Presseschau vom 12.8.2008
Kein Gold für China

Die internationale Wirtschaftspresse zeichnet düstere Prognosen für Chinas Wirtschaft – trotz Olympia. Fortune glaubt, dass Apple bereits drei Millionen iPhones verkauft hat. Les Echos warnt Europa vor Schwarzmalerei. Die Frankfurter Rundschau meint, dass Thomas Middelhoff seinen „Wunderkind“-Status verloren hat. Fundstück: Darm-Alarm dank EU-Vorschriften.
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„Der Traum ist vorbei“, übertitelt die in Istanbul erscheinende, englischsprachige Tageszeitung Today’s Zaman ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Lage in China. „Die Tage des schnellen Geldes sind vorbei, dank einbrechender Hypothekenmärkte, strengerer Kreditvergaberegeln, schwächelnder chinesischer Börsenmärkte und tausender geschlossener Fabriken.“ Dieser Trend könne auch nicht mehr von den Olympischen Spielen gestoppt werden. Den statt sich als Wachstumsmotor zu erweisen, hätten diese den gegenteiligen Effekt: Viele Besucher seien aufgrund der restriktiven Visa-Regelungen gar nicht erst gekommen, die Pekinger Hotels zählten tausende leere Zimmer, der Run von Touristen sei bislang ausgeblieben, die Fluglinien hätten weniger Business-Class-Flüge über den Sommer registriert. Zudem hätten die Behörden zahlreiche Fabriken geschlossen, um den Smog während der Spiel zu reduzieren. „Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte deutlich an Schwung verliert.“ Und die Goldman-Sachs-Analysten Hong Liang und Yu Song gingen davon aus, dass China von den Spielen langfristig kaum profitiere, und kurzfristig sogar negative Auswirkungen für seine Wirtschaft befürchten müsse. Doch ein lang anhaltender Abschwung wie in Seoul (1988), Barcelona (1992) oder Athen (2004) sei nicht zu erwarten, so das Blatt.

Der Daily Telegraph rekapituliert die Ängste der Investoren: Die Sorge vor einen postolympischen Kater und einer dann explodierenden Inflation hätten zum Absturz der chinesischen Börse in ein 20-Monats-Tief geführt. „Damit schneidet der Shanghai-Index am schlechtesten in diesem Jahr ab“, kommentiert die britische Zeitung. Der Grund: „Viele Investoren glauben, dass die Regierung den Markt stützt, um das Gesicht während der Olympischen Spiele zu wahren.“ Also verkauften viele Anleger lieber jetzt, als sich nach den Spielen mit noch schlechteren Renditen oder Gewinnen zufrieden geben zu müssen. Einige beschwerten sich aber auch darüber, dass die Regierung ihr ganzes Geld für die Spiele ausgegeben habe, und nicht für die Wirtschaft. Die Versuche, die Inflation vor und während der Olympischen Spiele einzudämmen, hätten ihr übriges bewirkt: So seien die Kontrollen für ausländische Investitionen verschärft und der Kapitalzufluss abgewürgt worden. Nun helfe nach Meinung eines chinesischen Brokers nur noch eins: „Um den Shanghai-Index vor einem weiteren Fall zu bewahren, muss frisches Geld in den Markt gepumpt werden.“

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warnt Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der BASF und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, davor, die Olympischen Spiele zu überschätzen: „Wenn man China als Ganzes sieht, sind die Spiele wirtschaftlich kaum von Bedeutung. Auf Peking entfallen nur 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 1,1 Prozent der Bevölkerung. Das sind die niedrigsten Werte unter allen Austragungsorten seit 30 Jahren.“ So entsprächen die 35 Milliarden Dollar, die die Chinesen seit 2001 für das Projekt Olympia ausgegeben hätten, kaum zwei Prozent der Binneninvestitionen. Dennoch profitiere die deutsche Wirtschaft, weil über die Sponsoren Olympia mit deutschen Unternehmen verbunden werde. „Wir als BASF haben zum Beispiel Betonadditive für das Olympiastadion und Akustik-Dämmstoffe für das Wassersportzentrum geliefert. In den Katalysatoren der neuen Stadtbusse, in jedem Sportschuh stecken Produkte von uns.“ Natürlich brauche das Land Zeit, um Umweltschäden oder Korruption besser bekämpfen zu können. Doch das Land habe Fortschritte gemacht und die Behörden zeigten sich entschlossener. „Ich bin dagegen, immer mit dem Finger auf die Chinesen zu zeigen.“

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