Presseschau vom 13.5.2008
Die neue Supermacht

Die internationale Wirtschaftspresse erklärt, warum die USA gerade dabei sind, ihren Supermacht-Status an Russland zu verlieren. BusinessWeek sieht in der Entwicklung des Billigautos Nano ein geniales Werk. Le Monde Diplomatique beklagt mangelnden Einfallsreichtum bei IWF und WHO. Fundstück: Dmitri Medwedew taugt nicht zum Sexsymbol.

Den Aufstieg Russlands zur neuen Supermacht glaubt » Salon.com derzeit zu beobachten. „Spätestens seit der Preis für einen Barrel Rohöl die 110-US-Dollar-Marke überschritten hat, dürfen sich die USA nicht mehr ‚Supermacht‘ nennen“, meint das Portal. Jahrzehntelang habe das Land seine Wirtschaftsmacht auf Öl bauen und Vormachtstellungen in der Automobil- oder Computerindustrie oder beim Militär erlangen können. Nun importierten die USA zwölf bis vierzehn Millionen Barrel Rohöl pro Jahr – und transferierten Unsummen an ausländische Produzenten, die das Geld nutzten, um amerikanische Werte zu verschlingen. Russland sei dagegen ein spektakulärer Wiederaufstieg zur Supermacht geglückt – „auf der Basis seiner ausgezeichneten Energiebilanz.“

Das Land verfüge über die am schnellsten wachsende Wirtschaft der G8-Staaten, es produziere mehr Energie als es benötige und sei die einzige Großmacht, die bei ihrer Energieversorgung nicht auf andere Länder angewiesen ist, schreibt Salon.com weiter. Russland nutze den mächtigen Konzern Gazprom, um Einfluss auf Staaten auszuüben, die früher Teil der Sowjetunion waren; so hätten bereits die Ukraine, Armenien oder Georgien nachgegeben. Und der neue Präsident Dmitri Medwedew habe im Dezember 2007 voller Selbstbewussten gesagt, dass Russland nicht mehr wie ein Schulkind behandelt werden könne: „Russland hat sich gewandelt in ein anderes, ein stärkeres und blühendes Land.“ Das, so Salon.com, könne man von den USA nicht sagen.

Eine noch engere Verflechtung von Regierung und Gazprom prophezeit die » International Herald Tribune: „Mit dem Aufstieg des einstigen Gazprom-Chefs Medwedew zum Präsidenten steigt auch der Konzern weiter auf. Putin und Medwedew sind das ‚Dreamteam‘ für seinen Erfolg.“ 93 Milliarden US-Dollar habe Gazprom 2007 eingefahren, das Unternehmen beschäftige 432.000 Leute, zahle Steuern in Höhe von 20 Prozent des russischen Haushaltes, sei als Ölförderer die Nummer Zwei hinter Saudi-Arabien und als Erdgasproduzent weltweit die Nummer Eins. Bis 2010 plane Gazprom, seine Investitionen von 24 auf 45 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Und schließlich werde mit derzeit 125 US-Dollar pro Barrel Rohöl das Gazprom-Portemonnaie immer dicker. So verwundere es nicht, dass Gazprom zum drittgrößten Unternehmen nach Marktwert aufgestiegen sei. „Wenn Gazprom die Preise weiter erhöht, kann es das größte Unternehmen weltweit werden.“

Die russische Tageszeitung » Kommersant freut sich über den Aufstieg Gazproms zum drittgrößten Unternehmen nach Marktwert: „Mit einem Gesellschaftskapital von 359,8 Milliarden US-Dollar hat Gazprom Schwergewichte wie China Mobile oder General Electric ausgestochen und steht nun hinter Exxon Mobil (476 Milliarden US-Dollar) und PetroChina (441 Milliarden US-Dollar).“ Nach Meinung der Zeitung ist aber nicht eine Preiserhöhung nötig, um den Wert von Gazprom weiter zu steigern, es reiche schon eine Neubewertung seiner Reserven: „Schließlich betonen Manager seit geraumer Zeit, dass Gazprom noch immer unterbewertet ist.“

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