Presseschau vom 11.12.2007
Horror-Show im Alpenland

Die internationale Wirtschaftspresse geißelt die UBS-Milliardenabschreibungen. Die FAZ spekuliert, dass Putin Aufseher bei Gasprom werden könnte. Das Wall Street Journal sorgt sich um die Pharmabranche. Expansión singt einer Hymne auf Santander und Les Echos prangert die Heuchelei in der Finanzpolitik an. Fundstück: Heuschrecken-Bashing per Youtube.

Nachdem Europas größte Bank gestern bekannt gegeben hat, weitere 10 Milliarden Dollar wegen der Folgen der US-Subprime-Krise abschreiben zu müssen, schimpft die » BBC über die „Horror-Show“ der UBS. Da die Bank bislang den Ruf genossen habe, konservativer als die Rivalen zu agieren, sei der Verlust durch die Milliardenabschreibungen nicht nur ein rein monetärer: „Dies ist ein ernster Rückschlag für die wertvolle Marke der Bank – deren Image bereits vor einem Jahrzehnt befleckt wurde, als die Bank in den Kollaps des gigantischen Hedge-Fonds LTCM involviert war“, erinnert die BBC. Dass die Schweizer eine Geldspritze aus Singapur bekommen hätten, sei ein weiterer Beleg für den „Transfer“ der „finanziellen Macht“ von den westlichen Wirtschaften zu den großen, „Geld generierenden Wirtschaften in Asien, Russland und im Mittleren Osten – die dazu in der Lage sind, die Bedingungen zu diktieren, zu denen sie unsere wichtigen Institutionen stützen.“

Die » Süddeutsche Zeitung erinnert daran, dass die UBS als eines der wenigen Institute weltweit bei der Rating-Agentur Moody’s noch ein Triple-A-Rating habe, weshalb schon der Ansatz eines Vertrauensverlusts fatale Folgen habe: „Eilends würden Investoren ihr Geld von der Bank abziehen – das Geld, das ganz bewusst bei einer der sichersten Banken der Welt geparkt wurde.“ Die Krise der UBS zeige, dass Banken knapp ein halbes Jahr nach Ausbruch der Immobilienkrise keine Ahnung hätten, wie es um sie stehe und wie solche Krisen in Zukunft vermieden werden könnten. „Die Bankenbranche steht von einem Scherbenhaufen. Weniger von den Verlusten her, die die meisten Banken – irgendwie – verkraften werden, sondern weil die Krise zeigt, wie verwundbar die Branche bleiben wird“, analysiert das Blatt.

Die » Times schreibt: „Natürlich nutzt Marcel Rohner, der neue CEO, die Gelegenheit, bei der UBS klar Schiff zu machen, solange er die Möglichkeit dazu hat.“ Zwar markiere die gestrige „Schwermut“ der Schweizer möglicherweise den „Anfang vom Ende der kreditbedingten Verluste“ bei der eidgenössischen Banken-Gruppe. Gleichwohl sei jetzt mit einer neuen Runde an Abschreibungen bei den Wettbewerbern in Europa und den USA zu rechnen.

Die » Financial Times Deutschland stimmt einen zornigen Abgesang „auf ein Kreditinstitut von Weltrang“ an: Die Erfolgsgeschichte der UBS müsse jetzt umgeschrieben werden: „Wir müssen pumpen gehen. Wir, die wir massenhaft Geld gemacht haben, müssen jetzt betteln. Zum Glück gibt es in Singapur massenhaft Kohle. (...) 2 Mrd. Franken kommen aus dem Nahen Osten. Wer bitteschön steckt hinter letzteren, welcher Wüstensohn hat sich in unsere wunderschöne Schweizer Bank eingekauft? Das verraten wir nicht. Wir sind schließlich das Land der Panzerschränke und Nummernkonten.“

Auch aus Sicht des » Tagesspiegels sind die Folgen der Milliardenabschreibungen für die UBS immens. „Vertrauen ist bares Geld wert im Finanzsektor, die Basis des Geschäfts. Gerade die Schweizer Banken haben davon in den letzten Jahrzehnten immer profitiert. Doch dieses Vertrauen ist im Zuge der Hypothekenkrise in den USA reichlich beschädigt worden“, rekapitulieren die Berliner. Die Geheimniskrämerei der Banken werde langsam zum „Bumerang“. Obwohl Banken börsennotierte Unternehmen und als solche ihren Aktionären verpflichtet seien, sei ihr Geschäft wesentlich undurchsichtiger als das von Industrieunternehmen. „Die Verbindungen untereinender und ihre Finanzprodukte sind für Laien nicht mehr zu durchschauen.“

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