen neuen Job. Fundstück: Untote und Blutsauger sind wirtschaftlich abhängig.
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Die Folgen einer Wahlniederlage für Barack Obama und die Demokraten am morgigen Dienstag in den „Midterm Elections“ lotet das Wall Street Journal aus. „Investoren fürchten, dass die Maßnahmen der US-Notenbank Fed, die am Mittwoch bekannt gegeben werden sollen, die Wirtschaft nicht ankurbeln - und ein blockierter US-Kongress dann die Wirtschaft nicht im nötigen Maße unterstützen wird“, zitiert das Blatt die Sorgen der Wall Street. „Manche meinen, Stillstand in Washington sei gut für die Börse. Zudem würden die Aktienwerte im dritten Präsidentenjahr immer verlässlich anziehen. Doch das ist längst nicht sicher.“ Immerhin befinde sich das Land in einer angespannten Lage, die Wirtschaft sei schwach, und der Fed gehe die Munition aus. Auch die Regierung habe bereits viel an Stimulus geleistet. „Die Hoffnung auf weitere Hilfen ist gering, wenn die Wirtschaft sich also wieder fangen soll, muss sie es aus sich heraus schaffen. Doch die große Frage ist, ob sie das kann. Stillstand in Washington wäre in diesem Fall schlecht.“

„Obama kann zumindest den jammernden, linken Demokraten die Schuld geben“, rät die Financial Times aus London dem US-Präsidenten im Falle eines Wahldebakels. Als Ursachen für seinen Absturz in der Gunst der Wähler könnten zwei Faktoren benannt werden: Zum einen die Wirtschaft: „Obama erbte 2009 ein Chaos.“ Dass nach zwei Jahren der Schuldenabbau noch nicht abgeschlossen, der Immobilienmarkt noch nicht gerettet, neue Arbeitsplätze noch rar und die Investoren noch ängstlich seien, sei nachvollziehbar: „Die Regierung hat die Wirtschaftsprobleme recht gut gemeistert, berücksichtigt man die schwierigen Umstände, in der sie an die Macht kam.“ Damit komme der zweite Faktor ins Spiel: jammernde, linke Basisdemokraten, die über Gewerkschaften, liberale Kommentatoren und linke Fernsehmacher Obama das Leben schwer gemacht hätten. „Sie begriffen noch nicht mal, welche Herausforderung es war, in einer Finanzkrise die Reform des Gesundheitswesens anzustoßen - das immerhin 20 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht.“ Sie hätten genug zu tun gehabt, Republikaner zu überführen und Unwissende aufzuklären, stattdessen hätten sie ihr „eigenes Team“ attackiert. „Die Rolle der linken Demokraten darf bei den morgigen Wahlen nicht außer Acht gelassen werden.“

„Gebt Barack Obama eine Chance“, fordert die New York Times mit Blick auf die morgigen Wahlen. „Das zentrale Problem ist nicht, dass Obama ein kommunikativ schwacher Präsident ist oder sein politisches Kapital vergeudet hat: Wir befinden uns in den Nachwehen der größten Finanzkrise seit 1930.“ Sein demokratischer Vorgänger Bill Clinton habe es auf den Punkt gebracht: Obama habe einer Lok hinterherrrennen müssen, die einen Abhang mit 200 Meilen pro Stunde herunterraste, und diese in zehn Sekunden stoppen sollen. „Außerdem lenkt die Finanzkrise von Obamas Errungenschaften ab: Die Gesundheitsreform, an der sich US-Präsidenten seit Harry Truman versuchten, und das Risiko einer Großen Depression, die Obama in eine Rezession umlenkte, die wir offiziell gemeistert haben, auch wenn die Folgen noch zu spüren sind.“ Er habe die Autoindustrie gerettet, sich für erneuerbare Energien stark gemacht und viel für Bildung getan. „Lasst uns nicht die ökonomische Krise unseren Verstand vernebeln und Amerikas Probleme vergrößern“, ruft die Zeitung ihren Landsleuten vor den Wahlen zu.

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