Presseschau vom 13.12.2007
Finanzspritze zum Fest

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die konzertierte Aktion der Zentralbanken. Fortune stellt für den neuen Citi-Chef eine Agenda auf. Die New York Times zeigt, wie Rupert Murdoch das Wall Street Journal umwälzt. Die Zeit sieht in den hohen Managergehältern eine Bestätigung für die Ungerechtigkeit der Gesellschaft. Fundstück: Kondome vom Chef.

Das » Wall Street Journal begrüßt die kollektive Finanzspritze von fünf Zentralbanken, darunter Europäische Zentralbank (EZB) und Fed. Statt den gesamten Finanzsektor mit Dollar zu fluten - und damit Inflationsrisiken heraufzubeschwören -, sei der Schritt von Fed & Co. eine "chirurgische Maßnahme", bei der über eine so genannte Term Auction Facility (TAF) kurzfristige Darlehen an Banken vergeben werden. "Das Kernproblem im gegenwärtigen Chaos sind Solvenz und Unsicherheit", analysiert das WSJ. "Jeder weiß, dass die Banken weitere Milliarden-Verluste hinnehmen müssen, keiner ist sich jedoch sicher, wie hoch diese ausfallen und wo sie anfallen werden." Jetzt müsse die Fed gemeinsam mit dem US-Finanzministerium an längerfristigen "Solvenz-Plänen" arbeiten, die den von der Finanzkrise am stärksten betroffenen Banken helfen. "Dabei ist mehr gefragt, als nur weiteres Geld von den Hubschraubern abzuwerfen."

» De Volkskrant aus den Niederlanden erinnert daran, dass der gemeinsame Schachzug der Zentralbanken erst der zweite in diesem Jahrhundert gewesen sei. Die derzeitige Situation auf den Finanzmärkten sei mindestens ebenso außergewöhnlich wie nach den Anschlägen am 11. September, findet das Blatt. Mit den neuen Milliardenkrediten versuchten die Banken zu verhindern, dass das Finanzsystem am Jahresende "krachend und ächzend zum Stillstand" komme. Nach Einschätzung von Robeco-Chefökonom Lex Hoogduin wollten die Zentralbanken erst abwarten, wie die Finanzmärkte auf die Zinssenkung der US-Notenbank reagierten. Als die Reaktion heftiger als erwartet ausgefallen sei, hätten die Banken ihre zweite Karte gespielt. Das Timing, so die niederländische Zeitung, sei gut: "Gegen Jahresende haben die Banken Geld nötig, um ihre Bilanzen zu polieren."

Aus Sicht der » FAZ signalisiert das Vorgehen der Zentralbanken, dass von einem Ende der Finanzmarktkrise keine Rede sein könne. "Das Misstrauen unter den Geschäftsbanken ist immer noch so extrem, dass zusätzliches Geld der Zentralbanken notwendig ist, um schwere Spannungen innerhalb des Finanzsystems zu verhindern. Der Eingriff der Zentralbanken ist Symptom einer schweren Krise." Immerhin demonstrierten die Zentralbanken, dass sie ihrer Aufgabe als "Bank der Banken" auch in Zeiten globalisierter Finanzmärkte gewachsen seien. Im Unterschied zu den anderen Zentralbanken beweise die EZB außerdem ein "ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein", da sie weiterhin nur Wertpapiere allererster Güte als Sicherheit für die vorübergehende Bereitstellung von Geld akzeptiere.

Die » Financial Times Deutschland vergleicht den "spektakulären Auftritt" der Notenbanken mit dem Erscheinen des Deus ex Machina im Theater: "Eine restlos verfahrene Tragödie wird durch das überraschende Einschweben einer höheren Instanz doch noch aufgelöst." Die Botschaft der Banken laute: Sie seien fest entschlossen, einer möglichen Krise im Bankensystem entgegenzutreten; sie ließen nicht zu, dass die Liquidität versiege, weil sich die Banken nach den undurchschaubaren Subprime-Fehlspekulationen untereinander keinen Kredit mehr gewährten."Ausgestanden ist das Kreditkrisendrama damit aber noch lange nicht. Die konzertierte Geldspritze hilft erst einmal über die kommenden Wochen. Dann wird man wieder ein bisschen mehr darüber wissen, wo letztlich welche Verluste aus der Subprime-Krise zu verkraften sind", blickt das Blatt voraus.

» Les Echos aus Frankreich kommentiert die Entscheidung der US-Notenbank vom Dienstag, den Leitzinssatz um 25 Punkte auf 4,25 Prozent zu senken. "Wäre die Notenbank den jüngsten Indikatoren gefolgt, hätte sie den Zinssatz eigentlich erhöhen müssen", meint das Blatt. Immerhin wachse die US-Wirtschaft um 4,9 Prozent, die Arbeitslosenquote liege unter fünf Prozent und die Produktionskosten seien um mehr als sechs Prozent zurückgegangen. "Doch die Notenbank musste für die Zukunft vorsorgen, und dort ziehen noch mehr dicke, schwarze Wolken der Subprime-Krise herauf." Die Verantwortlichen hätten vor allem eins im Blick gehabt: das Risiko einer Rezession zu minimieren. "Die Senkung des Leitzinssatzes wird für neuen Schwung sorgen, das Vertrauen aber bringt sie nicht zurück. Dazu müssten die von der Krise betroffenen Banken ihre Konten offen legen und mehr Transparenz schaffen."

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