Presseschau vom 1.4.2008
Europa im Inflationsschock

Die internationale Wirtschaftspresse sieht Europa von der aktuellen Entwicklung der Inflation tief geschockt. Die Londoner Times amüsiert sich über den „Nationalskandal Terminal 5“. De Volkskrant aus den Niederlanden begrüßt den ersten Aufstand von Anlegern des Philips-Konzerns. Fundstück: Neuseeland-Kiwis haben die Nase vorn.

„So schnell ist die Inflation seit 1992 nicht mehr gestiegen“, kommentiert die » International Herald Tribune die jüngsten Zahlen des Europäischen Statistikamtes (Eurostat) zur Inflation in der Eurozone: Sie ist von 3,3 Prozent im Februar auf 3,5 Prozent im März hochgeschnellt. Zwar wäre Europa nicht allein von massiven Preissteigerungen bedroht, schreibt die Zeitung. So habe Mervyn King, Direktor der Bank of England, erst kürzlich konstatiert, dass die Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten 50 Prozent und der Ölpreis 60 Prozent über den Vergleichswerten des Vorjahres liegen. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) zeige sich angesichts der jüngsten Entwicklung in Europa alarmiert. „Sie hat nun allen Grund, ihren Blick nach Deutschland zu richten, wo gerade Lohnerhöhungen erwartet werden.“ Denn höhere Lohnabschlüsse, so seien sich Insider sicher, könnten die EZB „in ihrem Beschluss bestärken, die Leitzinsen auf absehbare Zeit nicht zu kürzen.“

Die » Faz diagnostiziert einen „Inflationsschock“, die Rekordinflation von 3,5 Prozent sei „eine böse Überraschung“. Und eine rasche Änderung sei nach Einschätzung des Blattes kaum in Sicht. Zwar bestehe, was die Energiepreise anbelange, noch Hoffnung. Bei den Nahrungsmittelpreisen sei ein Rückgang aber eher nicht zu erwarten: „Ihr Anstieg geht vor allem auf den zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern zurück, der die Nachfrage nach mehr und höherwertigen Nahrungsmitteln treibt.“ Dies würde in diesen Ländern kräftige Lohnsteigerungen und eine Erhöhung der Exportpreise befördern, und damit zeichne sich ab, „dass die Inflation hierzulande auch wegen höherer Importpreise für solche Industrieprodukte hoch bleiben wird.“

Besorgnis haben die Eurostat-Zahlen auch in Italien ausgelöst. „Bis Ende letzten Jahres konnte sich Premierminister Romano Prodi noch damit brüsten, sein Land sei das mit der niedrigsten Inflationsrate in Europa. Nun aber liegen wir schon über den europäischen Durchschnitt“, klagt das Nachrichtenportal » Il Velino. Obwohl Makroökonomen gern die Energiepreise als offenkundigen Grund für die Teuerung zitieren, sei das Problem in Italien viel ernster: Hier sei die Inflation nicht durch Verbraucherkonsum angekurbelt worden. Die Zahlen legten vielmehr einen Konsumeinbruch nahe, der auch Konsequenzen für die Produktivität im Land habe. Eines sei klar: „Die Eurostat-Zahlen liefern neuen Stoff für die einzig vernünftige Debatte im italienischen Wahlkampf – die Debatte zu der Frage, wie Italiens Arbeiter und ihre Familien vor den verheerenden Auswirkungen der Inflation auf ihre Löhne geschützt werden können.“

In Frankreich weist eine Studie nach, dass auch Händler und Distributeure Schuld sind an den massiven Preissteigerungen im Land. „Monopolistische Verhältnisse“, so das französische Blatt » L’Expansion, habe die Beratungsagentur Asterop bei ihrer Überprüfung der Wettbewerbssituation von 50.000 Läden und 629 Supermärkten festgestellt. In den Bereichen Lebensmittel, Sportartikel und Möbel würden 65 bis 90 Prozent der Gewerbegebiete von einem Monopolisten dominiert, nur bei 10 bis 35 Prozent könne von einer gesunden Konkurrenzsituation gesprochen werden, weil dort mindestens drei Wettbewerber pro Sparte vertreten seien. Die führenden „Monolpolisten“ seien Decathlon (71 Prozent Marktanteil bei Sportartikeln), die Group Carrefour (41 Prozent Marktanteil bei Lebensmitteln) und Ikea (43 Prozent Marktanteil bei Möbeln). Wie Asterop betont habe, nutzten diese Unternehmen ihre Stellung radikal aus, um die Verbraucherpreise nach ihren Wünschen zu formen und zu diktieren.

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