Presseschau vom 12.12.2007
Feind im eigenen Bett

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert das Krisenmanagement bei UBS und der Citigroup. Le Monde spricht sich dafür aus, Lybien als neuen Geschäftspartner des „alten Kontinents“ zu akzeptieren. Forbes schwärmt für den Smart, der 2008 in den USA eingeführt werden soll. Fundstück: Gefeuert statt befördert.

Das » Wall Street Journal findet für die UBS, die eine Abschreibung von zehn Milliarden Dollar bekannt gegeben hat, und „ihren Retter Singapur“ keine lobenden Worte. Während sich UBS-Chef Marcel Ospel von seinen strategischen Investoren der Singapore Investment Corp. „entzückt gezeigt“ habe, meint das WSJ: „Hypothekenkrisen zwingen zu seltsamen Bettnachbarn.“ Die neuen Investoren seien keine gewöhnlichen. Vom Staat kontrolliert und oft undurchsichtig agierend, hätten sie andere Interessen als private Investoren: „Wer sagt, dass sie ihr politisches Kalkül nicht vor ihre Wirtschaftsinteressen stellen?“ Ospel habe zugegeben, dass das Ausmaß der Hypothekenkrise für die UBS noch nicht erkennbar sei. Aber zumindest wisse man um dieses „Nichtwissen“ – was man von den neuen Partnern nicht sagen könne.

Vorerst habe sich UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel durch eine offensive Informationspolitik und den Verzicht auf einen Bonus aus der Schusslinie nehmen können, schreibt die » Neue Zürcher Zeitung. Allerdings werde hinter vorgehaltener Hand auch schon „die These vertreten, der Verwaltungsrat könnte Ospel als Überbringer weiterer schlechter Nachrichten noch brauchen“. Die Bank, die bereits im Oktober eine Vier-Milliarden-Dollar-Abschreibung verkünden musste, könnte nämlich noch eine dritte Hiobsbotschaft überbringen müssen. „Bei einem solchen Szenario scheint es plausibel, dass ein Nachfolger Ospels erst antreten will, wenn wirklich reiner Tisch gemacht ist.“

Nachdem die Citigroup gestern den bisherigen Chef ihrer Investment Banking-Sparte, Vikram Pandit, als neuen CEO und den Interims-CEO Winfried Bischoff als Chairman des US-Finanzkonzerns ernannt hat, zeigt sich die » International Herald Tribune skeptisch: „Die Citigroup zu sanieren, dürfte nicht leicht werden. Pandit hat noch nie eine Firma geführt, und erst recht nicht eine so große und komplexe wie die Citigroup. Das Unternehmen muss möglicherweise mit weiteren Milliarden-Verlusten im Hypothekengeschäft rechnen. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 40 Prozent eingebrochen“, analysiert das Blatt. Bislang sei Pandit eher als „analytischer Technokrat“ denn als „charismatischer Führer“ bekannt. In Zukunft müsse der neue CEO bestimmen, ob die Citigroup aufgespalten wird, wie von einigen Investoren gefordert werde. Außerdem müsse er das Risikomanagement und die Computersysteme der Bank verbessern.

» Business Week rät der Citigroup, sich nach einem Fusionspartner umzusehen. Nach Einschätzung von Analysten werde es Jahre dauern, bis sich Citi von den Verlusten durch die Subprime- und anschließende Kreditmarkt-Krise erholt. Meredith Whitney, Aktien-Analystin bei CIBC World Markets, habe schon Ende Oktober darauf hingewiesen, dass die Citigroup trotz ihrer riesigen Größe unterkapitalisiert sei – auf Grund des Berichts brach die Aktie am Tag darauf um sieben Prozent ein, drei Tage später trat Citi-CEO Charles Prince zurück. Der Analyst David Hendler (CreditSights) habe JP Morgan Chase als idealen Partner im Auge: JP Morgan-CEO Jamie Dimon und andere Führungskräfte hätten schon für die Citi gearbeitet, außerdem habe das Institut bereits unter Beweis gestellt, dass es „große Deals“ stemmen könne. Der größte Vorteil einer Fusion liege in der Kostenersparnis. Größte Fusionshürde, so Business Week, sei die Größe der Citi, deren Marktwert bei 173 Milliarden Dollar liege – daher sei es kein leichtes Unterfangen für JP Morgan, sich ein großes Citi-Stück zu sichern.

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