Presseschau vom 14.12.2007
Zwei Hochzeiten und kein Todesfall

Die Wirtschaftspresse kritisiert die neuen deutschen Banken-Allianzen. Le Figaro sieht den Plan von Nicolas Sarkozy, die Kaufkraft der Franzosen zu stärken, gefährdet. Die Herald Tribune untersucht die italienische „malessere“. Die Financial Times ist überrascht über die Beteiligung der Lufthansa an JetBlue. Fundstück: Batterien-Carpaccio mit Öl-Likör.

Die » Financial Times Deutschland erweist sich als skeptische Trauzeugin der jüngsten Bankenhochzeiten. WestLB und Helaba passten nicht so gut zusammen wie die Paarung WestLB und LBBW. Bei den Firmenkunden habe die Helaba beispielsweise keine mit der LBBW vergleichbare Position im Mittelstand – „der Kundenstamm für die Kapitalmarktkapazitäten der WestLB ist also kleiner.“ Auch die Allianz von LBBW und Sachsen LB sei „keine Traumhochzeit“: „Die Stuttgarter müssen sich mit einer geringeren Risikoabsicherung zufrieden geben als erhofft, die Sachsen wiederum müssen mehr zahlen als ursprünglich gedacht. Ein Kompromiss, dessen wirtschaftliche Sinnhaftigkeit die Zukunft zeigen muss. Schließlich weiß keiner, was die sächsische Wundertüte noch so an Geschenken bereithält.“

Die » Welt bemängelt die politischen Handschriften der Zusammenschlüsse, bei denen es „nicht nur um wirtschaftliche Vernunft, sondern vor allem um Prestige und Macht“ gegangen sei. Die Übernahme der SachsenLB drohe die LBBW teuer zu stehen zu kommen: Sollten die Verluste die Landesbürgschaft von 2,75 Milliarden Euro übersteigen, blieben sie in erster Linie an der LBBW hängen. Der Schulterschluss von WestLB und Helaba sei indes bislang kaum mehr als ein hehrer Wunsch der Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (NRW) und Roland Koch (Hessen). Die beiden Regierungschefs hätten alle anderen Beteiligten mit ihrer Idee überrumpelt – Helaba-Chef Günther Merl habe sogar erst am Mittwochmorgen erfahren, dass sein Haus die angeschlagene WestLB retten solle. „Die Sparkassen, die die Mehrheit an beiden Banken halten, signalisierten zwar offiziell Gesprächsbereitschaft. Hinter vorgehaltener Hand äußern sie sich jedoch skeptisch.“

Das Schöne am großen Spiel der Banken, schreibt die » Süddeutsche Zeitung ironisch, sei, dass ihre Manager ungestraft Milliarden verzocken könnten. „Bei den Landesbanken kommt noch erschwerend hinzu, dass sie zwar von Managern geführt werden, großmannssüchtige Landesfürsten aber gehörig mitreden können. Ihre Herolde sitzen in den Gremien.“ Den möglichen Einwand, dass durch den Eingriff der öffentlichen Hand das Schlimmste habe verhindert werden können, kontert die SZ: „Das Schlimmste? Künftig wird es eben weniger Geld für Jugendzentren geben, oder es werden halt die Mittel für Präventionen gegen rechte Gewalt in Sachsen gekürzt. Das sind dann sozusagen die Folgekosten einer jahrelangen, unverantwortlichen Zockerei.“

Die » Tageszeitung aus Berlin moniert, dass sich private wie öffentliche Banken letztlich bei ihren riskanten Geschäften darauf verlassen, dass sie im Notfall vom Staat gerettet werden. „Es ist seltsam: „Der Finanzmarkt gilt als der Inbegriff des Kapitalismus, doch tatsächlich ist er sehr stark öffentlich abgesichert.“ Noch könnten die Banken die Vorteile zweiter Welten kombinieren; ihre Gewinne seien privat und das letzte Risiko trage die Öffentlichkeit. „Spätestens die Sachsen-Affäre hat gezeigt, dass der Staat viel früher eingreifen muss und – die Banken hassen dieses Wort – regulieren.“

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