Presseschau vom 12.10.2007
Streik in der Mittagspause

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Einigung der Gewerkschaft United Auto Workers mit Chrysler und blickt zum dritten Schauplatz der Tarifverhandlungen: Ford. Die niederländische Presse trauert um ABN Amro. Der Tagesspiegel schimpft über die heutigen Streiks im Nahverkehr. Fundstück: Wenn Bush den Friedensnobelpreis erhält.

„Wenn der letzte Streik eine verlängerte Kaffee-Pause war, dann gab dieser Streik kaum die Gelegenheit, einen Tee aufzukochen“, kommentiert die » Financial Times den sechsstündigen Streik bei Chrysler. Die Arbeitsniederlegungen hätten taktische Gründen gehabt und die Hardliner unter den Gewerkschaftern besänftigen sollen. Zwar seien die Details der Einigung noch nicht veröffentlicht worden. Da die neuen Chrysler-Eigentümer in erster Linie jedoch den Cash-Flow im Auge hätten, unterscheide sich das Abkommen vermutlich von dem mit General Motors. „Die neuen Eigentümer von Chrysler möchten so viel operative Flexibilität wie möglich, weil sie darauf fokussiert sind, die Gewinne über einen begrenzten Zeitraum zu maximieren“, schreibt die FT. Eines sei jedoch beiden Seiten klar: Unter dem Druck der Globalisierung schrumpfe die US-Autoindustrie. „Dies gibt Hoffnung mit Blick auf das letzte Ziel der UAW, Ford. Mit ein bisschen Glück passt der nächste Streik in die Mittagspause.“

» Business Week führt die schnelle Einigung auf die vergleichsweise schwache Verhandlungsposition des Autobauers zurück. „Chrysler-CEO Nardelli möchte die Kosten drastisch reduzieren und die Verpflichtungen für das Gesundheitswesen an die Gewerkschaft übertragen, während das Management hart daran arbeitet, Probleme der Produktlinie von Chrysler sowie beim Marketing zu lösen“, beschreibt das Blatt die Rahmenbedingungen. „Das könnte fünf Jahre dauern, eine Ewigkeit in der Welt von Private Equity. Weil das UAW-Abkommen nur alle drei Jahre neu verhandelt wird, hat Cerberus alle Zugeständnis-se mitgenommen, die möglich waren.“

Die » Cincinnati Post blickt zum dritten Schauplatz der Tarifverhandlungen von Detroit. Trotz der vergleichsweise schwachen finanziellen Situation von Ford – im vergangenen Jahr habe der Konzern einen Verlust von 12,6 Milliarden Dollar gemacht – könnte der Autobauer der härteste Verhandlungspartner sein. Zwar strebe Ford dieselbe Krankenversicherungs-Fondslösung an wie Chrysler und GM, verfüge aber über zu wenig Geld, um den Fonds finanziell auszustatten – der Konzern versorge 123.000 Pensionäre und Ehegatten. Voraussichtlich werde Ford am Verhandlungstisch darauf drängen, die Zahl der Zeitarbeiter zu reduzieren. Ein Streik würde Ford ungleich härter treffen als die anderen Detroiter Autohersteller.

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