Presseschau vom 10.12.2007
„Kampf bis zum letzten Blutstropfen“

Die Wirtschaftspresse verfolgt die Schachzüge der Post-Wettbewerber gegen den Mindestlohn. Laut Daily Telegraph will Blackstone die Bergbaugesellschaft Rio Tinto zerschlagen. Die Neue Zürcher Zeitung hinterfragt die Gleichheitsrhetorik beim Afrika-Gipfel. Fundstück: Wohnzimmer-Helden erobern die Werbebranche.

Der » Spiegel meldet, dass sich Axel Springer-Chef Mathias Döpfner in den vergangenen Tagen im Aufsichtsrat des Medienkonzerns die Rückendeckung geholt hat, um die Posttochter Pin Group, wenn nötig, in die Insolvenz schicken zu können. Hintergrund: Eine Insolvenz sei die kostengünstigste Art, das Geschäft zu beenden. Bei der Aufsichtsratssitzung des Verlags am heutigen Montag werde darüber gesprochen, ob Springer noch einmal Geld nachschieße, um das Unternehmen zu erhalten. „Angeblich fehlen aktuell rund zehn Millionen Euro, heißt es aus dem Kreis der Pin-Mitgesellschafter“, schreibt das Nachrichtenmagazin. Bei einer Pin-Tochter seien seit vergangener Woche schon keine Löhne mehr gezahlt worden. Die Minderheitseigner, darunter die Verlage WAZ und Holtzbrinck, seien nicht bereit, noch einmal Geld zu investieren.

Sollte Springer seine Briefsparte schließen, blickt die » Süddeutsche Zeitung voraus, liege dies nicht allein am Mindestlohn. „Ursachen sind auch das mangelhafte Geschäftsmodell und die Entwicklung des Briefmarktes“, kommentiert die SZ. Die Väter der Postliberalisierung hätten die Möglichkeiten des Briefgeschäfts überschätzt. „Offenkundig birgt der Postmarkt viel weniger Wachstumsmöglichkeiten als beispielsweise der Markt für Telekommunikation“, lautet das Urteil der Süddeutschen. Der Postmarkt sei zumindest beim Briefgeschäft mit Privatkunden ein schrumpfender Markt: „Immer mehr Menschen schreiben E-Mails statt Briefe.“ Im Falle der Schließung von Pin dürfe jedoch niemand das Unternehmen deswegen angreifen. „Allerdings sollten umgekehrt die Briefgesellschaften den schwarzen Peter nicht der Politik geben und alle Probleme auf den Mindestlohn schieben. Die Firmen haben den Markt falsch eingeschätzt.“

Im Interview mit der » Wirtschaftswoche schlägt der Vorstandsvorsitzende der Pin Group, Günther Thiel, einen Mindestlohn in Stufen vor. „Was spricht gegen einen Stufenplan mit 7,50 Euro 2008, 8,50 Euro 2009, 9 Euro 2010 und 9,50 Euro 2011? Darauf kann man sich einstellen, nicht aber auf mehr als 35 Prozent Personalkosten auf einen Schlag“, erklärt Thiel. „Wir kämpfen bis zum letzten Blutstropfen. Unser Kampf richtet sich nicht gegen einen Mindestlohn, sondern gegen diesen geplanten Blockadelohn. Denn der soll einzig die Deutsche Post vor Wettbewerbern schützen, ein Unternehmen, das noch zu über 30 Prozent dem Staat gehört.“

Der » Tagesspiegel berichtet ausführlich, wie die Post den angeschlagenen Konkurrenten Pin Group an mehreren Fronten angreift: Der Ex-Monopolist senkt die Preise für Massenversender und schwächt dadurch seine Wettbewerber, die ihm „im lukrativen Markt für Geschäfts- und Werbebriefe bislang durch Niedrigpreise erfolgreich Marktanteile abgejagt“ hatten, schreibt der Tagesspiegel. Auch im politischen Streit um den Mindestlohn will die Post ihren Kritikern offenbar den Wind aus den Segeln nehmen: Sie habe „Bereitschaft signalisiert, entlassene Pin-Mitarbeiter zu übernehmen (...). Dass der Konzern dies in einem Brief an SPD-Parteichef Kurt Beck zugesagt habe, wie von Beck behauptet, wollte die Sprecherin aber nicht bestätigen“, schreiben die Berliner.

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