Presseschau vom 14.2.2008
Zu groß zum Scheitern

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt an der Rettungsaktion der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB durch den Bund. Der Independent erkennt in den britischen Plänen zur Besteuerung wohlhabener Ausländer einen „abscheulichen Populismus“. Z24 erwartet den Niedergang von Nokia. Fundstück: Viraler Protest gegen Bankgebühren.

Nachdem sich die Bundesregierung mit dem Verwaltungsrat auf eine weitere Finanzspritze zur Rettung der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB geeinigt hat, zweifelt das » Wall Street Journal an der Begründung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Dass bei einer Insolvenz der IKB die „Erschütterungsdynamik“ unabsehbar wäre, seien „ominöse Worte“, die offenbar die Steuerzahler mit dem Gedanken versöhnen sollen, die Rechnung für die Fehler der Bank zu zahlen.

Bis vor wenigen Monaten sei die Bank selbst für Experten unbekannt gewesen, doch sie sei ofenbar zu groß, um zu scheitern. „Dabei ist es kaum vorstellbar, dass der Niedergang der Bank auch nur annähernd zu einem systemischen Risiko für die deutsche Finanzindustrie führen würde“, schreibt das Blatt. Wegen des eingeschränkten Geschäftsfeldes der Bank, die vorwiegend kleinen und mittleren Firmen Geld leihe, und des Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes gäbe es nicht die Gefahr eines Ansturms auf die Konten der IKB wie im Falle von Northern Rock.



Die » FAZ fragt, warum der Steuerzahler die Rechnung für „überforderte Bankmanager“ begleichen müsse, die in ihrer „Gier nach Rendite blind fürs Risiko wurden“. In Deutschland wie auch in anderen Ländern entstehe in dieser Finanzkrise der Eindruck, die Gewinne der Banken seien privater Natur, während für die Verluste die Allgemeinheit aufzukommen habe. Die Begründung, der Rettungseinsatz sei wegen einer drohenden Kettenreaktion erforderlich, sei übertrieben. „Dazu ist die IKB zu klein. Wenn die deutschen Banken die Rettung nicht mittragen wollen, dann ist die IKB für den Finanzplatz wohl nicht so wichtig, der Vertrauensschaden wohl nicht so groß, sie kann also abgewickelt werden.“

Der » Focus sucht die Schuldigen der IKB-Misere. Von den 21 Aufsichtsräten der Bank, die für ihre Kontrolltätigkeit im Geschäftsjahr 2005/2006 insgesamt 1,3 Millionen Euro Vergütungen und Spesen kassierten, hätten die IKB-Aktionäre eigentlich erwarten können, dass sie ihre Aufgaben ernst nehmen. „Doch die Räte haben zu lange weggeschaut und dem Vorstand freie Hand gelassen – obwohl bereits im Frühjahr 2007 die Hypothekenkrise für Schlagzeilen sorgte und die Kurse der Bankaktien einbrechen ließ“, blickt das Blatt zurück. „Kann es ihnen wirklich entgangen sein, dass der Mittelstandsfinanzierer einen erheblichen Teil seiner Umsätze mit dem Handel von Ramschkrediten erwirtschaftete, die nichts mit dem eigentlichen Geschäft der IKB zu haben?“

Für die » Frankfurter Rundschau zeigt der Niedergang der IKB, dass eine starke Bankenaufsicht unverzichtbar sei. „Es darf nicht sein, dass Institute auf Renditejagd finanzielle Risiken eingehen, die durch ihr Eigenkapital nicht gedeckt sind. Deshalb gehört die Aufsichtsbehörde nicht nur materiell, sondern auch rechtlich so gut ausgestattet, dass sie Alarmsignale frühzeitig erkennen und wenn nötig konsequent einschreiten kann.“ Dabei funktioniere das von den privaten Instituten bevorzugte Modell der freiwilligen Selbstkontrolle im Bankensektor genauso wenig wie in anderen Wirtschaftszweigen. „Für etwaige Schäden muss der Staat aufkommen, das ist die Lehre aus der Beinahe-Pleite der Privatbank IKB. Damit ist die Zeit gekommen, den Banken genauer auf die Finger zu schauen. Denn wer zahlt, muss auch mitreden dürfen.“

Seite 1:

Zu groß zum Scheitern

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%